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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · 4-5 (1924) · p. Seite 27

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
4-5 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 27 (sequence 30)
Language
German
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Jehuda Haltewi und Gazali 27 Jehuda Haltewi und Gäzali. Von David Hartwig Banetb. In der Reibe der von dem Forfcbungsinftitut für die Wiffenfcbaft des Judentums herauszugebenden Überfe^ungen religions*pbilofopbifcber Werke wird als erfte eine neue Übertragung von jebuda Hailewis „ Hpologie der mißachteten Religion" (bekannt unter dem Namen Kusari) mit ausführlicher gemeinverftendlicher Einleitung erfcheinen. Die wiffenfcbaftliche Begründung der Überfettung und Einleitung fowie mehrere auf den „Kusari" bezügliche Studien Collen einen befonderen Band bilden. Dem Kreife diefer Studien ift der folgende Ruffatj entnommen, der an der angegebenen Stelle begründet und erweitert werden wird. Die jüdifcbe Religionspbilofopbie des Mittelalters ift im allgemeinen geneigt, im Judentum die „Religion der Vernunft" zu erblicken, d. b. eine Lehre, die nicht nur unferem vernünftigen Denken in keiner Weife widerftreitet, fondern geradezu die bedeutfamften Erkenntniffe, die unferer Vernunft erreichbar find, und die böchften praktifchen Forderungen, zu denen fie gelangt, zum Gegen* ftande bat. Diefer Deutung ift nicht leicht eine andere Religion in fo hohem Grade fähig wie die jüdifcbe mit ihrem ftreng folgerichtigen Monotheismus, ihrer ausgefprocbenen Forderung der Gotteserkenntnis, ihrer ftarken Hervorhebung des rein Etbifcben, bei geringer Betonung der jenfeitigen Dinge, die außerhalb des Bereichs des vernünftigen Denkens liegen. Nur einer unter den älteren jüdifcben Religionspbilofopben vertritt einen entgegengefetjten Standpunkt. Jebuda Hallewi findet das Wefen des Judentums gerade in denjenigen Momenten, die dem Bereiche der menfchlichen Vernunft entrückt find, und zieht einen fcharfen Trennungsftrich zwifcben dem, was menfcblicber Geift aus fich felbft heraus entwickelt bat und weiter entwickeln kann, und dem Inhalt der göttlichen Lehre, die hierzu ein Neues, Höheres binzubringt. Diefe eigenartige, aus den Inhalten des Judentums nicht hinreichend zu begründende Huffaffung erklärt fich zunächft rein fachlich aus der befonderen Frageftellung Jebuda Hallewis. Sein Problem ift von vorn berein nicht das Verhältnis des Judentums zur Vernunft Wahrheit, fondern fein Verhältnis zu den anderen Religionen und zu den praktifchen Lebren der pbilofopbifcben Gedankenfyfteme. Seine Frage lautet: Warum gerade Judentum? Worin be« ftebt der Vorzug diefer einen Religion, daß ich gerade durch fie und nur durch fie das religiöfe Ziel zu erreichen hoffen darf? Diefer Vorzug konnte nicht im Gebiete des Rationalen liegen; denn in diefem Falle hätten die Weifen aller Völker aus eigner Geifteskraft zum Judentum gelangt fein müffen. Nur im Übervernünftigen, in einer ausfcbließlicb im Judentum verkörperten Offenbarung der Gottheit felbft durfte er gefucht werden.

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