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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · 10 (1929) · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
10 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707532--410-2707982
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2 Julius Guttmann Persönlichkeit gehört er der Akademie an, und sein früher Heimgang trifft sie mit der vollen Schwere persönlichen Verlustes. Der Enthusiasmus der Jugend hat Rosenzweig zu der Idee der Akademie geführt, mit der Klarheit und Reife wissenschaftlichen Denkens hat er sie geformt. Sein Enthusiasmus war der des religiösen Menschen. Mit vielen seiner Altersgenossen hat er sich, wenn auch in jüdischer Umgebung erwachsen, doch den Weg zum Judentum selbst suchen müssen. Aber es war ein eigener Weg, den er gegangen ist. Wie kaum ein anderer hat er sich von der religiösen Urkraft des Judentums ergreifen lassen und sich ihr in der Wahrheit echten Glaubens hingegeben. Sein Eigenstes und Besonderstes aber lag darin, daß ihm das Judentum gleich sehr in der Weite seiner religiösen Ideen und in der Innigkeit und Intimität seines religiösen Lebens seelischer Besitz geworden ist. Seine „Gedanken über das jüdische Bildungsproblem des Augenblicks", die in dem Aufruf zur Begründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums gipfeln, lassen diese Besonderheit eines religiösen Wesens deutlich erkennen. Die religiöse Erziehung, die er fordert, soll die letzten Gehalte jüdischer Religion in der vollen Wirklichkeit jüdischen Lebens vermitteln. Um so bezeichnender ist es, daß er als das Zentrum eines solchen Erziehungs^ werkes eine wissenschaftliehe Anstalt wie die Akademie verlangt. Die blutvolle Lebendigkeit seines religiösen Bewußtseins hat ihn nicht zu dem modischen Irrationalismus der Gegenwart mißleitet. Mehr als einmal hat er sich gegen diesen bequemen Irrationalismus gewandt und sich ihm gegenüber zu dem Denken bekannt, das die Tatsachen des religiösen Bewußtseins nicht zwar zu schaffen, aber zu durchdringen hat. Darum konnte ihm Cohen zum Führer in der philosophischen Deutung des Judentums werden, so sehr er sich seines Gegensatzes zu den systematischen Voraussetzungen Cohens bewußt war. Mit der philosophischen Ergründung des Judentums aber sollte sich seine geschichtliche Erforschung verbinden. In ihr vor allem sah er die wissenschaftliche Aufgabe der Akademie. Seine Gläubigkeit war von der freien und hellen Art, die an der kritischen Durchforschung auch der heiligsten Urkunden der Religion keinen Anstoß nahm. Er dachte die Akademie als einen Mittelpunkt unbefangener wissenschaftlicher Forschung und hat ihr so ihre Aufgabe vorgezeichnet. Der damals noch im Anfange seiner wissenschaftlichen Entwicklung stehende junge Gelehrte war in weitausgreifenden philosophischen und historischen Studien begriffen, die dann in seinem bedeutenden Werk über Hegel ihren Niederschlag fanden. Seine Auffassung von den Aufgaben der Akademie zeigte, daß die Weite seines geistigen Horizontes sich nicht verengte, wenn das Judentum in seinen Mittelpunkt trat. Das wissenschaftliche Ideal, zu dem seine Studien ihn geführt hatten, übertrug er auch auf die Wissenschaft des Judentums. Mit reifem und freiem Umblick bestimmte er die Ziele, die die wissenschaftliche Situation der Gegenwart der ihm stofflich noch fremden Disziplin stellte und mit nüchternem Wirklichkeitsbliek wies er auf die Schwierigkeiten hin, die ihre Entwicklung hemmten. Die starke Wirkung seines Aufrufs beruhte darauf,

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