Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- 5-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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kerfamilien der Erde zu gestalten, wenn wir dieses Erbe nur in Seinem Geiste verwaltet hätten! Haben wir in seinem Geiste gelebt und haben wir den Namen Jude groß und verehrt bei lallten Völkierfamilien der Erde gemacht? Statt jedes der acht Jahrhunderte nach Maimonides zu gewaltigen Staffeln der Vervollkommnung seines Geistes zu gestalten, wie abgrundtief sind wir unter Maimonides gesunken! Wozu rufen wir zu Festen, bei denen da.s Herz nicht hören will, was die Zunge prahlt! Wi'e stehen wir gerüstet zu seiner Jahrhundertprüfung, in Erez Israel und im Galuth? Wird er über sein Königsgrab in» Tibterias ,empor steigend, nicht wie Moses vom Berge Sinai hinabschau’end mit prophetischem Zorne auf das Geschrei;aus dem Lager Israels horchen, das sich in tollen Tänzen ums goldene Kalb dreht? Nach welchen Gesetzen Maimonides regelt sich dite wilde Bodenspekulation, der Sklavengeist, der da.s Wort Freiheit scheut, der antisoziale Individualismus, der sich hier schrankenlos au szu toben beginnt, die charakterlose Sdbstz'erfleischung, der verhängnisvolle Bruderzwist zwischen Israel und Isma'el, die er, Abu Imram Musa ibn Maimun Abdullah, zur idtealsten seelischen Ereundschaft vereinigen konnte! Sang damals nicht der Araber ihm das Preislied: Galenus hat den Körpter geheilt, Abu Imram Musa heilt Körper und Seele!“ Begreifen wir nicht jetzt erst die volle Bedeutung des provid'entionellen Führers, drei* das machtvolle Buch des Bundes zwischen den Söhnen Abrahams geschaffen hat, welches uns Friede, Sicherheit und ewige Freundschaft in Zion gesichert hätte? Wenn tes irgend .eine. Maimonides-Feier gibt, die seinen Namen heiligen und erhöhen will, ist es nur die; brüderliche Versöhnung zwischen Iwri und Arwi, die sich wieder vereint am Grabe zu Tibterias finden, wie einst, als sie gemeinslam ihren Vater Abraham bestattet haben! Und im Galuth? Wohin in der weltweiten Diaspora muß sein prüfender Sinn gleiten, um mit Wohlgefallen haften zu bleiben? Wo zeigt sich das ideale Lager Israels, wo sich feine geeinte Masse um reinen großen Führer, gleich geehrt, innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft, schart? Denn was ist Maimonides Weisheits höchster Schluß? Die Einheit Israels! Des Gesetzes Heiligkeit bestellt in seiner einigenden Kraft. Das Gesetz formt wirre Menschenmassen zu einem einzigen lebensfähigen Organismus. So hat Maimuni, der Gesetzgeber, mit „Mischne Thora“, die auseinanderstrebenden Strahlen des Thora-! judtentumes wieder gesammelt und zu einer einzigen Leuchte gestaltet, ein heiliges Band, das sich um ganz Israel geschlungen hat. Und mit seinem Werke „More nebochim“ hat er die herrschende Weltanschauung des Aristoteles dem Geist der Bibel gegenüber gestellt, aus dem Bedürfnisse heraus, nicht nur Israel in sich zu vereinigen, sondern einen einzigen geistigen Bund zu bilden, der alle Mienschen umfaßt. „Daß sie alle ieines BunP dtes werden“ ist das Hochziel des messianiseban Gedankens, 2