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Judaica · 1936-02-01 · 15-16 (Februar 1936) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
3 (1936)
Issue
15-16 (Februar 1936)
Date
1936-02-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Neue Beiträge zur Herzl-Forschung PAULINE HERZL Von Dr. Tulo Nussenblatt, Wien. Pauline, die Schwester Theodor Herzls, war um ein Jahr älter als ihr Bruder. Ihre Bilder zeigen ein knospenartiges, zartes Mädchen mit schwärmerischen Blick. Sie war Spielgefährtin ihres Bruders und verriet schon frühzeitig besondere Begabung. In deim von ihrem Bruder Dori mit vierzehn Jahren begründeten literarischen Verein „Wir” spielte sie eine nicht unbedeutende Ro le, und wurde sogar einmal anlässlich einer Ausschusswahl zur bedrohlichen Konkurrentin für den Bruder. Zuhause ergab die symmetrische Verteilung der Geschlechter eine besondere Harmonie. Vater und Sohn spöttelten über Mutter und Tochter — die Frauen. Besonders in der Ballsaison, wo Toilette und Gesellschaftsfragen von den Frauen diskutiert wurden. Dori wair diesbezüglich besonders schnippisch, da er noch lange nicht als Mann gelten durfte, während Pauline bereits in die Gesellschaft als „Daune” eingeführt wurde . . . Am 3. Jänner 1877 feierte Pauline besondere Triumphe. Sie trat als Schauspielerin in einem Stüdke von Wilbrandt auf, und an demselben Abend begleitete sie am Klavier mit Schumann’scher Musik — „den Haidenknaben” von Hebbel. Gefeiert und geliebt, war Pauline der Stolz der Eltern und des Bruders. Im Jahre 1878 erkrankte sie nach einem Ball und verschied den 7. Februar denselben Jahres. Das Haus Herzl war von unsagbarer Trauer heimgesucht. Den aufrechten und energischen Vater beugte das Unglück. Die Mutter hörte nicht zu weinen auf. Die hier folgende Todesanzeige stammt aus der Feder Theodors. Die ganze Stadt nahm an dem Unglück der Familie teil. Im Morgenblatt des „Pester Journal” von Samstag, den 9. Februar 1878, widmete Dr. Adolf Silberstein, Chefredakteur der Zeitung, dem Andenken Paulines folgendes Feuilleton, das hier zur Gänze angeführt sei. „An der Bahre eines Mädchens” Die blitzenden, schwarzen Augen — sie sind gebrochen. Diese Lippen, die kein Liebender geküsst, der Tod hat seinen lüsternen Bräutigamskuss für immer auf sie gedrückt. O, der Tod hat einen guten Geschmack. Er holt nicht nur diejenigen, welche des Lebens Becher schon vollständig geleert haben, in sein stilles Reich. 10

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