Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 21 (1923)
- Issue
- Heft 38 (26.1.1923)
- Date
- 1923-01-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Säte : tamfrit gehört dem garzrn Volk. Der Propd-l war rfcti* parfsnge»»c-rdene Eewisien brr Natisn, brr Bore Srtirs, brr allen den €j>i«|d ihrer Brrgehm rorbirtl, (hi Lemag^g ui.b Patriot hn cbiütrn Sinne, brr in grvßcn en scheikendea Wendepunkten rJ« Bußpedrger. als Warner und Trailer. als Deivahter des Gesetzes, als Ausleger der alten Burdisveiheißnrgrn dem Nail:. den Mächlegen. Len Königen gegenüber trrL. Sinatzren sich freir Hand nach ollen Lehen, verlaufen sich, wie gesagt, an kein Llgffenintcrcfsr. um überall, wo di: N:twendigkeit ts erhrijcht, mit vollster Unkckchin fliglvit ein greifen zu tonnen. Ommer ist es der gütlich ethische Grßchtspunkt, der in der prvphrti chen Rü» dominiert: weil es Sünde ist. di: fo-hürn Pflichten zu verabsäumen und im Hanbet vi b im rri t'chasttichrn Verkehr überhaupt die Gcrechtigkeit außer acht Zu losten, deswegen creifvm sich dagegen die Propheten. R:ch s würde ihre Wirksamkeit kn ein schiceres Licht fetzen, als wenn man sie zu. Pirtechitupterr.. zr> Führern in den sozialen Klossenkämpfen stempln würde. •* Im blinden Wauden an die Richtigkeit der Sfiaififuschen Geschichtsauffassung, die keinen andern Faktor in der historischen Ertwiülung der Gesellschaft kennt als die Klaffenkibnpfe. schreibi Drei in seinem ^Beitrag zur Grschhhte des Klaffenkampfcs im hebräischen Lltertum": Ter Berfuch. durch eine Derfittlichung de» wlrtschafU':» chen Lebens scharfe fokale Konflikte einer Lösurg zuzuführen. ist nicht neu. Lr tritt un» bereit» im hebrüischP Altertum entgegen. als die urwüchsigen Dafeinsfarmrn des alte» Zsrael stark zersetzt waren und die Besitzlosen und die Begehrlichen lannm wcdjonim) unter Führung der Propheten immer lauter vnd mächtiger nach »Liecht imb Gerechtigkeit" gerufen hatten. „Die Prophetie", heißt cs dann weiter, „ist die Konzentratton der gewaltigen Leiden und Kampfe des israelitischen Proletariats." Dieses llrtell ist durchaus einseitig, um nicht zu sagen falsch! Me sind die Propheten Vertreter einer bestimmten sozialen Partei gewesen, sie vertreten keine Parteimtereffen, sie fordern im Interesse der Menschen die Menschheit auf, sich zu beugen unter den Willen Gottes und jeb« MachttEkür zu unterdrücken. Ohne Mose und sein« Lehre wäre ihr Auftreten unbegreiflich. Mit Recht meint Kleinert: Wie nick Generationen müssen mit Geist und Genrüt und Gewissen daran gearbeitet haben, die kn der Rellgkonsstistung siegenden Kr äst« in sich zum Lichen zu erwecken, ehe eine solche Inspiration den Gdst finden konnte, der sie zu soffen imstande war und die Zuhörerschaft, au? deren Verstehen sie rechnen konnte. Und wie reich ist die Drache der Propheten an solchen Höhenvorstellvrgen. gerade an denen, die die mosaische RÄigion von den Religionen der Böller ßrezlfisch unteifcheiden. Den Ausgangspunkt ollesprophetischen Wirkens haben -*ür in jenen Kerngedanken zu suchen, die in dem Manifesteines irdischen Gottesstaates, in der Thora niedergelegt sind. * Zn gewattigen Akkorden fetzt sie ein. aber nicht, um non Apsu und Tiamat und dem Kampf der Gö'ter und _ r», Iwsche sts.-Nc _ Giga»!.'