Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 46)
- Language
- German
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44 Verwaltungsbericht nung befunden worden sind. Bilanz und Betriebsabrechnung der Akademie per 31. Dezember 1928 schließen mit einem buchmäßigen Minus von 2950.56 RM. Der Grundfonds beläuft sich wie im Vorjahre auf 30 859.90 RM. Bibliothek, Inventar und Bücherbestand der Verlagsabteilung sind vorsorglich auf je 1 RM. abgeschrieben. Die namens des Ausschusses von den Kassenprüfern beantragte Entlastung wurde dem Verwaltungsvorstande einstimmig erteilt. Für das Geschäftsjahr 1929 wurden die Ausschußmitglieder Rechtsanwalt Paul Brasch und Moritz Rosenthal zu Revisoren ernannt. In den Ausschuß wurden die Herren Dr. Fritz Mannheimer-Amsterdam, Rabbiner Dr. Baerwald-München, Rabbiner Dr. Freudenthal- Nürnberg, Kommerzienrat Dr. Albert Moos und Kommerzienrat Max Wolf-Stuttgart, und Dr. James Loeb-Murnau hinzugewählt. Festgabe zum zehnjährigen Bestehen der Akademie. Den Teilnehmern der Jahresversammlung der Akademie wurde als Festgabe eine Druckschrift mit Beiträgen von Mitgliedern des wissenschaftlichen Vorstandes überreicht. Darin schreiben Prof. Julius Guttmann über „Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums, zu ihrem zehnjährigen Bestehen", Dr. Leo Baeck über „Gustav Bradt", Prof. Ernst Cassirer über „Die Idee der Religion bei Lessing und Mendelssohn". Es folgt „Ein ungedruckter Vortrag Hermann Cohens über „Spinozas Verhältnis zum Judentum", eingeleitet von Dr. Franz Rosenzweig; Prof. Elbogen gibt eine Abhandlung „Zum Problem der jüdischen Literaturgeschichte" und Dr. Isaak Heinemann einen Essai über „Ursprung und Wesen des Antisemitismus im Altertum". Trauerfeier für Gustav Bradt. Die Veranstaltung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums schloß mit einer Trauerkundgebung für Gustav Bradt. Etwa 600 Personen füllten den großen Saal des Logenhauses. Nach einem Harmoniumvorspiel des Herrn Janowski brachte Herr Oberkantor Albeck einen hebräischen Psalm zu Gehör. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck die Gedenkrede. Er umriß mit feinsinnigen Worten das Milieu und die Zeit, aus denen Bradt herkam. Das erstere gab ihm die gemütvolle Frömmigkeit der östlichen kleinen jüdischen Provinzstadt zu seiner eigengeprägten Individual-Frömmigkeit. Die Zeit gab ihm zur Freiheit innerer Aufklärung die Freiheit auch zur Zeitkritik und zur Rückkehr in seine und die zugleich traditionelle Gefühlswelt. Das Tiefste in ihm war zugleich ein Jüdisches: das Messianische. Es trug ihn der Lebensaufgabe zu, der er, zwar erst in vorgerücktem Alter, von Hermann Cohen geführt begegnete, der er dann aber seine ganze doppelte Frömmigkeit und Freiheit, verbunden einer seltenen Begabung, lieh. Es war die Verwirklichung der Akademie. Aus tiefster Erschütterung heraus wurde ihm diese Aufgabe bewußt, und „reinen Herzens und aufrecht an Geist" gab er sich ganz ihr hin. So wurde Bradt zum Schöpfer und zum menschlichen Vorbild. Den Worten Dr. Baecks folgte der stehend angehörte Gesang des „El mole rachamim" von Oberkantor Albeck. Harmoniumklänge beschlossen die Trauerfeier.