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Neue jüdische Presse · 1922-12-29 · Heft 36 (29.12.1922) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 36 (29.12.1922)
Date
1922-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wpkfmter Israelitisches Familienblatt LV«a»et »»n S«ly «ei«. FtankfürterIü-ifcheZugeadblStter Mitteilungen »er-!>«t..jü». Iaqen—iGmiiitti»«». E. Lrschcint vierzrdnt.igig. Bczuaspreis pre vierteljabr: Bei »er Post abonniert >>Ik. . bei Ser Neuen Jüdischen :)r cffe Aniendnna durch -rreifband für Deutschland Dlk. , :.,^n, _ für Ausland h> franz. 5 schweiz.? Frcs-, SboU. Fl.,; Ldiliina» : Dollar jährlich» im voraus Zahlbar. Einzelnummer tttk. t->.—' RedaMon und Expedition: Frankfurt a.M., Unterlindau 21 Fernsprecher: 2lmt Taunus n»75 Indische Aeitnngs-Gefellschsft m. v. I). Psstsa^ck-Aouto Nr. z«or .Frankfurt a- M. Jnsert^onspreis für die sirbrngefpaltene Nonrarcille-cheile lNkzv— für die R :klame; .ile!Nk. -n—. Platz- und Darum» Vorschrift ohne vcrb:udlichk>it. Anzciaenannil-me rad vrrwvltnna: Lpoche, Aeklamraesellschast m. b 1> Frani^ r,. Roxmarkt «. Telefon vansa s:»»- N. ) M Jahrganc). Freitag, den 10. Lebeth 5683 (29. Dezember 1922) Nr. 36 ^. Frankfurt a.!li.. ,o. Lrbeth 5SSZ I Es ist noch nicht feljr lange her. da hat man uns Zionisten vorgeworfen, wir standen den Antisemiten gewissermaßen freundlich gegenüber; wir würden den Hetüüusamen Abwehrkainpf aller Juden gegen den An- WmstiÄms unmöglich machen. Man betrachtete uns als Mische'Hochverräter. Dieses Urteil war oberflächüch, es «oär die Meinung des jüdischen Bourgeois, oerbreirMMd eingeimpst durch eine Clique antizionistischer AgchSoren. Wir haben Mar nie die Neinlichen ' Methodender Antiseinitenfresser übernommen, wir sprächet, me von'Rgtionalisten dann, wenn es sich um c'MN_üejunhEN.Nationalismus handelte, denn wir sind selbst national und achten jedes ehrliche nationale BewußtsW-^ei^^ Nichtjuden, aber wir waren trotzdem entfchi««r gegen ji-den antisemitischen Umtrieb. Es ist Ües. selbstverständlich, denn wir würden aufhären nationale Jicktw zu st in. wenn wir die Todfeinde unseres ^Polkes nicht mit stärkster Energie bekämpfen würden. Unsere Energie gelzört dem jüdischen Bolk und richtet sich dah^r in dieser Stunde gegen die sogenannte nationalsozialistische Beioegung. Mid aller revolutionären Krast, die in üriserer Bewegung zu finden ist. stellen wir . uns ist die Einheitsfront aller Juden, denn die Not des. Augenblickes vsrlongi dies von uns Zionisten. Unsere Methoden des Kampfes find allerdings anders wie die der nationaldeutschen Juden, aber hier ist ja nur ein Unterschied der TaMk. Wir lehnen es ab. über jede Aeußerung antisemitischer Ueberhitzang uns aufzuregen, wir schreien nicht darüber, aber wir kämpfen mit sachlicher Ruhe und kühler Entschiedenheit gegen die internationale Seuche des Judenhasses. Nationale Gesinnung wird von uns vertreten und cs ist eine Lüge, vom internationalen Geist des Judentums zu sprechen, wo man weiß, daß Millionen selbstbewußter Juden jeden Änternctionalisinus ablehuen und stch zu den Grundsätzen einer nationalen Politik bekennen. Wir sprechen das ausrichtig aur* und unser Kamps ist daher ehrlich, der sich gegen die neueste Internationale des Hasses richtet. Ungarn. Deutsche. Rüsten und Polen und wer als ionft, sie alle Horen auf, völkisch zu sein, wenn cs sich um eine antijüdische Sache