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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · 11 (1930) · p. Seite 12

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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IRI
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12 Ernst Simon Bibel ihm „Altes Testament" war: Heils- und Offenbarungsurkunde auch für sein Christentum. Zum ersten Mal nach zweitausend Jahren haben sich nun zwei jüdische Männer aus verschiedenen Ecken der jüdischen Welt aufgemacht, aus chassidischem und maskilischem Osten und aus deutschliberaler Assimilation, haben sich getroffen und gefunden, und reichen den Völkern, denen sie in freier, offener und dankbar verpflichteter Gegenseitigkeit gegenüberstehen, die jüdische Bibel in deutscher Sprache dar. Erst damit hat jene Begegnung mit dem Christentum, die Rosenzweig — und unabhängig von ihm: auch Buber — durchgerungen haben, ihre positive Ergänzung gefunden. Und erst damit auch ist die Emanzipation des Juden vollendet. Rosenzweig, als der nachemanzipatorische Jude schlechthin, dessen Seele nicht mehr die Wunden und Narben des Kampfes um die bürgerliche Gleichberechtigung trägt, sondern dem sie als selbstverständliche Gabe in die Wiege gelegt wurde, kann zu allererst eine Haltung vollziehen, die, nun auch in diesem Sinne, frei vom Rausehe der Freiheit ist. Franz Rosenzweig hat sich öfter darüber lustig gemacht, daß Biographien des alten Schlages mit einem Kapitel „. . . . als Mensch" zu schließen pflegen, als sei die Persönlichkeit von Werk und Umständen zu trennen. Wir meinen es gewiß nicht so, wenn wir nun noch einmal die volle Gestalt heraufzurufen suchen, insbesondere die Gestalt der letzten Lebensjahre, die er selbst, in rätselhafter Vorahnung, geschildert zu haben scheint, als er im „Stern der Erlösung" den Gilgameseh zeichnete. „Noch vor Simsons und Sauls tragischem Trotz hat das älteste Vorderasien in jener Gestalt, die an der Grenze des Göttlichen und Menschlichen steht, in Gilgameseh, den Urtyp des tragischen Helden aufgestellt. Gilgameschs Lebenskurve führt durch die drei festen Punkte: der Anfang ist das Erwachen des menschlichen Selbst in der Begegnung mit Eros: es folgt die gerade Linie der tatenreichen Fahrt, die jäh abriß in dem letzten und entscheidenden Ereignis der Begegnung mit Thanatos. Diese ist hier gewaltig vergegenständlicht, indem es zunächst nicht unmittelbar der eigene Tod ist, der dem Helden entgegentritt, sondern der Tod des Freundes; aber er erfährt an ihm die Furcht des Todes überhaupt. Die Zunge versagt ihm in dieser Begegnung den Dienst; er „kann nicht reden, kann nicht schweigen", aber er unterwirft sich auch nicht; sein Leben bekommt den Tod, den eigenen Tod, den er im Tode des Freunds erblickt hat, zum einzigen Inhalt. Es ist gleichgültig, daß ihn zuletzt der Tod auch noch selber holt; das Eigentliche liegt da schon hinter ihm; der Tod, der eigene Tod ist beherrschendes Ereignis seines Lebens geworden; er selbst ist in die Sphäre getreten, wo die Welt mit ihrem Wechsel von Schreien und Schweigen den Menschen anfremdet, in die Sphäre der reinen erhabenen Stummheit des Selbst." (S. 98.) Und doch wäre es irrig, wenn wir ihn in diesem Bilde ganz zu fassen meinten. Denn nicht das stumme Selbst des tragischen Helden entsprach als etwa letzter Gipfel des Menschlichen Rosenzweigs Lehre und Tun: sondern

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