Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 7-8 (April 1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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den diplomatischen Vertretern in Washington. Hingegen übt er die sehr unangebrachte Methode, mit ebenso lauten als wirkungslosen Protestversammlungen, den Schein einer erfolgreichen Tätigkeit zu erwecken, sich der Einmischung in die Angelegenheit anderer Länder schuldig zu machen, die nicht bloss von der Regierung, sondern auch wm den ‘ Juden dieser Länder seihst energisch zurückgewiesen wird. Ich habe Louis Marshall veranlassen können, öffentlich gegen die Methoden des im Jahre 1927 einberufenen jüdischen Minoritätenkongresses in Genf aufzutreten, die lauten, luf Publicity berechneten Protestversammlungen, die Einmischung in die Angelegenheiten der Juden anderer Länder zu verdammen; vielmehr den Kontakt mit den Botschaftern aller Länder in Washington zu suchen und in freundschaftlicher Weise eine gegenseitige Verständigung anzustreben. Ich habe auch die eiste solche Begegnung veranstaltet, wie der obige gewiss interessante Brief Marshalls zeigt. Diese Zusammenkunft war umso bemerkenswerter, als am selben Tage die Sensationsnachricht von der Kapitulation Henry Fords vor Louis Marshall in seitenlangen Berichten durch alle Blätter ging und auf der Stirnseite aller Zeitungen das Riesenportrait des Siegers Louis Marshalls erschienen ist. Louis Marshall hat auch scharf gegen den Genfer Kongress Stellung ge nommen, gegen die marktschreierischen (mountbanks) Protest Versammlungen und Koneresse gewettert und die ,,s t i 1 1 e Arbeit im Laboratorium'” des „ American Jewish Comi tee’ empfohlen Der „Jüdische Weltkongress” ist nur die Wiederholung des Genfer Kongresses von 1917. Man liest keinen einzigen Namen von politischer Bedeutung in dem vorbereitenden Komitee, der den Namen eines jüdischen Weltkongresses gerechtfertigen würde. Selbst Lipsky, der Zionistenführer von Amerika, der bisher mit Wise durch Dick und Dünn gegangen ist wendet sich gegen den Plan des Weltkongresses, der schon enormes Geld und Zeit gekostet hat und mehr schaden als nützen kann. Es ist ein grosser, persönlicher Erfolg Stephen Wise’s, dass er als Rabbiner, der den Samstag auf Sonntag verlegt hat, die Lehren des Neuen Testamentes feiert, einen solchen Anhang aus allen Parteien besitzen kann. Dieser Erfolg kann sich aber kaum bi^ zum Präsidenten eines alljüdischen Kongresses steigern. Wir erkennen jeder Richtung Gewissensfreiheit zu, auch der extremen Reform Stephen Wise s. Sie hat sogar unleugbar viel zu dem Frieden zwischen Juden und Christen in Amerika beigetragen, aber wir glauben nicht, dass die Orthodoxie der ganzen Weit von der gleichen Toleranz, wie wir, beseelt ist und unter dem Präsidium eines Sonntagsrabbinei s tagen wollen wird. Und was die Orthodoxen aus religiösen Gründen ablehnen werden, wird das liberale Judentum aus politischen Gründen tun. Bibliographie Hamayon. Das dritte Heft der Zeitschrift der Pressburger Jeschiba ist erschienen und ebenso reich an Inhalt, als die ersten zwei Ausgaben. Biblisch-Talmudische Sentenzen und Motive in der Weltliteratur, von Dr. Leo Deutschländer, Frankfurt a/M. 1931. — Was der Titel verspricht, erfüllt das schön ausgestattete Buch in vollstem Masse. Ein prächtiges, erhebendes Duo biblischen und weltlichen Geiste-'. Ein Beispiel belehrt darüber besser als Umschreibungen : Maimonides : „Die Leidenschaften wachsen nur im Herzen, das keine Weisheit hat” — Leonardo da Vinci: „Die Leidenschaften des Geistes jagten die Begierden davon” — Perek: „Wer ist ein Held, der sich selbst bezwang” — Calderon: „Der grösste Sieg, sich selbst besiegen”. — Alles in Allem ein wertvoller Beitrag zur Bib liothek des glaubenstreuen Judentums, oder auch der Bibelfreunde aller Bekenntnisse. Zwei neue Werke Leopold Grünwalds. Der Rabbiner der Beth Jakob-Gemeinde in Columbus-Ohio war langjähriger Schüler der Pressburger Jeschiba, deren Geist die stattliche Reihe seiner historischen Schriften durchweht, die er teils in Europa, teils in seiner neuen Heimat herausgegeben hat, darunter auch „Koror Ir Pressburg ugedoleho, Sziget U>i2.” Einen stattlichen Band füllt das eben erschienene Werk „Toldot Hakohanim hagedolim”, Geschichte der Hohepriester, vom Hohepriester Aaron bis zur Zerstörung des zweiten Tempels. 33