-» und von Cöninnen» di» kreisen, um »inen Gvltkä ,g zu gebären, »oird un» da erzählt, nein: Gott, der -r.. schafft und erschafft alle», olle» vom Toutröpschen. den ,m Grashalm zittert, bis zum Meere, das mit .vogen^m Mulenorm die Erde umspannt, rvn» sich auf ihr regt und brwegt. alle» ist dem einen üdergeb.'n, dem Menschen, der Gvttgleichheit in sich trägt, und d<». halb oller Rarurgedundenheit gegenüber frei ist und beffen Besümmnug ist: dir Arbeit? nein! und tausend, mal nein: di« Feier! als Freiheit in Gott. Darum ward gekrönt der AU der- Schöpfung mit dem Tage der Feier. Natur kennt keine Feier, aber der Mensch, der mit Seele, mit Bewußtsein begabte, er will, er nnrß nrr Seele, seines Sein», feiner Würde, feiner Frech.'it. feiner Gotthöriglcit und Unabhängigkeit von der Erde und ihren Schlacke» sich bwußt werden: well Gott ist, weil er Gott in sich trogt, wlll er Gott erleben. Der Sabbat gibt diesem Gedanken Wirtlichkeit. Er ist da« eknschrreidensie, revvlutioriierendsie Gesetz der Menschheit, da« im Prinzip alle Gllaverek beseitigt', er fft der wahrste, unvergängliche vdelsbries der Menschheit, den Hella» und Rom, von allen frühern Staaten zu schrvci- .gen, nicht gekannt, weil sie den Menschen auch nie g» kamst. erkamst und onerkanift haben. Zhn nur kl nnt - jene, Volk, das schon deshalb verdiente, von der Wrlt Menschheit als Volk Gotte» anerkannt zu werden. Mit Reiht sagt der amerikanische Natlonalölonom Henry (Be» orm in einer Rche in Glaogvm: Das einzige bis auf diesen Tag. mar zwischen unfern arbeitenden Klaffen und Frohndlenst ohne Unterlaß steht, ist eines di--. >r mosaischen Gesetze. Zn der politischen Oekonomt; ist nichts klarer erwiesen, ad daß unter d^n heutigen Der- HAtniffen die Arbelterllaffe stk stebrnlöglge nicht mchr Lohn bekommen würde, al» sie jetzt für die sechs'ägig: Arbeit bekommt und e» nriirbe ihr gerade so schwer fallen, Re Zahl her täglichen Arbeitsstunden zu reduzieren wie jetzt. Daß da ein Tag in der Woche ist, den der Arbeiter für sich beanspruchen darf, ein Tag in der Woche» an dem der Hammer schweigt und der Webstuhl füll sicht, da» ist dem Zudentum zu verdanken, dem Gesetz, da» in der pnaitlschrn Düste enistand. Und wer, der die Verschwendung an Produktivkrast betracht-t kann zweifeln, daß dle moderne Gesellschaft nicht nur glücklicher,,onbem auch reicher wäre, hatten wir wie den Sabbattag — auch die wundervolle Zdee des Sabbatjähres übernommen, oder seinen Geist unfern veränderten verhÄtniflen anpaffend auf eine andere Weise eine entsprechende Verkürzung' der Arbeitszeit cingeführt Die Lehre Most« entflammte dle großen jüdischen Seher und Dichter, die für uns in Worte faßten, dos Höchste und Schönste, was Menschengcift je erdacht. Der Lehr' Mofls entsprang jene Geistesstörke, di« immer und immer wieder den dürren Stab knospen und blühen machte. And hinausgehend über den engen Rahmen einer kleinen Raffe hat sie ihre Gewalt ausgeübt überall, wohin der Einfluß der heiligen Schrift reichte. Der Geist der Bibel hat Throne gestillt und Priesterherrschaft niedergeworfen. Er stärkte den schottischen Eooenanter in schweren Sttzvd^n und hieß den Puritaneräpsharren in _ V!' _ Schnee und Qis »ine» fremden Lande» Er sistute bei Raseby das Volk zum Kampf, — er stand