Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 11-12 (August 1935)
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2708078-2708082-2708086--220-2708340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fügten, mußte Sterns liebstes Kind „Kochbe Izchak44 eingehen aus Mangel an Mitteln, jeder hebräische Dichter jener Zeit ist ein Tantalus, der die schönsten Früchte vom Baume der Erkenntnis pflücken könnte, aber Adams Epigonen lüstet es mehr nach dem Baume des Lebens als dem der Erkenntnis. Was frommte ihm, daß tausende der besten Köpfe, der erlesensten Geister mit schwärmerischer Begeisterung ihn lasen und daß er in zahlreichen Oden und Sonetten als „Stern4" in der Nacht, als „Menachem, Tröster44 zur Zeit des Verfalles gepriesen wurde.! Wir sehen ihn an der Börse, über welche Fortuna damals ihr ganzes Füllhorn ausgeleert hat, die schnöden Gäuche von rasch reich gewordenen Emporkömmlingen vergebens um Förderung seines epochalen Werkes der Renaissance der hebräischen Sprache angehen. Die hebräischen Dichter jener Zeit erheben schwere Anklagen über den Stumpfsinn der reichen Juden gegenüber den Schatzhütern der heiligen Sprache. Erschütternd ist die hebräische Dichtung Jakob Fischers in seiner 1874 in Preßburg herausgegebenen hebräischen Zeitschrift „Hajehudi4", die über die Leiden des hebräischen Dichters klagt und nicht minder das gleiche Lied von Simon Bacher in seinen Werken. Der Hebräer Schwarzberg in New York widmet dieser Anklage gegen die jüdischen Reichen sogar ein ganzes Heft mit dem Titel: Tikateb sot ledor achron. (Es sei verschrieben für künftige Generationen!). Daß diese tägliche Seelenqualen M. E. Stern in stetiger elegischer Stimmung erhalten haben, ist nicht zu verwundern und nicht zu begreifen, daß Wurzbach in dem Artikel über Stern zum Schaden noch den Spott fügt und ihn die Trauerweide von Zion nennt. Wurzbach verschwendet erstaunlich viel Papier, um seinen offenbar persönlichen Grimm über M. E. Stern freien Lauf zu lassen. Er hält es für nötig von der Nachlässigkeit der Kleidung Stern zu erzählen, der lebenslang der ,,ze.rknetschte Bocher"4 blieb, macht sich darüber lustig, daß Stern zu Franz Josef gelegentlich der Verleihung der goldenen Medaille sagte: „Majestät haben nicht mich, sondern die hebräische Literatur ausgezeichnet44 was eigentlich eine ganz nette Bemerkung war. Wurzbach findet in seinem Werke noch Platz für die Erzählung, daß Stern den Brief des Präsidenten der kaiserl. Akademie der Wissenschaft Hammer-Purgstall in allen Kaffeehäusern zeigte, da er darin „Stern der hebräischen Wissenschaft"4 apostrophiert wurde. Wir verstehen es wohl, daß all das, was Stern zu der Wiederbelebung der hebräischen Sprache geleistet hat, in den Augen seiner Stammesgenossen erst einen Wert erhalten hat, als der Präsident der „kaiserlichen44 Akademie ihn geehrt und der Kaiser ihn ausgezeichnet hatte. Die 36 Bände Kochbe Jizchak haben dem Börsenjobber nicht so imponiert wie der Brief Hammer-Purgstalls. In den letzten Jahren seines Lebens erlahmen seine Kräfte. Am 9. Feber 1873, in den Tagen als die Wogen der Prosperität am höchsten gingen, starb Max Emanuel Stern, oder wie ihn die Hebräer nannten Mendel Bri Stern einsam, wie er gelebt hat. 7