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Judaica · 1935-04-01 · 7-8 (April 1935) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
7-8 (April 1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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‘einer Kette, viele Orte, die ihre Blüte und ihren Wohlstand zum groß’en Teil dien Reben verdanken, die sich von den Hügeln hier wreit ins Land hinein erstrecken. Die Getreidefelder im Osten und Süden aber werden in ihrer scheinbaren Unhrmeßlichkeit nur seiten durch ein kleines Wäldchen unterbrochen. Einer dier schönsten und größten dieser Orte ist der Markt Bockfli’eß, der jedem Wiener, wenn schon nicht dank seinem Landwiein, so doch sicher durch den ,,Wunderdoktor" bekannt ist, zu dem zweimal wöchentlich die; Heilungsuchenden aus der Stadt in größten Scharen pilgern. Gegenwärtig leidet freilich auch dieser Ort lau der durch die niedrigen Weinpreise verursachten Absatzkrise, aber man 'hilft sich eben auch hier dadurch, daß der Milchproduktion serhöhte. Aufmerksamkeit zugew,endiet wird. Gerade in diesem Produktionszweig zeigt sich aber auch schon jener tiefe Riß, der den großen Ort deutlich durchzieht und sozial in zwei Lager teilt. So wie das Großstadtproletariat im Laden, deckt hier das Dorfproletariat im Gebäude der Milchgenossenschaft, das mit Kühlanlagen ausgestattet und durch ein Geleise mit dem Bahnhof verbunden ist, seinen Milchbedarf. Schon dieser Umstand allein ist charakteristisch für die Kluft, die hier schon s?eit Jahrhunderten besteht und in älterer Zeit vielleicht weniger ausgesprochen war, heute aber sich auch in der politischen Struktur der Bevölkerung zeigt. Wahrscheinlich rührt die;sier soziale Unterschied lebten noch a.us jenfen Tagen her, in denen ein großer Teil des Ortes auf gräflichem Grund und Boden stand, der Reist aber Freibauern gehörte. Aus dieser Zeit stammt nun ein recht eigenartiger Teil von Bockfließ, der aus sechzehn Häuschen besteht, die noch ausg'esprochienier ,als die; sonstigen kleinen Anwesen des Orten Fteld, Garten und sogar Hof {entbehren. Man gelaugt in diesen Ortsteil, wenn mau zwischen den Häusern Nr. 153 und 173 die Hauptstraße, vierläßt, und steht na.ch einigen Schritten mitten in der „Judenstadt“. Wfenn mau sonst gewohnt ist, sich unter einem Ghetto iedn Gewirr renger Gäßcben mit hohen, licht- und luftlos'en Häusiern vorzustellen, wie es die Juden viertel großer Städte dar stellen, wird man ein wenig überrascht sein, hier nichts von all dem zu finden. Die:nn ebenso wie beispielsweise in den Judeugemeindien des Burgenlandes haben wir es auch hier mit einem ländlichen Ghetto zu tun, dessen Hütten nur leben noch niedriger als alle anderen Häuser sind. Hs sind Sechzehn Hütten, so {eng aneinander gebaut, daß je ZWei von ihnen meist eine Wand gemeinsam haben. Außer dem obigen Eingang von der Hauptstraße; her besitzt dieses Viertel nur noch einem kleinen Durchgang nach Norden und bildet eine kleine platzartige Erweiterung, in deren Mitte ein kleines Häuschen, der Rest der ehemaligen Synagoge steht. Jetzt dient diesfes kleine Häuschen den sechzehn anderen als gemeinsamer Backofen, aber man kann sich heute unschwer 28

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