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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · 3 (1922) · p. Seite 7

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707518--095-2707659
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Der Staat des Großen Kurfürsten und die Juden 7 Rechte berauben. Er mußte den Partikularismus der Provinzen überwinden und versuchen, die autokratisch regierten, bunt gemischten Gebiete zu dem zentralistischen Gesamtstaat zusammenzuschmieden. Um aber wiederum dieses Ziel zu erreichen, mußte er die ganze Verwaltung seines Landes von Grund auf neu organisieren. Er mußte mit Hilfe eines kurfürstlich gesinnten, ihm ganz ergebenen Beamtenstabes, der sich über alle Länder ausbreitete, die ständischen Lokalgewalten langsam zurückdrängen, durch sie die Bevölkerung langsam gewinnen. Er mußte neue, nur von ihm abhängige Behörden schaffen, die Amtskammern, die Konsistorien, die Kommissarien, den Landrat für das Land, den Steuerkommissar für die Stadt, und seinen brandenburgischen Geheimen Rat, eine ursprünglich rein territoriale Behörde, zur Zentralbehörde des werdenden Gesamtstaates machen. Was aber hat mit dieser großen, weitausschauenden Politik die Judenfrage zu tun? Was hat dieser kriegerische, nüchterne, harte, um seine innere und äußere Existenz ringende Staat, was hat dieser» von einem gewaltigen Machttrieb durchglühte, von kalvinistischem Geist erfüllte Brandenburger Herrscher mit dem armen, kleinen Volke der Hausierer und der Händler zu tun, das ein unduldsames Jahrhundert von einem Orte zum anderen trieb? Es ist Tatsache, daß der Große Kurfürst die Juden stark begünstigte. Er hat in den Provinzen während seiner Regierung ihre Anzahl ständig vermehrt, er hat in der Mark Brandenburg fünfzig aus Österreich vertriebene Juden aufgenommen, trotzdem sie seit 100 Jahren im Lande nicht mehr geduldet waren. Man hat die Gründe hierfür gewöhnlich in der toleranten Gesinnung Friedrich Wilhelms, auch in wirtschaftlichen Motiven gesucht. Das ist sicherlich richtig. Der Große Kurfürst war freilich ein echt „evangelischer Christ, ein eifriger Bekenner der reformierten Lehre'*, Die Evangelischen in Weißrußland und Litauen bezeichneten ihn als den ,,Defensor fidei", in der halben Welt setzte er sich leidenschaftlich und tatkräftig für seine verfolgten Glaubensgenossen immer wieder ein. Aber der Geist religiöser Duldsamkeit, wie er ihn während seiner Jugendjahre in Holland kennen gelernt, hat doch seine Regierung beherrscht. Die streng konfessionelle Auffassung seiner Zeit von der Notwendigkeit der Bekenntniseinheit innerhalb des gleichen Siaatenverbandes, jene Auffassung, die Frankreich zur Vertreibung der Hugenotten, Österreich zur Verjagung der Protestanten und Juden und England zur Verfolgung der Puritaner und Papisten trieb, ist ihm immer fern geblieben. Zu seiner menschlich freien, persönlichen Überzeugung, daß „die Gewissen Gottes seien", daß „die Duldung eben darin ihr Wesen hat, daß sie alle duldet**, gesellte sich bei ihm noch die ganz moderne Vorstellung der völligen Trennung von Konfession und Politik, von Kirche und Staat. Deshalb nahm er in seinem Lande Arianer, Sozinianer und Menoniten auf, deshalb beförderte er Katholiken und korrespondierte mit Jesuiten, deshalb machte er auch seine auswärtige Politik frei von konfessionellen Gesichtspunkten und wählte in jähem Wechsel, je nach der Gunst der Lage, Protestanten, Reformierte und Katho-

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