handelt. Die nationale Greife verschwindet und die Aotifemiten aller Länder reichen sich die Hand zu einer neuen Internationale Sonst kämpfen sie gegen die Jiuernationale des Kapitals und der Kirche, sie kämpfen auch gegen die sozialistische Jnternauonalc und beweisen mit einem Schlag auf die Brust die Ernsthaftigkeit ihrer nationalen Gesinnung. Sonst! — Aber jetzt geben sie das nationale Prinzip auf zu Gunsten eurer neuen irternationalen Lngavisation. Wir erleben eine Berstandigung der Hassenden aller Völker, welch erhebender Anblick für uns nationale Inden. Es berrjcht der Kotz und wird zur geineinschaflsbildendeii Krnil. Wir haben uns noch nie mit einer Internationalen identifiziert, aber wir können uns nicht -'as interessante Veranügen erspare», aller Oeffentlichkeir endlich einmal tlorzuleqen. um was es sich eigentlich tiandcit. Kamp' zweier Jiiternntionaleil Die Internationale des Hasses argen die Jiuerna:iv»aie der Verständigm-g. Ein uli'lter Stampf! Der Gegenjat, zwischen Gut und Los. wenn wir mallen zwischen .Himmel lind lalle. Die Hölle ist deine aus Erden und dar südliche Veit leidet aaiuiiiei und wir werden dui>ei die Eiger-ari unsere-- wichtigste Meldungen. Auf der im November in «Lleveland stattgefundenen Iahreskonferen; des amerikonischen Misrachi wurde u. a. beschlossen, zur Gründung einer Misrachi-Aolonie in der Nähe Jerusalems einen Fonds von IVO 000 Dollar zu sammeln. Aus der Konferenz selbst wurden 20000 Dollar gezeichnet. (Ziko). . 9 Reichskanzler a. D. Fehrenbach und Rechtsanwalt Dr. ^erfchel- Breslau, beide Mitglieder der Zentrum^attion des Reichstages, find in den Lsauptansschuß des Vereins zur Abwehr des Anttsemttisnms getreten. * Vas neueste aus dem Gebiete der Filmsensatton ist in englischen Ainos die Darstellung eines Rauschhaschonoh-Gottesdienstes in einer Londoner Keinen Synagoge. Jm Laufe des November find in j)alästina 1100 Einwanderer gelandet. In der ersten Woche des Dezember find 300 Immigranten ins Land gekommen. (Ziko). Schicksals unter den übrigen Völkern erneut erkennen und zugleich wisten. daß nie der Haß ewig triumphiert. Dieser Haß ist ein Gefühl. Der Antisemitismus ist nicht geistig fundiert, die Masse ist nur instinktiv Menfeindlich. Mit Argumenten gegen Gefühle zu kämpfen ist trotzdem nicht ganz Meölos. denn der Verstand beeinflußt das Gefühl und in dem ewigen Kampfe Mischen Gefühl und Verstand siegt — der Verstand. Es herrscht in unserer Zeit der Haß und mit ihm die niedrigen Instinkte des Volkes. Es gilt das Machtprinzip. Macht geht vor Recht; es ist die Zeit der Unduldsamkeit. die Fremden werden verachtet. Was anders ist. ist ohne weireres schlechter. Mit diesen geistigen Grundlagen sührr man den Kampf gegen alle Minderheiten. also auch gegen die Juden, und es ist der traurige Ruhm gewisser deutscher Kreise, auch hierin an erster Stelle zu stehen. Wir achten die ehrlichen Argumente der Gegner und diskutieren darüber fachlich; wir begreifen, daß ir. Deutschland durch das Schandwerk von Versailles eine Haßstimmung gegen alles Ausländische vorbereitet war. der verlorene Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen verbitterten den Mittelstand. Alles das ist begreiflich, es muj,.e auch eine neue selbstbewußte nationale Beweg,u>g '-streben. Warum -.der war diese nationalsozialistisch, Äewegung judenseindlich? Rur desbalb. weil sie nicht -vchrhuft national und sozialistisch