Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 5-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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den nahezu gleichem Produktionen ergötzte und sie immer so fcwig neu befand, wie, die Geschichte der schönen Esther. Nun flog fast über dpn Häuptern der Zuschauer ein buntgdkleideter Harlekin ins Zimmer, schlug ein Rad übers andere und stieß, die schellenbesetzte Narnenmütze schüttelnd, markdurchdringend,e Jodler aus. Er erzählte, sich fortwährend vor Lachen schüttelnd, die. drollige, Geschichte seine s Lebens. — Das Haupt stück war aber ein ordendiche,s Schauspiel, worin ein hoffährtiges Mädchen um keinen Preis einen Rachur heiraten will, schließlich aber dennoch erkennt, daß das wahre Glück nur an der Seite eines Bachurs zu finden sei. Das Drama war die schwache Seite; der talmudkundigen Dilettanten, die mit d!e.r Ursprünglichkeit von Thisbe und Pyramus auftraten. Im Bachurimleben ist ja vom Erhabenen zum Lächerlichen nicht einmal 'ein Schritt. Hingegen trat aber der blitzende Esprit und die flinke Dialektik der jeschiba bei der Schlußnummer, wo;ein Eibenschützscher und ein Emdenscher Rabbiner einen Disput aufführten, zu Tage. Dfer Emtdenjünger war furchtbar wild bemalt und fluchte wie* ein Heide, der Andere antwortete unter herzlichem Gelächter, milde aber geistvoll auf alle Anstürme s’eines Gegners. Schließlich sangen beide mit schmetternder Stimme ein Loblied auf den teuren Rabbi Jonathan Eibanschütz und das drollige Spiel endete in weihevoller Stimmung .. . Anno 1895* Der Glanz des Purimfcste.s erblich aber allmählig in dem Maße als djer Rjeichtum und die Bedeutung dar Gemeinde abnahm. In unserer Jugend kannten wir nur noch das Rudiment einstiger glanzvolljer Purimfeiern. Das Purimspiel im Hause des Oberrabbmers blifeb eine Tradition, die auch ihre traditionelle Ursprünglichkeit beibjehalten hat. Mancher unserer greisen, ehr würdigen Seelenhirten verratet ies nicht mehr, welchen ulkigen Purimspi'efer jer zur Feier des Tages und zur Erheiterung des schwermütigen Rabbis abgeben konnte. Mancher hat wohl die alte Kunst auf die Kanzel verpflanzt und Zeit seines Lebens die Verstellungsgahe, gepflegt. Das hier reproduzierte Bild ist vielleicht das Schlußtabieau des alten Purimispieles von so heimlicher Primitivität. Der Theaterdirektor war Santue,1 Reich, derzeit ehrwürdiger Oberrabbin’er von Vrbove, der jetzt gerne daran erinnert werden wird, daß er damals als Dorfsgeistlic'her in slowakischer Sprache amtiert hat. Die heutigen Oberrabbiner von Räkospalota. (M, Duschinsky), Bonyhäd, Luzern (Juda Grünwald) sind hier 'ebenfalls als Jüngjer Thalias zu bewundern. Wir erkennen auch M. W. Friedmtann, derzeit Restaurateur in Tel-Awiw, W. Löffler, Gemeindesekretär zu Cluj, Kupfjerstein, Kornfeld, Preßburger, Friedmann und den jungen Abrahamsohn, Bruder des Rabbi Dr. H. Abrahamsohn und des Oberkantors von Budapest. Im Hintergründe spuckt der von Reich slowakisch eingesegnete Tote d’er au fers tan den ist, um sich photographieren zu lassen. Auch der 25