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Judaica · 1937-07-01 · 23-24 (Juli 1937) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
23-24 (Juli 1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nordau selbst schreibt als Student der Medizin darüber: Jetzt bläst man Schoifer und geht man zu Seliehoth und betet und die Juden weinen und wollen sich reinigen vor dem Herrn der Heerscharen. Denkst Du noch, wie wir früher um halb vier Uhr aufgetrommelt wurden? Da gingen wir schlaftrunken in die kühle Nacht hinaus. Anfangs war die Strasse menschenleer, wie wir aber weiter gingen, öffnete sich hier ein Tor und dort eins und heraus schlüpften unsere Judengestalten und ein immer ansehnlicheres Häufchen, gingen wir in den Tempel. Dort wars warm und hell und das machte mich immer sehr schläfrig, so dass ich auch meistens die Augen geschlossen hatte und nur im Halbschlaf hörte, wie der Chason sang und die Juden sich die Brust schlugen und sich schüttelten und schrien: „Aus dunklen Tiefen rufen wir Dich, Herr des Lichts!” und wie die Weiber oben weinten! Dann wurde ich plötzlich vom Vater durch einen Stoss ermuntert, schlaftrunken öffnete ich die Augen und sah die vielen Kerzen mit einem bleichen Hof umgeben und die Fenster waren schon etwas erhellt, aber die Buchstaben jüdisch und sonderbar geformt, tanzten vor den geblendeten Blicken und ich konnte nicht beten. Dann um halb sechs gingen wir (von der polnischen Schule) hinüber in den jüdischen Tempel, um dort bis halb acht Uhr zu bleiben. Das war so vierzehn Tage lang und indessen wurde ich immer bleicher und bekam blaue Ringe um die Augen und magerte ab ... Glaub mir, das war poetisch und schön, wenn ich auch ungerne früh auf stand ... später ... ging er (der Vater) zu Selichoth ins Orczy’sche Haus und zu Sachrith zu (den) „Pojlen”. # # * Noch hängen dieselben alten Bronze-Luster, deren Kerzen den kleinen Simi blendeten in dem Bethaus der „Pojlen'k Es ist die älteste Synagoge Budapests. Aber das Orczy-Haus ist gerade diesen Tagen der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Stephen S. Wise sei, gewährt mir die kühne Bitte, in ihrem Bunde der Dritte. Die hier sichtbare Synagoge war ursprünglich nach orthodoxem Ritus eingerichtet, der Almemor stand dazumal wohl in der Mitte. In der Soroksärergasse, jetzt Rädaygasse, die damals an der Peripherie der Stadt Budapest lag, gab es eine kleine, junge orthodoxe Kolonie. Der Austritt der Orthodoxen hatte erst vor kurzem stattgefunden, die Familie des Dr. Stephen S. Wise war Rufer im Streit gegen die Neologie. Sein Grossvater Moritz Fischer, war einer der Vorkämpfer der Orthodoxie an dem historischen jüdischen Landeskongresse vom Jahre 1868/9. hin Jahr vorher 1867, hatte er als Anerkennung seiner Verdienste um die Schaffung der Porzellanmanufaktur den ungarischen Adel mit dem Prädikate de Farkashäzy erhalten. Im selben Jahre heiratete sein Sohn Sigmund v. Fischer, die Tochter Ignatz Grünwalds in Pressburg (Siehe „Um eine Adelskrone” Judaica 3—4). Eine Tochter Moritz v. Fischers, Sabine, wurde die Frau des Aron Weiss, Sohn des streng orthodoxen Rabbiners von Eger (Erlau), der sich in Budapest niedergelassen hat. Hier wurde ihm1 am 17. März 3

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