Mannheim
Compact Memory

Judaica · 1935-04-01 · 7-8 (April 1935) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
7-8 (April 1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2708078-2708082-2708084--140-2708258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Judengemeinde von Sulzbach Im „Illustr. Haus- und Familienbuch“ (Wien 1860) lesen wir unter dem T|iteJ „Eine tolerante Gemeinde“ wahre. Wunder von d,er konfessionellen Eintracht, die in Sulzbach um 1825 herum geherrscht hat. Die. einstige Residenz des Grafen Sulzbachs bestand dazumal aus 4000 Einwohnern, je ein Drittel Katholiken, Protestanten und Juden. Es gab damals nur eine Kirche, in welcher abwechselnd Katholiken und Protestanten gebetet haben. Die, Geistlichkeit beider Konfession verband die herzlichste Freundschaft Der Dritte im Bunde war der Rabbiner, dien man oft mit dem Dechanten oder dem Pastor spazieren gehen sah. „War eine jüdische Hochzeit in Sulzhach, so bestand die Mehrzahl der Gäste aus Christen beider Konfessionen, war ein Ball, iein Schützenfest, eine öffentlich festliche Veranstaltung, so waren es die Juden, welche in größerer Anzahl erschienen, da die meisten tanzfähigan jungen Männer Sulzbachs sich in den jüdischen Geschäften befanden. Die reichste und angesehenste Familie waren die Arnstein — drei Brüder, wovon der Eine, die damals einzige hebräische Druckerei in Baieirn betrieb, — der zweite eine Lederhandlung und der Dritte — wie. ich glaube, eine Tuchhandlung besaß. Alle diese; drei großen Geschäfte waren in einem Hause untergebracht, welches die Seite einer langen Gasse bildete. Die Einrichtung so wie die Lebensweise dieser drei Familien beurkundete ihren Reichtum. An diese reihten sich die fast ebenso reichen Familien Heymann y Karpeles, u. s. w. an, und zälhlten unter ihren Angehörigen recht viele gebildete hübsche Mädchen und Frauen, sowie Männer, welche alle mit den christlichen Familien in einem unendlich freundlichen harmonischen Umgang lebten. Efcr jüdische; Tempel in Sulzbach ist ein schönes großes Gebäude, von Christen häufig besucht, da die Jud,enschaft damals eben einen vortrefflichen Redner hatte, d;er jedes Menschenherz mit dem Tröste des Glaubens Zu erfüllen verstand. Und kein christlicher Priester wehrte djen Besuch der jüdischen Predigten.“ — — Zwischen Sulzbach und Preßburg gab es im 18. Jahrhundert vielfache Beziehungen. Manches Werk eines Preßburger Gelehrten wurde in Sulzbach gedruckt, manches eheliche Band umschlang beide Gemeinden. — — Die billigen Sulzbacher Drucke, zogen Massen von jüdischen Käufern aus fallen Ländern an, und gaben dem kleinen Orte sein .eigenes Gepräge. Was Wunder, wenn man in ganz Bayern vom „Judennest“ Sulzhach sprach! Die Arnsteins haben eigentlich Aaron geheißen. Ihr Ahne; Moses Bloch hat die Druckerei bereits 1686 übernommen. 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.