him.'r de» niedrigen Schanzen von Bunker Hill. Vas Leben Mvfi» ebenso wie feinr Gesetze sind rin Protest gegen j:n« lästerliche Lehre, die heute so wie vor 3000 Zähren im Umlaufe ist. jene Lehre, dle oft auch von christlichen tzo-. zeln verkündet wird, daß da» Elend und die Leid» n der Menschen ihren Ursprung haben in einer geheimnis^rl. len Untätigkeit der Vorsehung, die wir wohl beklagen, nicht aber ändern können und gegen Re wir uns nicht austehnen sollen." Rein, wir sind benifen zum Wirken, zur Arbeit. Nicht Selbstzweck ist die Arbeit, ober heiliges Mittel, da» die Thora und nur sie zum Mittelpunkt olles Rechts auf Leben und Besitz erhoben. (Fortsetzung folgt.) DnfcritMn «t lirrisjuintn. ®rc3 Israel Die palSfünensifche Volkszählung. Die amtlichen Ziffern. London. (I. C. B.) Das Kolonialamt hat soeben die Ergebniffe der jüngst in Palästina ftattgestwdeu'n Dr-l'»Zahlung veröffentlich!. Danach wohnen in Palästina: Muselmanen 589564, Juden 83 794, Christen 73 C26, Drusen 7028, Samaräer 163, Dahai» 265, Hetawallis 156, Hindus 1454, Sikhs 408, insgesamt 755858. Die Skbkanleihe Tel Awiw». Von Judge Rofenblatt, der sich in Amerika mit der Unierbringung der Tel Awiwer Stadtanleihe befaßt, ist am 1. Januar in Tel Amiw ein Telegramm elngelaufen, wonach die Plazierung der Anleihe ^hne allzu große Anstrengungen und Reklame in Amerika erfolgrcld) vor sich gehe. Eine christliche Bank habe Schuldscheine für 3000 L. erstanden. Bereits im Laufe dieses Monats scll die erste Rate der Arkekhe km Betrage van Ä000 L. nach Tel Äwiw Überwiesen werden und dck Rest im Verlaufe der nächsten zwei Monate. (Zikv.) Deutschland Die A.-S.-Taaunq in Berlin. Resolutionen. 1. Das Aktions-Komitee nimmt die von Herrn Sokolow im Namen der Exekutive abgegebenen Erklärungen über die politische Tätigkeit und die zukünstkgen pollttschen Plane der Exekutive zur Kenntnis. 2. Das Aktions-Komitee begrüßt den arm Herrn Dr. Weizmann und Herrn Svkolv« angeküyd'gtm Beschluß 8lm Nachmittag, vor mir llegt die s-tzte Nummer der Zeitung „Samschzina", in der ich gerade lese. Gott. :m Himmel! Sind denn die Menschen pliitziich in wilde Wölfe velwar.drl! worden? Markow schreibt: Wenn nicht die Regierung die Luden richtet wegen des »etgossenetz Bluts des Ehrrstenkinds, dann mjrd da» ruffische Dolt selbst.aufstehen und Urteile vouftrecken. Das hat das ruffisch: Doll schon immer getan. Und seine Urt:Ile werden furchtbar lein: Nicht ein Jude wird am Leben bleiben. — Am selven Tag, an dem Marko« das schrrlbt, sagt er zu einem, seiner Freunde: Natürlich, ich weiß sehr wohl, daß dieses Gerücht erfmiden.ist, aber :"Ir brauchen es, um den blöden Mob gegen die Luden aufzul-etzen... Wohin H plötzlich mein Idyll? Wo ist die schön« Welt mit de« Schnittern, dem jungen Weib, dem sonsten Windzug, mit der unendlichen Ruhe, wo die friebliche Welt? Ich will e» noch'mal versuchrii und mciri kleiner Buch hervocholen. . . An der Wegekreuzung standen die drei Frauen beisammen: Die alte Frau, kn deren zcrs-.uchtem Gesicht man noch die Spuren «lnstiaer Schönhest erkennen tonnie .und die beiden juygey. Fratzen, die-wie Blu nen auf dem Felde ousfchamen, denen Myn e» nicht onsi :l-t. haß gestern ein Wind Mr sie dahing,fahren ist und die nicht daran denken» daß