Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 15-16 (Februar 1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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politisch aber auch geistig mächtig empor. Der von aller Weit bewunderbare Prachtbau des von Förster und Wechselmann erbauten grossen Tempels war das Wahrzeichen kommender grosser Zeiten. Mehr als heute wurde auf die Würde und Andacht des Gottesdienstes geachtet, der tade lose Zyllinder, auf der Strasse schon als österreichisch verpönt, war in der Synagoge noch obligat. Die Reihen waren mit in feierlichem Salonanzug gekleideten Herren, die in regungsloser Andacht verharrten, gefüllt. Die Freude und der Stolz der Gemeinde war dier neue Rabbiner Meisl. dessen schöne> poetische Sprache, die Massen in den Tempel zog. Sein würdiger Partner in der Erhöhung der Andacht war der unübertreffliche Oberkantor Friedmann, dessen prachtvolles Organ, und hinreissender Vortrag noch veredelt war durch seine hohe talmudische und weltliche Bildung, war er doch Zögling der Pressburger Jeschiba gewesen! Heinrich Deutsch wurde an die Spitze der Schule berufen, an welcher Ignaz Reich und sein Stab gewirkt hat. Eben hatte der gefeierte Rabbi, dessen Predigtensammlung „Sehut Abot” das schönste Erbauungsbuch der Gesellschaft bildete, sein prächtiges Buch j,Prinz und Derwisch” herausgegeben. In diesem neuen schönheitsumflossenen, mit glücklichen zukunftsfrohen Menschen erfüllten Wunderbau hatte eine, ob ihrer Schönheit, Klugheit und Güte gefeierte Frau mit der edelsten Leibesfrucht unter dem Herzen ihr Gebet um glückliche Geburt, um „würdige männliche Kinder” zum Himme gesendet. Hier ward er eingeführt in den Bund Abrahams, hier rief die Gemeinde ahnungsvoll aus: ... So soll er zugeführt werden zur Lehre, zum Trauhimmel und zu guten Werken. Die ersten Eindrücke des Kindes Theodor Herzl waren der edle Pathos des Gottesdienstes in der Frühlingszeit des Tabaktempels. Sein Vater war Ausschussmitglied der Chewra-Kadischa, das bedeutete Einschaltung ins echte jüdische Leben. Er Hess auch sein Kind in die Chewra aufnehmen Der sechs Jahre nach der Geburt Herzls als ung. Prediger erwählte Rabbiner Dr. Samuel Kohn scheint ja häufiger Gast im Hause Herzls gewesen zu sein. Es ist daher unrichtig von einer assimilatorischen Erziehung Herzls zu sprechen. Von allen Bedenken des altgläubigen Judentums abgesehen, muss die Wahrheit fest gestellt werden, dass sich dem Kinde Herzl das Judentum in erhabener majestätischer Form geoffenbart hat. während der um zehn Jahre ältere Nordau in der noch bestehenden sephardischen Chassidim Synagoge erzogen wurde, wo Kewana alles und Form garnichts bedeutete. Dieses schmucke, einstöckige Haus war das Vaterhaus Herzls. Tempel und jüdische Schule waren seine guten Nachbarn. Wer hat noch daran gedacht, was der Rabbi Meisl und der Gottessänger Friedmann für Spuren in der Seele Herzls zurückgelassen haben? 32 Jahre nach dem Tode Herzls lernen wir erst das Geburtshaus Herzls kennen. Wonach wir vergeblich in Stadtarchiven und in dem Museum fahndeten, schwemmt ein sonderbarer Zufall ins Tüdische Landesmuseum in Budapest. Es bestätigt die Angaben der Frau Dr. Wolf über das einstöckige Geburtshaus Herzls. Die Fest- 16