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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · 3 (1922) · p. Seite 29

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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IRI
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Talmudische Wissenschaft 29 Allerdings darf für die Bestimmung von Nachträgen in der Mischna nicht unser Ordnungssinn den Maßstab bilden. Was uns als unsystematisch und ungeordnet erscheint, mag bei den Alten oft keinen Anstoß erregt haben. Auch dürfen nicht ohne weiteres alle lose nebeneinanderstehenden Lehrsätze — auch am Ende der Traktate — als Nachträge im eigentlichen Sinne des Wortes betrachtet werden. Denn solche, die sich nicht zu anderen ähnlichen gesellen ließen, die sich nicht zu einer größeren Vereinigung mit anderen eigneten, mußten gesondert am Ende kurz bebandelt werden. Allein, von alldem abgesehen, bleiben noch immer bei genauer, vorurteilsloser Prüfung eine Anzahl von Mischnajot in unserer Mischna zurück, die Einzelfälle einer Halaka behandeln, die vorher schon ausführlich dargestellt ist. Diese Mischnajot lassen sich nur als Nachträge befriedigend erklären. Wer aber an der Hand von Beispielen die Überzeugung gewinnt, daß in unserer Mischna Nachträge und redaktionelle Randglossen vorhanden sind, der muß auch zugeben, daß unsere Mischna von der Schlußredaktion schriftlich fixiert worden ist. Die Frage, ob unsere Michna den Amoräern mündlich oder schriftlich überliefert war, bildet von jeher einen Streitpunkt unter den Talmudforschern. Diese Frage wird gewöhnlich mit Hilfe von amoräischen Aussprüchen über die Zulässigkeit der Niederschrift der „mündlichen Lehre" zu lösen gesucht. Wegen der subtilen Unterschiede jedoch, die in solchen Fällen immer für und wider gemacht werden können, ist von dieser Methode keine Entscheidung der Frage zu erwarten. Auch hier gilt es, an der Hand des Mischnatextes der Lösung des Rätsels näher zu kommen. Sind einmal Nachträge und Randglossen in der Mischna erkannt, so unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß die Mischna den Amoräern in schriftlicher Fixierung vorlag, denn bei mündlicher Überlieferung sind solche undenkbar. Dieses Problem kann jedoch auch von einem anderen Gesichtspunkt aus behandelt und gelöst werden. Prüft man den Text unserer Mischna auf seine Korrektheit, so erkennt man, daß in ihm oft Lücken klaffen, die auf einen Ausfall von Worten oder ganzen Sätzen hinweisen. Schon der Talmud sieht sich oft gezwungen, neue Sätze in die Mischna einzuschalten, damit die Lücken ausgefüllt werden. Eine Untersuchung dieser Fälle ergibt, daß der größte Teil der wirklich fehlerhaften Stellen auf Homoioteleuta zurückzuführen ist. Der Abschreiber sprang an Stellen, wo dasselbe Wort zweimal kurz hintereinander vorkam, von dem einen zum andern über, wodurch der Ausfall entstand. Ein solches mechanisches Verfahren bei der Verbreitung des Mischnatextes konnte sich aber nur ein Abschreiber, der dabei nicht zu denken brauchte, erlauben; einem Tanna, der auswendig lernte und durch das Verständnis des Gelernten das Gedächtnis unterstützen mußte, würde ein solcher Fehler schwerlich unterlaufen sein. Auch auf diesem Wege der Untersuchung gelangt man also zu dem Ergebnisse, daß unsere Mischna von der Schlußredaktion niedergeschrieben wurde. # * *

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