Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
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Verwaltungsbericht 33 derer Teil ist als Anlagekapital für die Mendelssohn-Jubiläums-Ausgabe aufzufassen. Dem Reste stehen ansehnliche Zuwachswerte des Buchbestandes gegenüber, der wie im Vorjahre vorsorglich auf RM 1.— abgeschrieben wurde und deshalb für die Bilanz nicht ins Gewicht fällt. Mit dem Geschäftsstande des Verlages ging es, wenn auch mäßig, aufwärts; er hat, trotz der bedeutenden Drucklegungslasten des Jahres, um RM 4000 weniger Zuschuß erfordert als im Vorjahr. Erhöhungen zeigen die Titel Gelehrtengehälter und Forschungsinstitut: in die Berichtsperiode fiel das Aufrücken einiger Mitarbeiter in höhere Gehaltsstufen, dazu kamen größere Forschungsreisen (Dr. Baer nach Spanien, Dr. Sperber nach England und Frankreich, Frau Dr. Stern - Täubler an mehrere Archive Deutschlands). Unkosten und Propaganda zeigen im einzelnen Verschiebungen gegen früher, zusammen aber halten sie das vorjährige Niveau aufrecht. Wenig erfreulich war die finanzielle Entwicklung der Hermann Cohen- Stiftung. Außer einem größeren Beitrage, den ihr seit 1928 die Hermann Cohen-Loge in Frankfurt a. M. zuwendet, stand ihr nur noch der Saldo der vorjährigen Felix Warburg-Spende zur Verfügung. Das Fehlende hatte die Akademie an die Stiftung vorzuschießen. So erklärt sich, daß die Stiftung heute bei der Akademie in Schuld steht. Allerdings liegen in den Cohen-Buchbeständen noch gewisse Ausgleichsreserven, die sich allmählich realisieren. Für die Stiftung bleibt zu hoffen, daß auch zu ihren Gunsten die durch die Wirtschaftskrise gelähmte Gebefreudigkeit wieder erwacht und daß die letzte Zuwendung, die ihr aus Anlaß des siebzigsten Geburtstages von Frau Geheimrat Cohen zugeflossen ist, Nachfolge findet. Bis nun gibt der Beginn des neuen Jahres zu keinem Optimismus Veranlassung. Das Jahr 1930 stellt der Akademie so schwere Probleme, wie es seit der Inflation nicht der Fall war. Die Hauptsorgen sind die gleichen geblieben wie in der Berichtsperiode. Die Restbeträge für die Materialbeschaffung der Statistik mußten abgeführt werden, der erste Statistikband ist nahezu abgeschlossen, die großen Herstellungskosten werden fällig. Bei der Mendelssohn-Ausgabe verlangen die neuen Bände des Jahres erhebliche Beträge. Daneben laufen die zahlreichen Arbeiten und die begonnenen Drucke aller Akademie- Sektionen. Die unbedingt notwendigen und rigoros beobachteten Einschränkungen finden ihre Grenzen an der Pflicht der Aufrechterhaltung des Ganzen und der Durchführung der ideellen Grundaufgaben. Verdoppelte Anstrengungen müssen eingesetzt werden, um die Schwierigkeiten zu überwinden. Mit Bestimmtheit rechnet die Akademie auf die weitere und immer umfassendere Unterstützung durch die Landesverbände und Gemeinden, die die Ehre der deutschen Juden damit wahren und die Lebensinteressen der universellen Judenheit fördern. Der Generalsekretär: Israel Auerbach. Am 21. Juli 1930 wurde der Akademie ihr 1. Schriftführer Professor Dr. Carl L e w i n durch den Tod entrissen. Carl Lewin war ein Schüler von Leydens und wurde 1903 sein Assistent am Institut für Krebsforschung. Den Formen und Ursachen der Krebskrankheiten galten seine Hauptwerke, die 1909 und 1928 erschienen. Carl Lewin nahm auch am kulturellen und politischen Leben der jüdischen Gegenwart lebendigsten Anteil. 1928 wurde er in den Verwaltungsvorstand der Akademie eingeladen und trat in schwieriger Zeit, trotz starker beruflicher Belastung, die Nachfolge Gustav Bradts an. Es war ihm nicht vergönnt, lange seine Kraft an dieser Stelle einzusetzen. Er starb im Alter von 54 Jahren.