Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
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Wissenschaftlicher Bericht. 37 den Herren Dessau, Cassirer, Täubler, Rabbiner Dr. Baeck-Berlin, Prof. Dr. Baneth, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Berlin, Rabbiner Prof. Dr. Bloch-Posen, Prof. Dr. Brann, Dozent am Rabbiner-Seminar, Breslau, Bibliothekar Prof. Dr. Freimann-Frankfurt a. M., Univ.-Prof. Dr. Horovitz-Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Nobel-Frankfurt a. M.; b) zum Generalsekretär: Rechtsanwalt Brasch. Über die weitere wissenschaftliche und geschäftliche Tätigkeit folgen die Berichte der Schriftführer. Bericht des Wissenschaftlichen Vorstandes. Die Arbeiten des Forschungsinstituts begannen im Juli 1919 in der historischen Sektion (und teilweise von dieser aus mit Vorarbeiten für die biblische und die hellenistische, seit Januar 1920 auch für die soziologische Sektion), seit Oktober 1919 in der talmudischen, seit Januar 1920 in der sprachwissenschaftlichen (teilweise zugleich für die philosophische) Sektion. In der historischen Sektion wandte sich der ständige Mitarbeiter Herr Dr. Fritz Baer der Aufgabe zu, ein Manuskript, das die Protokolle der Landjudenschaft des Herzogtums Cleve von 1690—1807 enthält, herauszugeben und mit einer Einleitung zu versehen, die nicht nur die historischen Inhalte des Manuskripts erschließen, sondern in weiterem Rahmen unter Benutzung alles erreichbaren urkundlichen und literarischen Materials in den Zusammenhang einer Geschichte der Judenschaft des Herzogtums Cleve stellen soll. Herr Dr. Baer hat die Arbeiten am Manuskript, die literarischen Vorarbeiten und die urkundlichen im Geh. Staatsarchiv in Berlin beendet und setzt die urkundlichen Vorarbeiten-vom 1. Juni an im Staatsarchiv zu Düsseldorf und in den Gemeindearchiven des ehemaligen Herzogtums Cleve fort. Es läßt sich voraussehen, daß er ungefähr im Herbst die Vorarbeiten beenden und dann dazu übergehen wird, die schon bisher andauernd betriebene Gestaltung des Stoffes zu Ende zu führen. Wir hoffen, im Winter mit dem Druck des Textes der Protokolle und den kommenden Sommer mit dem der Einleitung beginnen zu können. Herr Dr. Baer hat außerdem begonnen, sach- und quellenkritische Studien auf dem Gebiete der mittelalterlichen hebräischen Geschichtsschreibung zu führen und eine umfangreiche Arbeit: „Untersuchungen über Quellen und Komposition des Schebet Jehuda" bereits zu Ende geführt. Das ganze Gebiet soll auf diese Weise durch ihn systematisch erschlossen werden. Es ist in dem Arbeitsplan kurz entwickelt, daß die talmudische Sektion sich die Aufgabe stellt, ihre Disziplin im Sinne einer talmudischen Philologie, das Wort im weitesten Sinne genommen, zu entwickeln. Das erfordert ein Vorwärtsgehen in vielerlei Richtungen. Wir machten den Anfang mit Arbeiten literarhistorischer und sprachwissenschaftlicher Art. Einen wesentlich literarhistorisch eingestellten, auf dem Gebiete der klassischen Philologie geschulten jungen Gelehrten, der seine Lebensaufgabe im Talmud und in den angrenzenden Gebieten sucht, fanden wir in Herrn Dr. Artur Spanier. Das Thema, das er in Angriff nahm, lautet: Tosefta und Baraita; Studien zur Entwicklungsgeschichte der spättannaitischen Literatur. Über die Arbeiten, die für die sprachwissenschaftliche Sektion begonnen werden, berichtet Herr Dr. David Hartwig Baneth ausführlich oben S. 19. Wie die sprachlichen Arbeiten zugleich der teilweisen Erschließung des talmudischen und vor allem des philosophischen Gebietes dienen sollen, so soll eine Arbeit, die Frl. Dr. Stern aus Frankfurt a. M. begonnen hat, über die historische Sektion hinausgreifen und die erste breite Grundlage für die Begründung einer soziologischen Sektion schaffen. Ihr Thema lautet: Der Preußische