Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 15-16 (Februar 1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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doppelt stolz, wenn sie ihre liebliche Tochter an ihrer Seite anblickte! Welches reine Mutterglück spiegelte sich immer in diesen Zügen! Es gibt keine Seligkeit vergleichbar mit Mutterliebe.;Alle Triumpfe der Eitelkeit, alles Gold und Juwelen alles was sonst Menschen glücklich /und stolz machen kann: es ist nichts gegen das eine Juwel, das geliebte Kind. In dem Kinde fühlt die Mutter sich neugeschaffen, das Kind ist die zweite Jugend, die Ewigkeit der Mutter. Wlas entbehrt nicht eine Mutter, um nur ihr Kind glücklich zu wüsten? Und sie fühlt keine Entbehrung, denn ihr Kind geniesst ja Alles und das Kind ist ein Teil ihrer selbst. Wenn das Auge deiner guten Mutter auf dir ruhte, Pauline, dann war das ein Strahl von Seligkeit, den die Feder nicht schildern kann. Der Maler nur kann solche Augenblicke wiedergeben. Tiefes, reines, ruhiges Glück sprach aus diesen Augen. Liebe verschönert. Eitle Damen mögen sich dies merken. Es gibt kein wirksameres Kosmetikum. Pauline, du hattest die Augen deiner Mutter, den leuchtenden Glanz, den das gute Herz verleiht, gehoben durch kindliche Unschuld. Aus diesen Augen liess sich so viel Glück prophezeien, für dich und deinen einsjtügen. Lebensgefährten. Ein Myrthenkranz liegt auf der Bahre. Der Tod war zu neidisch auf dich und kam Allen zuvor.. . Kurz war dein Lebenslauf und doch sind wir alle erschüttert, als ob uns Alle ein herber Schlag ereilt hätte. Siebzehn Lenze zähltest du erst, und als der Tod dich hinwegraffte, wurden tausend Augen feucht. Du wusstest vielleicht selbst nicht bei deinen Lebzeiten, wie so lieb du so Vielen gewesen! Wenn man aus einem reichen Kranze ein Knöspchen, ein Blättchen hinwegnimmt, wer merkt es? Und doch, als du hinwegwelktest aus dem Kranze deiner Freundinnen, da ging ein schmerzliches Beben durch den ganzen Kreis. Du fehlst Jedem. Seit zwei Jahren sah man Aller Augen mit reinem Wohlgefallen auf deiner lieblichen Gestalt ruhen. Vor den Augen der Stadt entfaltest du dich zur herrlichen Jungfrau. Jedermann bemerkte so gern das frische, anspruchslose, reizende braune Kind, mit den feurig süssen Augen und den bei aller Zartheit stolzen Gange. Schön, ohne Koketterie, klug, ohne Aufdringlichkeit, liebenswürdig, gleich fern von Gefallsucht, wie Sprödigkeit, machtest du in deiner Einfachheit und Natürlichkeit den gewinnenden Eindruck. Wie gern möchte ich dein kindlich süsses Lachen noch hören, PaulincT wie gern möchte ich deine klugen, ebenso pikant, wie angenehm gegebenen, kindlich phlegmatisch gesprochenen Bemerkungen vernehmen, wie gern möchte ich dir für ein geschmackvolles Kleid, eine geschmackvolle Coiffüre, eine Blume in dem schönen, braunen Haar meine Komplimente sagen! Ach, dieses Mündchen wird nicht mehr lachen, dieses Auge wird nicht mehr dankbar leuchten Mir Aufmerksamkeit und Freundjichkeit! Mit welcher Sorgfalt wurde die Erziehung dieses Mädchens geleitet’. Äusserer Reiz, Geschmack, weibliches Gemüt vereinten sich mit einer schönen Geistesbildung, gepaart mit echtem Mutterwitze. Musik und moderne Literatur waren ihr geläufag, sie zeichnete und hatte Kenntnisse auch in gelehrteren Fächern. Frisch und lebenslustig, gute Tänzerin und Eisläuferin, überschritt doch ihr vollendeter weiblicher Takt nie die Linie der Ästhetik. 12