Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 13-14 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Gegenwart Staatspräsident Eduard Benes „Gesegnet seiest Du, der da kommt Gesegnet seiest Du, der da geht.“ Wie Moses den Führerstab nicht der erschlaffenden Hand entgleiten läßt, elV er ihn seinem Jünger und Weggenossen übergibt und ihm angesichts des ganzen Volkes „von seiner Glorie verleiht“, hat der Weise der Nation sich bei Lebzeiten des Fortbestandes seines Lebenswerkes vergewissern wollen. Welch pins grandiose Szene der Wachablösung zweier treuer Wächter der Nation! Der neue Präsident ist kein neuer Mann! Er ist nicht nur Säule des Staates, den er mitgeschaffen hat, sondern Stütze des Völkerbundes, an dessen Aufbau er ebenfalls redlichen Anteil hat* Wir halten es für ein (vojh dem Großteil der jüdischen Presse nicht beachtetes) Gebot des Taktes, hier kein partikularistisches jüdisches Interesse zu betonen und nicht auf die Sympathien, die der Präsident Benes dem Judentum des Öftern bezeugt hat, hinzu weisen, Der kategorische Imperativ der Staatstreue, welcher dem Religionsjudentum aus seiner Glaubenslehre erfließt, steht jenseits von politischer Gunst oder Ungunst. Höher als Freundschaft steht dem Judentume die Gerechtigkeit. Der höchste Titel, den die Bibel dem Führer zu verleihen vermag, ist der Gerechte. Gerechtigkeit gegenüber unseren Tugenden, Gerechtigkeit gegenüber unseren Fehlern! Gerechtigkeit uns wie urseren Gegnern! Dieses Erbe übernimmt der neue Präsident aus den Pfänden des Altpräsidenten als kostbarstes Vermächtnis, Bibliographie Le monde oriental. Revue des etudes orientales Vol XXVI—KX VII. 1932.—3 publ. par H. S. Nyberg. Upsala. Grossoktav 380 S. — Der vorliegende Band der wertvollen Zeitschrift zerfällt in I. Biblica. II. Aramaica. III. Arabica. IV. Abessinica. V. Iran-ca. VI. Indica. — Ahlmark schreibt über die aethiopische Übertragung des Ben S:ra. Der berühmte Orientalist. H. S. Nyberg behandelt das aramäische Wort Astima im Talmud Aboda Sara 41 a. Von besonderem Werte ist die Rubrik Comtes rendus, eine Revue der wichtigen Orientalia der Gegenwart. Theodor Herzl, Biographie von Alexander Bein, Fiba-Verlag, Wien. — Welch5 ein Kalvaria! Nur wer ihn miterlcbt hat, vollständig eingefühlt in sein Inn und Wollen, vom verhängnisschweren Momente, wo das glücksvolle Sonnenkind Theodor Herzl zur Exekution des Kapitän Dreyfus eilte, bis zu dem grauenhaften Augenblicke, wo sein Sarg in das Grab am Döblinger Friedhof gesenkt wurde, ahnt die Grösse seines Lebens und Leidens, findet die erschütternde Musik zu dem Texte dieses Buches, die der Biograph selbst nicht kennt. Doch ist das neue Herzlbuch ein sehr verdienstvolles, redliches Stück Arbeit. Der Inhaltsreichtum des 740 Seiten starken Buches wird sehr bedeutend erhöht von der rühmenswerten Knappheit und Prägnanz des Styles. Der Verfasser ist von der Grösse und dem Ernste seiner Aufgabe, Herzl wahr und würdig darzustellen, durchdrungen Er fasst nicht nur Alles zusammen, was bisher über Herzl gesagt wurde, sondern bringt neues Forschungsgut und manch5 neues Licht. Der literarische Werdegang Herzls findet hier die umfassendste Darstellung. Uns interessiert 28