Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Wissenschaftlicher Bericht 39 den, parallel. Neben den Religionsdisputationen diente diesem Zweck eine besonders von jüdischen Konvertiten herrührende polemische Literatur, die von jüdischer Seite mit gleicher Schärfe beantwortet wurde. Die historische Bedeutung dieser Polemik und die geistesgeschichtlichen Zusammenhänge, in die sie hineingehört, bespricht ein in diesem Korrespondenzblatt enthaltener Aufsatz Baers. Selma Stern ist nach der Beendigung ihrer Biographie des Jud Süß damit beschäftigt, den zweiten Band ihres Werkes über den preußischen Staat und die Juden, der die Zeit Friedrich Wilhelms I. umfaßt, zum Abschluß zu bringen. Die Akten des preußischen Staatsarchivs in Berlin sind bereits vollständig bearbeitet, die der preußischen Provinzialarchive werden augenblicklich von ihr untersucht. Die Aktenpublikation wird, wie beim ersten Band, von einer Darstellung begleitet werden, welche die Stellung des preußischen Staates zu den Juden aus den allgemeinen politischen, geistigen und wirtschaftlichen Tendenzen der Zeit heraus zu verstehen sucht. Durch seine Spinozaarbeit ist Leo Strauß auch zu den in der mittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophie liegenden Voraussetzungen Spinozas hingeführt worden. Seine weiteren Studien werden der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie im Mittelalter gelten. Ihr erstes Thema ist das Verhältnis des Gersonides zu Ibn Roschd. In der spätmittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophie kreuzt sich der Einfluß Ibn Roschds ständig mit dem des Maimonides, und es ist oft schwer zu sagen, ob der jüdische oder der islamische Philosoph die tiefergreifende Wirkung geübt hat. Wie sich die Problemlage der spätmittelalterlichen Philosophie unter dem Einfluß Ibn Roschds umbildet, ist systematisch noch nicht erforscht worden. Einen besonders geeigneten Ausgangspunkt für die Erforschung dieser Zusammenhänge bildet Gersonides, der in seiner Problemstellung ständig an Ibn Roschd anknüpft, sich ihm aber nirgends einfach gefangen gibt, sondern in selbständiger und energischer Kritik seiner Lehre eine eigene in sich geschlossene Position entwickelt. Schon im vorigen Jahre wurde mitgeteilt, daß eine Arbeit von Dr. Fritz Bamberger über den Gottesbegriff des Maimonides zur Veröffentlichung angenommen worden ist. Nachdem der Verfasser sie ganz druckfertig gemacht hat, wird sie im nächsten Jahre erscheinen. Auch Bamberger soll weiter auf dem Gebiete der mittelalterlichen Philosophie im Auftrage der Akademie arbeiten. Dr. Porath hat seine kritische Bearbeitung der Kommentare Abraham ibn Esras zu den Propheten und Hagiographen mit dem Jesaia-Kommentar begonnen. Die Bearbeitung des Textes ist im wesentlichen beendet und er ist dazu übergegangen, auch die Handschriften des Kommentars zu den kleinen Propheten zu untersuchen. Da ihm für die Ausarbeitung des Kommentars in Czernowitz die erforderlichen Hilfsmittel nicht zu Gebote stehen, wird die Arbeit erst abgeschlossen werden können, wenn es sich ermöglichen läßt, ihn für einige Zeit an einer größeren Bibliothek arbeiten zu lassen. Die Cohen-Stiftung der Akademie hat in diesem Jahre eine Schrift von Jakob Gordin „Untersuchungen zur Theorie des unendlichen Urteils" herausgegeben. Eine weitere Arbeit desselben Autors über den Systembegriff in der Philosophie wird im kommenden Jahre erscheinen. Die hebräische Übersetzung der „Jüdischen Schriften" Cohens wird vor ihrer Publikation einer nochmaligen Durchsicht unterzogen. Mit der Übersetzung von Cohens „Religion der Vernunft nach den Quellen des Judentums" ist bereits begonnen worden. Von der Mendelssohn-Ausgabe, die unter Mitwirkung der Akademie veranstaltet wird, sind zwei Bände zum 200. Geburtstage Mendelssohns erschienen: Band 1, der die Schriften zur Philosophie und Ästhetik aus Mendelssohns Frühzeit, und Band 16, der den Briefwechsel in hebräischer Sprache und Schrift enthält. Der 7. Band der Ausgabe, der erste der Abteilung „Schriften zum Judentum und Übersetzungen biblischer Bücher", wird in wenigen