Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 3-4 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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rum mußte Misrachi in der Herrischen Organisation, die Schule für staatsmännische Ausbildung bleiben. Und weil Misrachi Einheit über alles stellte, gegenüber der Schammaischen Schule der Aguda die Hillelsche Toleranz darstellen wollte. Der Misrachiführer sollte daher ein Staatsmann von allgemeiner Bildung und savoir vivre fsein. Misrachi wollte den Geist der Thora erneuern, deren ethischen Gehalt als die stärkste konstruktive Kraft des jüdischen Staatswesens in ihrem Lager zum leitenden Motiv erheben. Ihre Parole mußte der eindringliche Apell der Thorasein: ,,Gerechtigkeit. Gerechtigkeit sollst Du erstreben, damit Du es erlebst und in den Besitz nehmest das Land.“ Die glaubenstreue Masse zur strengsten Rechtlichkeit, zum konstitutionellem Leben zu erziehen schien uns die oberste Aufgabe des Misrachi. Darum achteten wir schon auf den streng konstitutionellen Geist beim Aufbau der mischrachi scheu Organisation. Zum ersten Male wurde die Orthodoxie auf durchaus demokratischer Weise organisiert. Auf dem Misrachikongreß hatte der größte Gaon nicht mehr Recht als der einfache Mann aus dem Volke, der Delegierter war. Auf solch einwandfreier demokratischer Basis wurde die misrachische Verfassung beschlossen und die erste legale Leitung gewählt. Es war eine in jeder Hinsicht ideale Versammlung. Dieser korrekte, ungestörte Verlauf der Verhandlungen war dadurch möglich, daß die führenden Personen Delegierte früherer Zionistenkongresse waren und die beste politische Schulung hatten. Der Protest der Rabbiner war ein gam su letoba. Er verhütete die drohende Spaltung. Der Misrachikongreß wäre sicherlich ein schwerer Mißerfolg geworden, wenn eine größere Anzahl von ungarischen Rabbinern teilgenommen hätte. Es wäre zweifellos die Forderung an den Kongreß gestellt worden, sich von der zionistischen Organisation loszusagen, es wäre zu einer Spaltung gekommen, der Kongreß hätte keine Verfassung beschließen können und keine Leitung wählen. Der Misrachikongreß hat selbst auf die ungarische Orthodoxie einen sehr guten Eindruck gemacht. Der Beschluß, daß auf dem Kongresse kein Angriff auf die ungarische Orthodoxie gemacht werden dürfe, war eine noble Geste, die selbst den Gegner versöhnt hat. Die ungarische Landsmannschaft auf dem Kongresse hatte beschlossen an die orthodoxen Rabbiner Ungarns ein Manifest zu (erlassen, worin der Misrachi versicherte, seine Bestrebungen in Einklang mit der Anschauung der Orthodoxie bringen zu wollen, und daß die Tätigkeit der Misrachi immer zur Er höhung und keineswegs zur Verminderung der Autorität der Präger der Thora dienen werde. Das ungarische Misrachikomitee beging hier aber einen bedauerlichen Mißgriff, der den völligen Zusammenbruch dies Misrachi in Ungarn bewirkte. Das ungarische Komitee des Misrachi, das mit der Veröffentlichung dieses Manifestes beauftragt wurde, publizierte ein Manifest im Namen der Landmannschaft, das der diametrale Gegensatz von 17