Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 49)
- Language
- German
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Bericht des wiffenfcbaftlicben Vorftandes über das Jahr 1922/23.1) Das Programm des Forfcbungsinftituts ift in den früheren Korrefpondenzblättern wiederholt entwickelt worden. Wie weit feine Arbeit als ein Anfang zur Verwirklichung diefes Programms gelten kann, haben feine im legten Jahre veröffentlichten und die ihnen, wie wir hoffen, bald folgenden weiteren Schriften zu zeigen. Weiterer pro* grammatifcher Darlegungen bedarf es daher an diefer Stelle nicht. Die wenigen Be* merkungen, die wir dem Bericht über das letzte Arbeits) ahr voranfchicken, find nur dazu beftimmt, auch den weiteren unfe» rem Fachgebiet ferner ftehenden Kreis der Freunde der Akademie über das Verhältnis ihrer bisherigen Leiftungen zu ihren Zielen zu orientieren. Unfere bisherigen Veröffentlichungen find Fachftudien, die fich wefent* lieh an den Gelehrten wenden und Spezial* Probleme der jüdifchen Wiffenfchaft zu ihrem Gegenftande haben. Das liegt ganz im Sinne unferes urfprünglichen Programms, das die letzte eindringende Strenge wiffen* fchaftlicher Forfchung von unferer Arbeit fordert; desfelben Programmes, das der Akademie die Aufgabe zuweift, der jüdifchen Wiffenfchaft wieder die Richtung auf die zentralen Fragen jüdifchen Lebens zu weifen und fie aus einer Sache bloßer Fachgelehrfamkeit zu einer wirkenden Kraft der Ent* Wicklung jüdifchen Geiftes werden zu laffen. Das Verftändnis des Gedankens der Akademie hängt an der Einficht, daß beide Forderungen notwendig zufammengehören. Nur wenn die Wiffenfchaft ihrem eigenen Gefe£ ganz gerecht wird, kann fie auch die Funktion erfüllen, die ihr im Ganzen des jüdifchen Lebens zufällt. Der Weg der Witten* fchaft aber geht über das Einzelne und Be* fondere. Lebendige Wiffenfchaft unterfcheidet fich von toter Gelehrfamkeit nur dadurch, daß auch ihre Einzelarbeit von allgemeinen grundfät)licben Gefichtspunkten aus beftimmt und auf ein einheitliches methodifches Ziel ausgerichtet ift. In der Jüdifchen Wiffen* fchaft das Ideal einer folchen auf letzte methodifche Ziele bezogenen Einzelforfchung zu verwirklichen und das von der älteren Forfchung in überreicher Fülle aufgehäufte Material begrifflich zu durchdringen, ift die nächfte und dringendfte Aufgabe des For» fchungsinftituts. Der Zufammenhang mit den Intereffen des jüdifchen Lebens kann daher naturgemäß nicht immer von gleicher Unmittelbarkeit und Nähe fein. Alle Er» fcheinungsformen jüdifchen Lebens, alle Perioden jüdifcher Gefchichte, alle Gebiete jüdifcher Literatur haben innerhalb der Wiffenfchaft des Judentums ihren berech» tigtenPlat), unabhängig davon, ob ihre Beziehung zu den jüdifchen Gegenwartsinter» effen eine nähere oder entferntere ift. Das Forfchungsinftitut hat bereits je^t Fragen in feinen Arbeitsplan aufgenommen, die dem allgemeinen jüdifchen Intereffe nahe* liegen und die zugleich eine nicht nur dem Fachgelehrten zugängliche Behandlung ge* ftatten. Sein weiterer Ausbau wird zu einer 1) Die Berichte des wiffenfchaftlichen und des Verwaltungsvorftandes sind bereits im Kerbft 1923 abge* fchloffen und liegen ebenfo wie der übrige Inhalt des Korrefpondenzblattes feither druckfertig vor. Trotjdem die Drucklegung des Korrefpondenzblattes aus äußeren Gründen um mehr als ein halbes Jahr verfchoben werden mußte, erfcheinen üe in unveränderter Geftalt. Die Berichte über die Zeit vom 1, Juli 1923 bis l. Juli 1924 folgen im nächften Korrefpondenzblatt, das nach Hbhaltung der Jahresverfammlung erfcheinen wird, die ebenfalls um einige Monate hinausgefd>oben werden mußte. Guttmann. Bradt.