Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 56)
- Language
- German
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SLJer Grundgedanke der Akademie geht aus Anregungen HermannCohens zurück, die 1907 in den Berichten der Großloge für Deutschland niedergelegt sind. Zu retferer Ausprägung gelangte der Gedanke ein Jahrzehnt danach in der Broschüre „Zeit ist's" von Franz Rosenzweig, die Cohen nun zum Ausgangspunkt nahm, die Idee zur Tat zu machen. Cohen starb zwar über dem Versuche hin, gleichwohl wurde, unter Führung von Sanitätsrat B r a ö t, der Akademikerverein gegründet, dessen Vorsitz erst von Prof. Leopold Landau, dann von August von Wassermann übernommen wurde. Seit dessen Tode leiten die Herren Aron Hirsch und Oscar Wassermann, mit Dr. Bvadt als geschäftssührendem Ersten Schriftführer, die Organisation. Hermann Cohens Leitsatz war: Sicherung des geistigen Fortbestandes durch Sicherung des jüdischen Gelehrtentums. Maßnahmen hierfür waren unerläßlich. Der jüdische Gelehrtennachwuchs blieb aus. Die Jugend ersah keine Möglichkeit, jüdische Wissenschaft zum Lebensberuf zu machen, weil für jüdische Forscher keine Existenzbasis bestand: sie zu schassen, war der nächste Sinn der Cohen'schen Gründung, und das Unternehmen ward um so dringlicher, als mehr und mehr nichtjüdische Forschung die jüdischen Probleme in Angriff nahm, meist ohne Begeisterung für deren Inhalte, ohne souVeräne Beherrschung der ebenso eigenartig spröden wie ungeheuren Literatur und ohne das unerläßliche innere Gefühl für den Geist der hebräischen Sprache. Um so verhängnisvoller war die Gefahr, die Behandlung unserer Geschichte und unseres Schrifttums, die Auslegung und Ausprägung unserer Grundwerte jüdischen Händen entgleiten zu sehen und Forschern überantwortet, die Judentum höchstens als Vorstufe für Christentum gelten lassen möchten Da galt es also, einen Stamm kompetenter Gelehrter zu schaffen, jüdischer Gelehrter, die nach den Worten des Geheimrats Leopold Landau, des ersten Präsidenten der Akademie, „alles, was von Juden zur Förderung der Kultur als spezifischer Wert geschaffen worden ist, und alles, was zur Erkenntnis des Wesens und des Schicksals des Judentums als völkischer, religiöser und geistiger Gemeinschaft dient, in den Kreis ihrer wissenschaftlichen Durchforschung ziehen". Dieser engere Kreis von Gelehrten sollte dann weiter befruchtend auf die Schar der Rabbiner und Lehrer wirken, denen wir die geistige Leitung der Gemeinden und die religiöse Erziehung unserer Kinder anvertrauen. Gleichzeitig sollten die Ergebnisse der Forschungs-