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Judaica · 1935-04-01 · 7-8 (April 1935) · p. Seite 1

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Journal
Judaica
Volume
2 (1935)
Issue
7-8 (April 1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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JUDAICA ZEITSCHRIFT FÜR GESCHICHTE, LITERATUR, KUNST UND BIBLIOGRAPHIE ERSCHEINT MONATLICH II. Jahrgang MÄRZ-APRIL 1935 7-8 Heft Der Judenpräfekt Siegel Bild Jakobus Mendels 1490 In den letzten Jahrzehnten der Arpaden-Dynastie hat das Judentum in Ungarn, das ja seit jeher eine bevorzugtere Stellung in seinem Lande hatte als seine Glaubensbrüder im übrigen Europa, ein Privilegium besessen, das kein Analogum in der jüdischen Exilgeschichte hat. Um 1480 herum hat König Matthias die Institution der Judenpräf’ektur geschaffen. Die Ungarn nannten den Judenpräfekten ,,az sydoknak elewthek yaroyok“ in deutschen Dokumenten heißt er „Obrister Vorgeher der Juden“, am prägnantesten ist die französische Bezeichnung „prince des juifz“, (juifs), (wenn Oberrabbiner S. Kohn auch darin die fälschliche Übersetzung von Princeps Judaeorum erblickt), nicht allein wegen des wahrhaft fürstlichen Aufwandes, den der Judenpräfekt getrieben hat, sondern auch wegen des Umstandes, daß dieses Staatsamt sich von Geschlecht zu Geschlecht in der einen Familie der Mendel vererbt hat. Der Präfekt vertrat die Angelegenheiten der ungarischen Juden unvermittelt beim König. Er war der oberste Judenrichter des Landes, entschied in den inneren Streitfällen der Juden und vermittelte in solchen Fällen auch zwischen Christen und Juden. Er war mit der Eintreibung der Steuer bei den Juden betraut, darin lag wohl in erster Linie seine Bedeutung für den Staat. In der Tat konnte der Judenpräfekt fünfmal mehr Steuer bei seinen Glaubensbrüdern hereinbringen, als sie vorher bezahlt hatten. Allerdings klingt dieses Faktum ganz abweichend von den Erzählungen aus dem Leben anderer jüdischer Vorsteher, die erfolgreich bemüht waren, die Steuerlasten der Judengemeinden herabzumindem. Der wackere Historiker, der gerne Macht und Reichtum bewundert, fügt wohl begütigend hinzu, daß der Einfluß des Judenpräfekten beim König und bei den Großen des Reiches in demselben Maße gestiegen sei, ohne daß die wohltätigen Folgen dieses Einflusses für das anbefohlene Judentum aber festzustellen sind.

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