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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · 4-5 (1924) · p. Seite 58

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
4-5 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 58 (sequence 61)
Language
German
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58 Bericht des Verwaltungsvorftandes des American Joint Diftribution Committee, an welches wir uns durch Vermittlung feines hiefigen Kulturdepartements gewendet bat» ten. Von diefer Seite wurden uns für das Jahr 1923 $ 600.— in vierteljährlichen Raten be« willigt, freilich unter der ausdrücklichen Bedingung, daß ein wefentlicher Teil un« feres Jahresbudgets durch eigene Anftren» gung gedeckt werden müßte. Diefe eigenen Bemühungen beftanden, abgefehen von eifriger Werbung von Mitgliedern und Bei« trägen im Inlande, im befonderen auch in der Durchführung von Propagandareifen im Auslände. Der Unternehmung unferes Gene« ralfekretärs in der Tfchechoflowakei, von welcher bereits in unferem Berichte über 1922 die Rede war, und welche Anfang Januar 1923 mit einem Ergebns von etwa Kc. 50000 an Beiträgen ihren Abfchiuß fand, folgte im März eine Reife nach Kolland, die Erträge in etwa gleicher Höhe einbrachte. Die zeitgemäße Nutznießung der fo herbei* gefcbafften Summen wurde durch einen Befchluß des Verwaltungsvorftandes ermöglicht, demzufolge eingebrachte Devifen in ihrer eigenen Währung belaffen und nur nach Be* darf des Tages in Mark umgewandelt wer* den follten. Der Enderfolg diefer Taktik ift, daß wir im gegenwärtigen Moment fagen können, der vorausfichtliche Bedarf für weitere 6 Monate fei gedeckt. Die Befriedigung hierüber darf uns in» des über die wahre Situation nicht hinweg» täufchen. Die Bedürfniffe für unfere Ge* hälter und Subventionen allein find bei dem fortfchreitenden Verfall der Mark ganz außer« ordentliche, ebenfo wacbfen die Herftellungs» koften unferer Bücher ins Ungemeffene. Es geht auch nicht an, daß eine wiffenfcbaft» liehe Unternehmung, wie die unferige, nur auf fo kurze Sicht gefiebert fei und mit un* vorhergefehenen Krifen in naher Zeit zu rechnen haben folle. Es war daher die ein* mütige Anficht des Verwaltungsvorftandes in feinen legten Sitzungen, daß eine neue und entfehiedenere Aktion im Auslande mit möglichster Befchleunigung durchgeführt werden müffe, nämlich eine Propagandareife in Nordamerika, wo zurzeit die wirtschaftliche Lage fowohl, wie die allgemeinen Dispofitionen der dortigen Judenheit und die durch uns bereits angeknüpften wert« vollen Verbindungen Günftiges verfprechen. Gelingt, wie wohl zu erhoffen ift, diefe Aktion, fo könnte wohl eine dauernde finan« zielle Fundierung unferer Akademie durch fie erreicht werden. Vorausfetumg für diefe Reife unferes Generalfekretärs ift allerdings, daß fie, ebenfowenig wie die früheren Reifen desfelben, aus den Mitteln unferes Vereins beftritten werde, fondern, daß für fie durch private Zuwendungen ein Garantiefonds gefchaffen werde. Bei aller Hoffnung auf das uns heute an Kräften fo bedeutend überlegene Juden» tum des Auslandes, müffen wir uns jedoch ftändig und ganz entfehieden vor Augen halten, daß über fie die eigenen An« ftrengungen der Judenheit in Deutfchland, die nicht nur das Verdienft und die Ehre, fondern auch die Ehrenpflicht hat, die von ihr gefchaffene Akademie am Leben zu er« halten, nicht ruhen dürfen. Überall im Auslande tönt es uns entgegen, wie es uns fchon der Joint zur conditio sine qua non geftellt hat, daß der tätige Beweis unferer eigenen Anftrengungen in Deutfchland allein Gaben aus dem Auslande rechtfertigt. Wenn wir alfo hier genügend Mittel aufbringen, werden fie uns auch von draußen her nicht verfagt werden. In erfter Linie müffen wir alfo felber für uns fein — das fei unfere bleibende Devife. Der erfte Schriftführer Guftav Bradt.

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