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Judaica · 1936-07-01 · 17-18 (Juli 1936) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
3 (1936)
Issue
17-18 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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DIE GEGENWART Grossrabbiner Ch. L. Spira, Mukacevo. Ist das der düstere Fanatiker? Ein offenes menschenfreundliches Antlitz, abgetönt von einem Zug des Weltschmerzes, träumerischer Blick, der kabbalistische Visionen zu erschauen gewohnt ist, die er in dieser bösen Umwelt nicht zur Gestaltung bringen kann. Er hat das chassidisch sublimierte messianische Ideal nicht aufgegeben oder verwässert. Das gibt Entladungen elementarer Natur, wie der Wetterstrahl, der von der kraftüberladenen Wolke zur kraftarmen fährt. Eines ist sicherlich hochachtenswert! Der volle Einsatz seiner Person, seiner Ruhe, seiner Ehre für das, was er als heilig erachtet. „Den Rücken bot ich den Schlägern, ich schonte mein Gesicht nicht vor Geifer und Schande, ein Mann des Streites und Zankes gilt ich darob im Lande ... ” stöhnt ja auch Jeremias. Einst hat man den Maximalisten der Thora zugerufen: We-hamahmir towo olow berocho! Notizen Zurück zur Bibel! Zweimillionen Juden leben glücklich und ungefährdet in New-York, zwei Millionen Juden könnten ebenso ungefährdet, aber glücklicher auf dem Boden ihre Väter leben. Welches Volk hatte ein gleiches, der ganzen Menschheit teueres Vermächtnis, wie die Bibel der Friedenskonferenz vorzulegen? Welcher Appell eines wahrhaft treuen Sohnes seines Volkes hätte da einen derart mächtigen Widerhall in tausend Millionen von Fierzen gefunden, wie der Jude, dessen Mund befeuert gewesen wäre vom wahren Geiste der Bibel, des heiligen Bundesbuches, das nicht mehr mit siebenzig, sondern siebenhundert feurigen Zungen allen Völkern der Erde unser Recht auf den von unseren Propheten geheiligten Boden verkündet, o, diese wundersame, urzeitliche Deklaration des FFERRN an i\bram in der schaurigerhabenen Stunde des Brit-ben-habetarim! (Hat Jabotinsky noch nicht den Gleichklang von Brit-ben-habetarim entdeckt?) diese göttliche Deklaration,, die beideSöhneAbrahams, beide geweiht, durch den gleichen Brit- K o d e s c h, durch den Segen des gemeinsamen Erzvaters, umschlungen hätte mit dem ewigen Bande der Brüderlichkeit und des Friedens? Diese heilige Deklaration, die die schlitzäugige Chinesenmutter, der Ugandaneger, wie der Buschmann, das Staatsoberhaupt, wie der Bettler, der Katholik, wie der Wunderrabbi mit solcher Andacht vortragen! Die grösste Stunde in all den zahllosen Vorträgen und Siegesfeiern der Friedenskonferenz wäre es gewesen, wenn unser Anwalt wie ein Bote aus einer höheren Welt, erfüllt von der Erhabenheit seiner göttlichen Sendung, wie der Prophet, vor den Mächtigen dieser Erde erschienen wäre, mit dem magischen grossen Buche, darin geschrieben ist: „An jenem Tage schloss der Herr mit Abram den Bund, wie folgt: Deinem Samen gebe ich dieses Land...! O, welch eine neue, unglückselige Verblendung hat dieses Am toe lewow in verhängnisschwerster Stunde betört, dass es wieder falschen Idolen fröhnen musste! Welche Blasphemie, statt das ewige Gottesbuch vor den Rath der Völker auszubreiten, mit einem chemischen Rezept für Massenmord zu kommen, statt des göttlichen Bündnisses mit Abraham, Isak und Jakob, mit dem Midrasch Plia der Balfour-Deklaration anzurücken, dessen wahre Deutung kein Bilderschriftkundiger und kein Sterndeuter, wie Einstein noch ergründen konnte! Wo wäret Ihr zu Stunde, Zehntausende von altgläubigen Rabbinern, Schatzhüter der Thora, Siegel- 25

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