morgen eitt Sturm Über st" heranbrausen mag. DI« eine mit dichten goldgelben Zöpfen. In ihren Augen blitzt stets ein lüsterne» Lächeln und verborgene Lust. Dle andere hat tteffchwarzo Augen, große reine Augen, wie ein Kind, und sie schaut nachdenklich ,md bedrückt um sich. .il»: F'n» spricht: Geht doch zurück, meine Töchter, geht doch zu euern Elten,! Sott gebe euch esu Zur «2'v JTTTD I031? mn tnrin Israel zählt nach ..Mmraten". während die arrdererr Nationen ihre Zeitrechnung »ach „Jahreu" rechnen. Ein alter Midrasch erzählt uns. daß der „Große" nach dem „iSrofom" zählt, der „Kleine" dagegen nach dem „Ikieine»". WS, der der „Große" war, Sn;i n-3zählt nach der Sonne, dem llttv- 2PV' der der „ttlcmc" svj?N N12 genannt wird, zählt nach dem Neinere» Gestik».«, dem Monde, dem sVPN 1M2, daher 02V N7N V1N.N. Israel feiert rrnd lgppreist Gott bei jcd.-,n rsteumand und feiert: den F.'nhlingsmonat u.^ aat dea WiedecerroarifonS der Natur mit oe. Sr .em Danke zu dem Schöpfer der Natur. * » » Ruth von David Frischmann. Morgen»: .Bor mir ttegt ei» kleines Buch, i« dem ich lest. Ach, wie oft las ich schon darin, und doch kann ich es uir genug tun. Wahrlich, da» schönst« Idyll der Weltii^ atur: Der Beginn der Weizenernte. Auf den Felder, glüht dt« Sonne, von allen Seiten streicht ein milde« Wind, unendliche Ruhe, ewiger Friede. Hinter den Schnittern sammelt ein fremdes Weib di? herabgefallenrn Arhren. jung und schön ist st», die die Halnie aufliest. Hin und wieder geht sie an die Geräte. 3>k Knechte schöpfen ihr Waffer und st» trinkt aus dem Eimer. Da kommt der Herr de, Felde». Der Zungr bei den Schnittern wacht auf: „Grüß Dich Gott!" „Gott segne Dich!" „Wo, ist da» für ein Mädchen?" ..Einr jung« Moabiterln, dte mit Raami au» Mvab zurückgekommen ist." Ruth hört es und will den kleinen Fehler. verbeffem: Sie ist jo kein Mädchen mehr, sondern ein, Frau, eine junge, aber schon verwitwete Frau und nur ihr Unglück will es, daß.st« aussieht wie ein jung-.s Mädchen, doch fle errötet und kann keinen Laut hervorbringen. Boas staunt fle von weitem an: Wie schön ich doch diese tstin« Moabsterinl Dann senkt er die Singen plötzlich zu Boden, Ruth senkt sie nicht, sie hat sie noch gär nicht vom Boden erhoben. Ihr Blick W nur auf die Aehren am Boden gerichtet, di» ste sammelt, lind in Gedanke: ist sie bei ihrer Schwi.ger. Die wart-i auf sie und dach muß sie noch sammelt«, von Zeit zu Zeit schaut sie in ihre Schürze und steht, wa» sie schon alles beisammen hat. Wenn.sie doch auch mal von ten Garben was nehmen dürstet Da, sttzl hört mar« einen Trompetenstoß: Es ist Effenszeit! Das jung« mädchenhafte Weib sitzt bet den Knechten, ißt von dem Brot und taucht es ln die Tunke. Hin und wieder keicht ihr Dcas von den gerösteten Körnern und sie ißt sie aus seiner Hand. Wie rein ist doch dieses mädchenhaft« Wotbl Dann heißt er st-! auch von den Garben nehmen nnd frflt ihr, sie falle bet den Burschen bleiben, versieht diese» reine Weib, wa» er Ihr da sagt? Sie ist gar zu rein! Wie glücklich ist sie, daß sie bi» zum Abend sammeln kann. Wie sie zusammenbindet, was sie ausgelesen hat, sieht sie, e» ist ein Ephah Weizen, ein ganzes Ephah. Froh bringt sie ihr Bündlein in die Stadt 'und zeigt ihrer Schwieger, wa« sie gesammelt hat.