Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 51)
- Language
- German
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Beriebt des Verwaltungsvorftandes 49 bobe Ansprüche an den neuen Etat ftellen. Dreiviertel der Ausgaben des Verwaltungsjahres gingen auf die Gebälter und wäffen« febaftlicben Subventionen, was begreiflieb erfebeint bei einem Stabe von gegenwärtig 12 feftbefoldeten Wiffenfcbaftlern und zwei Verwaltungsbeamten. Die Propaganda, die fieb in der erften Jahreshälfte noch wie in den Vorjahren an das Husland gewendet hatte — die Tfchecho* flowakei, Holland und die Vereinigten Staaten — kehrte fieb im Gefolge der Mark- Stabilifierung wieder dem Inlande zu, das offenfiebtlicb willens ift, unfer Inftitut wie während der Anfangszeit im wefentlicben aus eigenem zu unterhalten. Die Mitgliederziffer, die ßch im Jahre 1923 bedrohlich gefenkt hatte, begann fieb wieder zu heben. Wir hatten am Jahresende 662 Mitglieder und Förderer, von denen 411, alfo nur etwa zwei Drittel, ihren Beitrag entrichtet haben, während 251 noch rückständig find. Die Tendenz erhellt aus den Vergleichsziffern über den Mitgliederzuwachs, der für das Jahr 1924 109, für die erften 3 Monate 1925 jedoch bereits 156 beträgt. Die Höhe der Beiträge war verfebieden: bei 70 lag fie über, bei 69 Beitragenden unter der Norm, die 179 leifteten. Der Durcbfchnittsbeitrag, wenn die größeren Subventionen mitzählen, betrug Mk. 170.—, alfo etwa das Dreifache des Normalbeitrages. Die Verwaltung erftrebtenicht Thefaurierung toter Kapitalien, fondern intenfivierte Steigerung wiffenfebaftlicber Arbeit. Es ift der Ehrgeiz der Akademie, jede laufende Einnahme mit möglichfter Befcbleunigung in Produktion von Büchern und in Sicherung von Gelehrten-Exiftenzen umzulegen. Das fchließt nicht aus, daß fie auch der materiellen Befeftigung ihrer eigenen Exiftenz gleichzeitig ihre Aufmerksamkeit zuwendet. Die Inflation hat das Stammkapital unferer Institution, das in Stiftungen beftand, faSt aufgerieben. Es wäre an der Zeit, an Auf« Wertung diefer Fonds oder an die Schaffung neuer zu denken. Wir find überzeugt, daß dieselben Instanzen und Kräfte der Juden» beit, die der Akademie über ihre Schwere erfte Jugend hinhalfen, ihr mit der Zeit auch ein ruhiges und gefiebertes Wachstum gewährleisten werden. Nicht ungünstig hat fieb die Hermann Coben=Stiftung entwickelt. Der Abfa£ ihrer erSten Publikation, die zu Beginn 1924 erschien, „Hermann Cohens JüdiScbe Schriften", geht langSam, aber Stetig vor (ich. Für die Herausgabe des zweiten Cohen-Werkes, feine „Kleineren PbiloSophiSchen Schriften", find uns Mittel zugeftoffen. Insbefondere ift der Zuwendung des Herrn L. VogelStein^New York die Möglichkeit diefer Publikation zu danken, deren Fertigstellung noch in dieSem HerbSte zu erwarten £tebt. Die Akademie hat durch den zu frühen Heimgang zweier Vorstandsmitglieder, des erSten Vorfindenden Geh. Med,*Rat Prof. Dr. AuguSt von Waffermann, und des zweiten Vorfindenden, StaatsminiSter a. D. Prof. Dr. Hugo Preuß, einen Schweren VerluSt erlitten. Mit Hugo Preuß iSt die deutfehe Kulturwelt und namentlich Deutfehl and um einen Großen ärmer geworden, insbesondere bat das deutsche Judentum einen Kämpfer ver* loren. Er hat tro§ aller Widerftände, die ihm entgegentraten, unerfchütterlich an feinem Glauben festgehalten. Ahforbiert durch die Politik, konnte Minister Preuß der Jüdifcben Akademie im Wefentlicben nur die Autorität feines Namens zur Verfügung ftellen. Die Akademie wird ihn Stets in dankbarer Erinnerung haben. Der Vorfit) iSt nunmehr Herrn Dr. Aron HirScb übertragen, und zum zweiten Vor» fixenden Herr Bankdirektor Oskar Waffer» mann gewählt worden. Der erSte Schriftführer Guftav Bradt.