Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 1-2- (August-September 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 16 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein weitverzweigter Stamm ist aus den Lenden des Talmudlehrers Juda Melamed entsprungen, der stolz die Erinnerung bewahren darf an den Moment, wo der kleine Cäsar bewundernd zur ehrfurchtsgebietenden Erscheinung des Preßburger Melanieds emporsah. Albert Cohn, der Erwecker Palästinas „Das höchste Glück besteht darin, seine Fähigkeiten frei entfalten zu können" soll Napoleon ausgerufen haben. Dann war Albert Cohn (im Jahre 1814 in Prei'burg, am Ausgang des Versöhnungstages von iarmen aber hochgeachteten Eltern geboren), des höchsten Glückes teilhaftig geworden. Ihn hat die Natur nicht nur reichlich mit Vorzügen ausgestattet, sondern sein Schicksal schritt wie ein guter Engel vor ihm her und bahnte ihm alle Wege „seine Fähigkeiten frei entfalten zu können". Wie er schulpflichtig wird, öffnet ihm die eben gegründete Primärschule ihre Pforten, der Vorstand läßt das viel verbeißende Kind auf eigene Kosten erziehen, der große aus Preßburg stammende Philantrop M. L. Biedermann nimmt ihn nach Ablauf der Schulzeit nach Wien, er studiert Talmud bei Rabbi Horowitz und orientalische Sprachen bei Hammer-Purgstall. Dieser gibt dem genialen Schüler den Rat, nach Paris zu gehen, wo ihm der jüdische Glaube nicht, wie in Wien, die Karriere erschwerte und bezahlt ihm aus Eigenem die Reisekosten. Er wird zum Pariser Botschafter Graf Apponyi, empfohlen, vervollkommnet sich im Arabischen, Persischen und Sanskrit, wird Erzieher im Hause Rothschild, das auf dem Gipfel seiner Macht steht. Er begleitet Rothschild auf seiner italienischen Reise, befreundet sich mit Reggio, Mezzofanti und Luzzato, dem er hochsinniger Mäcenas geworden [ist. Als Almosenier der Baronin streut er in verständiger Weise seinen Segen über die ganze Diaspora. Er verfaßt jüdische Lehrbücher in französischer Sprache. Die französische Regierung sendet ihn nach Algier, das jüdische Schulwerk daselbst zu organisieren. Wo er hinkommt, ist er Ge;- genstand von Ovationen. Ludwig Philipp läßt sich von Albert Cohn persönlich Bericht über seine Reise erstatten und zeichnest ihn mit Worten der Sympathie für ihn und das von ihm geleitete Judentum aus. Albert Cohn bekleidet die höchste Ehrenstelle im frarzösi sehen Judentum, er wird Präsident des jüdischen Konsistoriums. Im Jahre 1854 zieht es ihn mächtig nach dem heiligen Lande. Am 11 . Juni reist er dahin ab und steht am 9. Juli ergriffen vor den Toren Jerusalems. Auf dem Wege dahin, in Wien, empfing ihn Franz Josef, sagte ihm die Unterstützung der österreichischen diplomatischen Stellen im Oriente zu. Auf dem Wege nach Jerusalem schließen sich ihm Deputationen aus vielen Städten an. Vor den ewigen Toren Jerusalems steigt er demütig vom Pferde und tritt erschüttert durch die Pforten Jeruschalajims, der Wrunsehtraum seiner Jünglingsjahre. Er 16