Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 13-14 (November 1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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zusammen, einen .Bauernwagen zu mieten, damit die Kosten nicht zu groß seien; hatte es sich jedoch ereignet, daß die Anzahl der Passagiere nicht genug groß war, oder da,ß der Fuhrmann etwas mehr verlangt hat, so sind wir um 3 Uhr morgens von Ragendorf zu Fuß nach Preßburg gegangen, haben den Einkauf besorgt und sind mit der Ware wieder zu Fuß retour gegangen, damit erzielten wir ein Ersparnis von 12 Groschen, denn soviel war gewöhnlich der Fuhrlohn für eine Person, jetzt wH ich noch erwähnen, welche Not wir in Altenburg mit der Wohnung hatten. In Altenburg durfte Keiner einen Juden über Nacht in Quartier halten und wir fanden nächst Altenburg im sogenannten Lutschen, welches bloß die Leitha von Altenburg trennt, Unterkunft. Diese Lutschen war zu jener Zeit herrschaftlicher Grund und gehörte dem Erzherzog Karl, jetzt Erzherzog Albrecht. Dort waren wir froh als Afterpartei geduldet zu werden u. zw. bei einer Witwq. Unsere Wohnung bestand in unserer großen Sperrkiste für die Waren und zum Schlafen hatten wir zwei Strohsäcke und zwei Polster, die mußten jeden Tag auf den Boden getragen werden und abends herunter. Eines Tags, als wir Montag früh, wie gewöhnlich zur Quartierfrau kamen, wurde uns mitgeteilt, daß die Herrschaft ein altes Gesetz gefunden hat, worin es heißt, daß in der sogenannten Lutschen kein Jude über Nacht bleiben darf und wir waren 14 Tage genötigt jeden Abend nach. Wieselburg zu gehen, wo wir bei einem gewissen Kies, die Eltern von Hermann Kiss, ein Gasthaus hatten, um dort zu übernachten, bis das Verbot wieder vergessen wurde, muß aber noch bemerken, daß wir bei Kiss auch kein Bett bekommen haben, sondern mußten uns begnügen auf der Erde auf Strohsäcken zu schlafen, oder im Sommer auf den Heuboden zu übernachten. So machten wir die Zeit durch, bis die Verordnung wieder vergessen wurde. Das war der Verlauf meiner Jugendjahre, viel Plage und Entbehrung, um zu ersparen. Im Jahre 1835 hat die Lage eine andere Wendung genommen u. zw. hat mein seL Vater in Altenburg das Ledergeschäft vom Bukeschi übernommen und meine sei. Eltern sind nach Altenburg gezogen. Nun haben meine Entbehrungen aufgehört, da ich da anständige Kost zu Hause hatte. Noch im Jahre 1835 hat mein Bruder Hermann nach Preßburg geheiratet und seinen Hausierhandel in Wieselburg auf gegeben. Jch muß hier noch eine Bemerkung machen. Im Jahre 1834, bevor meine Eltern von Ragendorf fortgezogen sind, hat der dazumalige Oberrabhiner von Preßburg.*) dem jetzigen Rabbiners Großvater, bei meinen Eltern in Ragendorf einige Monate gewohnt, da wir eine der? schönsten Wohnungen bei Modrovitz hatten. Der Empfang des Oberrabbiners, war damals ein großartiger, denn die Mitglieder der Ragendorfer Gemeinde sind ihm eine Stunde weit entgegengegangen, haben vor dem Orte die Pferde ausgespannt und :') Chatam Sofer. 10