Mannheim
Compact Memory

Judaica · 1935-06-01 · 9-10 (Juni 1935) · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
9-10 (Juni 1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 23 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2708078-2708082-2708085--197-2708316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ZOLTÄN SOMLYÖ Sechsunddreissig Jahre! Aus dem Ungarischen übersetzt von S. B. Sechsunddreißig Jahre wandre ich! Ich bleibe sieh’n! mein Fuß tut mir so weh! Der Weg ist schlecht!... o guter Himmel Du! Wird er in Hinkunft auch nicht leichter sein? Sechsimddreißig Jahre... und soviel Flüche! Sie fielen insgesamt auf mich herab. Und wenn es blitzte . . . das grelle Irrlicht Fs schien allein nach mir herab zu langen. Ich weiß, in dieser öden Wüste hier Auf diesem Felde muß ich wohl verenden. Ich weiß, hier findet Ihr mich einst erblaßt Den kalten Leib dem Moder preisgegeben. Ich weiß, statt weicher Schollen wirft Ihr mir Einst kalte Steine in das offne Grab. Ich weiß, vergessen werdet Ihr es bald daß Euer Dichter ich gewesen war. Ich weiß, nicht nochmals Sechsunddreißig Sind mir fürderhin noch zugemessen. O, laßt mich bis dahin vor mir hinsummen Noch einige meiner schmerzensreichen Lieder! Budapest 1918. 7 -öl t ä n Soml y 6, eine der bedeutendsten Lyriker Ungarns ist im Jahre 1882 in Alscdomboru geboren und hat eine reiche literarische Vergangenheit hinter sich. Die. Einfachheit seiner Sprache, die wahre tiefe Empfindung, die er damit ausdrückt, charakterisieren seine Poesie. Er hat eine Reihe von Büchern herausgegeben, in denen er als Poet, Romancier und Kunstübersetzer glänzt. Dichter von Gottes Gnaden sind es nicht von Menschen Gnaden. Die ergreifende Frage an das Schicksal, ob „der Weg, in Hinkunft nicht leichter sein werde“, wurde grausam verneint. Er aber „summt unaufhörlich seine schmerzensreichen Lieder“. Kein jüdisches Blatt will seine Verse missen, sie bringen Stimmung ins Blatt wie ein Tröpfchen Parfüm. Er aber ringt hart ums tägliche Brot. Ist die Not der Schleifstein, der den Geist hart anfährt, aber ihn dadurch scharf erhält? 28

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.