ist. Wir können für uns das Recht in Anspruch nehmen, zu wissen, was national ist. Unsere politischen Ziele für das jüdische Volk find bekannt und wie wir in unseren linken Gruppen sozialistisch eingestellt sind, das beweisen die heroischen Taten und das bewunderungswürdige Leben unserer Arbeiterschaft besonders in Palästina. National sein, heißt für sein eigenes Volt eintreten und seine Kraft durch die lebendige Entwicklung seiner eigenen Werte steigern. Der Kamps gegen Andersnatwaole ist noch lange keine nationale Eigenleistung, und es beweist keine nationale Große, hierin das ausschkeßkiche Gebiet nationaler Betätigung zu sehen. Nationalsozialisten, beestht eure einzige Aufgabe für das deutsche Volk in seiner heutigen Rot darin, den Mischen Einfluß zurückzudämmen! 65 Millionen brauchen hoffenüich in der Existenz von' 600 000 deutschen Juden keine nationale Gefahr zp scheu. Und desheckb ist es gemeine Demagogie, wenn in dem Programm der nationalsozialistischen deutschen Arbeiter-Partei unter Punkt 4 verlangt wird: ..Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Mutes ist. ohne Rücksicht auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein",, und dann unter Punkt 5: ..Wer nicht Staatsbürger ist, fall nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fremden-Gesetzgebung stehen." Hier wird Recht der Minderheiten sabotiert, als hätten wir. deren Vorfahren schon länger in Deutschland beheimatet sind, als manches deutschoöllifche Geschlecht, nicht dasselbe Recht als Staatsbürger wie jeder andere. Was würden die Nationalsozialisten sagen, wenn man heute die Sachsen in Siebenbürgen, die Deutschen in Polen und in der Tschechoslowakei unter Fremdenrecht stellen würde? Wir erkennen unsere Pflichten dem Staate gegenüber, an und verlangen daher von ihm unsere Rechte Trotz allem aber halten wir an unseren Mische» Zielen fest, sie sind niemandem gegenüber aggressiv. Nichts Böses liegt hierin gegen andere Völker, im Ge genteil, wir sympathisieren mit den ehrlichen nationaler. Bestrebungen der Deutschen. Der Kampf gegen Versailles ist unser Kampf, das Interesse des deutschen Staates ist unser Jntereffe;Hr treten für seine Lebensnotwendigkeiten ein als loyale Staatsbürger. Wir kämpfen gegen jede fremde Sewalkpolitik mit dem Rechte des wahrhaft friedliebenden jüdischen Rationalismus, mit größerem moralischen Rechte als mancher Alldeutsche. der im Falle eines siegreichen Friedens eine ähnliche Gewaltpolittk getrieben hätte. Wir stehen zum Mischen Volke und werden alles tun. was geeignet ist. feine Existenz zu gewährleisten. Wir stehen aber auch zum deutschen Staate, wobei diese Beziehung keineswegs nur formal ist. sondern im Gegenteil innerlich stark begründet ist. . Eine derartige Haltung wird der ehrliche national denkende Richtjude verstehen und achte», der unehrliche Schreier wird eine solch klare Stellungnahme nie begreifen. denn er ist international: — beeinflußt von der mächtigen Internationale des Haffes und kein Argument kann ihn überzeugen. Dieser Typ des unehrlichen Schreiers wird scharf von uns bekämpft werden, wie alles was in ungesunder internationaler Gesinnu.lg — iit diesem Falle des Haffes — sich der nationalen Rechts idee in den Weg stellt. Zionist sein, beißt die Lebensnottvendigkeitell des jiidrichen Volkes erkennen und dazu gebär: beute auch de-

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