Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 9-10 (Juni 1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 17 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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nährt, ohne besonderes Vermögen zu bringen. Welche Achtung der gelehrte Kaufmann in seiner Gemeinde genossen hat, bezeugt der Umstand, daß Gräber zum historischen ungarischjüdischen Kongresse im Jahre 1868—69 als Deputierter seines Bezirkes gewählt wurde, trotzdem ihm der jüdische Magnat Schulz, als Rivale gegenüber gestanden ist. Max Gräber hat auch den denkwürdigen Kongreß, der statt Vereinigung des ungarischen Judentumes eine tiefe Kluft zwischen Orthodoxie und Neologie schuf, mitgemacht und auf der Seite der Neologen gekämpft. (Das beigefügte mit seinem Namenszuge versehene Bild ist nach der dem Kongreßbüro eingereichten Photographie angefertigt.) Später hat Gräber eine in drei Heften erschienene deutschhebräische Grammatik nach der damals beliebten Ahnschen Methode, herausgegeben, die in den umliegenden Komitaten aber auch in Schlesien als Schulbuch benützt wurde. (Es ist uns, trotz aller Bemühungen nicht gelungen diese bei Karl Prochaska in Teschen erschienene Grammatik in einer Bibliothek oder auch nur in einem bibliographischen Werke aufzufinden. Seine Schriften und seine gewiß wertvolle Bibliothek sind bei dem großen Brande, der im Jahre 1881 in T. Sv. Martin gewütet hat, eingeäschert worden. Aus den wenigen erhaltenen Fragmenten ist ersichtlich, daß Gräber auch an einem hebräischen lexikalischen Werke gearbeitet haben muß, und sich besonders mit der hebräischen Ethymologie beschäftigt hat. Im Jahre 1894 hat Max Gräber in Budapest Heilung von seinen asthmatischen Beschwerden gesucht. Er ist dort gestorben und drei Tage später in der heimatlichen Erde zur letzten Ruhe gebettet worden. Der „Ungarische Israelit4* widmet ihm folgenden Nachruf: Der Heimgegangene, ein hochgeachteter Kaufmann, das Oberhaupt einer zahlreichen angesehenen Familie, war einer der leider immer weniger werdenden Männer, die bei allgemeiner Bildung einen Schatz jüdischen Wissens besaßen und bei ihrer ausgebreiteten geschäftlichen Tätigkeit, noch immer Muße fanden, der jüdischen Literatur volle Aufmerksamkeit zu schenken. Seit 20 Jahren ein Freund unseres Blattes, hat er demselben von Zeit zu Zeit seine stets interessanten Arbeiten gewidmet, worunter so manche wissenschaftliche Exegese sich befand. Vor wenigen Wochen noch haben wir eine Controverse zweier Greise aus Th. Sz. Martin, von denen der eine nun zum Frieden eingegangen, den anderen [Dr. Arnold Tyroler. D. R.] aber Gott noch lange leben lasse, gebracht, aus der zu ersehen ist, daß diese Stadt eine Pflegestätte der Thora gewesen sei. Möge der Entschlafene im Jenseits den Lohn für sein edles Streben auf Erden im reichen Maße erhalten, seinen trauernden Hinterbliebenen aber als nachahmenswürdiges Beispiel voranleuchten.“ 17