Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · 2 (1921) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2707513-2707516--086-2707649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Gedenkworte zu Ehren Leopold Landaus im Namen des Verwaltungs-Vorstands bei der Trauerfeier gesprochen von Gustav Bradt. Ein Jahr ist vergangen, seit der Verein zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums in diesem Tempel hier in einer feierlichen Versammlung des Mannes gedachte, welcher dem Vereine seine Aufgabe gegeben hatte, unseres unvergeßlichen Lehrers Hermann Cohen. Ein kurzer steiler Abschnitt ist auf unserem Wege erst zurückgelegt, seitdem der jüdische Philosoph unserer Tage dahinging — eben beginnt die Leistung unseres Vereins und unseres wissenschaftlichen Instituts in die Erscheinung zu treten — da vereinigen wir uns wiederum zu einer Stunde ehrenden Gedenkens. Leopold Landau gilt diese Stunde, der als erster Vorsitzender unseres Vereins die erste Entwickelung der Aufgabe, welche Hermann Cohen uns hinterlassen hatte, zu betreuen berufen war. Die Aufgabe war von Cohen allgemein umrissen worden. Es galt, der Wissenschaft des Judentums einen neuen Aufstieg zu sichern. Es ist ein trauriges Zeichen des inneren Niederganges, daß im Volke des Buches der Bücher die Pflege der Wissenschaft nicht allezeit eine selbstverständliche Pflicht war, und daß mühevolle Arbeit dazu nötig ist, um diesen Jahrtausende alten Volksgedanken vor dem Untergange zu bewahren und neu zu beleben. Leopold Landau war einer der ersten Männer, welche dem prophetischen Rufe Cohens zu folgen sich bereit fanden. Landau war es, obwohl er die großen Schwierigkeiten sah, welche sich der Aufgabe entgegenstellten — ja gerade weil er die Schwierigkeiten sah. Mit warmer Begeisterung erfüllte ihn der schöne Gedanke, der ihm, entsprechend seiner wissenschaftlichen Geistesrichtung, am Abend seines reichen Lebens eine ihm adäquate Betätigungsmöglichkeit für sein geliebtes Judentum brachte. Alle persönlichen Schwierigkeiten stellte er zurück. Ueber die große Verschiedenheit der Weltanschauung und der Auffassung des Judentums hinweg reichte er Hermann Cohen die Hand zu gemeinsamer Arbeit. Es war ein Ausdruck edelsten Menschentums, als die beiden greisen Feuerköpfe trotz aller Gegensätze einander entgegenkamen — zusammengeführt von der Macht der großen jüdischen Idee, um in versöhnender gemeinsamer Arbeit an einem großen jüdischen Ziele — dem Aufbau moderner jüdischer Wissenschaft — das Trennende zu vergessen, das gemeinsame Große zu fördern. Wie Leopold Landau den großen jüdischen Geisteshelden ehrte, indem er ihm folgte, so ehrte er sich selbst. Mit kraftvoller Hand ergriff Landau das Steuer, als er durch das Vertrauen der Vereinsmitglieder an die Spitze dieses Vereins gestellt wurde. Das innere Feuer, welches ihn für jüdische Art, für jüdische Aufgaben erfüllte, erwärmte auch diejenigen, welche er zur ideellen und materiellen Mitwirkung an dieser Aufgabe aufforderte. Er selbst ließ es nicht bei Worten bewenden, sondern ging für sich und für sein Haus mit glänzendem Beispiel auf allen Wegen voran. Nulla dies sine linea — konnte er von sich in seiner Arbeit für die Akademie sagen. Stets war er für die Akademie bereit. Von früh bis spät war er um sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.