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Neue jüdische Presse · 1922-11-03 · Heft 32 (3.11.1922) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 32 (3.11.1922)
Date
1922-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MMWrtir MüM S»mUi««ttatt MW s«ty. «eil. Erscheint vi««et>n1MD Sejugrpreis;>r» viertel. •»£.«. m- «boniiert 11U. W te r™’’, «Wo»Mp«' Presse Zusendung durch Ztreisbmid für für Aurlatd ,a frinz., z Ichweiz. M»LMW»^L..VoLw-jKhi>li», im voran» «r *• aÖäÜ Redaktion und Expedition: Kassfkfurt a.M., UnterlinvauZi Kemftnvrh«: Ami Taunus s«73 n». 1>. tz. KrankfnrterIüdticheIAsrnd-IAttse SNNiUmim »er mM** 3ü«MlM«Mt|MiKeik Jui rrtioneprri» für die siebenge^aU»»« rvenpattiild'^--.» UN. ,L.— für dir UrNamezril« Ult. LlX—. Platz» and Tarumvorfchrift ohne verdindlichtrit. M^Iahrgang. tjiil' Nick^schva« 5683 (I.. November 1922) ms. 32" Frankfurt a. 111., INarcheschwan 5«;3. Me WM erlebt einen historischen Augenblick, mit has> Mhischo Doll. Das ist ein Novum: es zeigt» wie “ nrfer mfeSeteine politische Einheit geworden Die^imgMche- Regierung hat demissioniert, ein Mis^ SergMchbar mit dem Rücktritt Bismarcks, und all sieht man sich dadurch vor einer neuen poli» Wschew Situation. Die Tagespresse handelt ausführlich j'Lärüber und auch wir haben größte Beranlaffung, uns mit dem Sturze Lloyd Georges zu beschWgen. Wir sind von: engüschen Koalitionskrise in Mitleidenßhast gezoWr» — hat doch die Krise zum größten Teil EWM WruÄr in der „orientaüschen Frage". System von Sövres ist zufammengebrochsn und " ich auch die Grundlage unserer Palästinapolitik er- Richt nur das zwingt uns zur Stellungnahme: find auch Vertragspartner Englands und haben M stage^, ob sich die Voraussetzungen der n Mandatspolitik verschoben haben oder nicht, müssen also klar aus die „Motive" der englischen achten, um seläst klare Pölitik treiben zu können, s wrrd sonst Ueberraschungen geben. Ls wäre oberflächlich, die eingetretenen starten Ver- Wanderungen als für uns bedeutungslos hinzustellen. Berwährte Freunde des Zionismus verschwinden aus der -Wrütifchen Führung. Lloyd George, der Kolonialmini- ^ster Churchill und der besonders verdienstvolle Lord 8 Balstrur. Balfour ist zwar Unionist, wurde aber mit seinem Freunde Thamberlain im Carlton-Club auf un- £ sanfte Weise in die Opposition gedrängt und ist dadurch Mi« Einfluß auf die jetzige konservative Politik. Alfred z!Wkond/ "das Mitglied des Economic council. ist ttidjt Amehr in der Regierung, und wie die Stellung des Oberti kommiflars Herbert Samuel fein wird — er ist seiner Parteirichtung nach Liberaler —. darüber werden die zi. nächsten Wochen erst Klarheit bringen. ' Jetzt herrscht die konservative Partei: das heißt die Härtet der ,»Die»hards" tRadikalreektionäre): es herrscht Mr Partei der antisemitischen Morning-Post. und es --D ein billiger Trost zu sagen. doß'Bonar Law nicht : 'dem radikalen Flügel angehört, denn der radikale Flügel '- hat innerhalb einer Regierungspartei viel stärkeren ' Einfluß als wie bisher, wo er der Koalition oppositio- | nett gegenüberstand. Das neue Kabinett besteht in seiner großen Mehrheit aus Mirgliedern des Oberhauses.; dessen ablehnende Stellung zur Palästinapolitik wir anläßlich der Mandatsbeftätigung kennen lerne,, mußten. Man braucht kein Rochiaoellist zu sein, um alle» Auf die Grundfrage zurückzuführen: Besteht noch ein englisches Inlereise an der Fortführung der prvrtonistislhen Polirik? Rur Interessen entscheiden in der Holitik und nicht, wie man oft aniiimmt. Ideologien. Das Interesse ist die dauerhafte und wirksame Triebkrait in der 'Politik. Wenn man derart urieilt, so könnte man vielleicht glauben, daß der Regierungswechsel für u n s g«nn»g sti. denn Lord Cu rz an ist Außenminister Cur, an war der Braründe, der sog. Glacis Theorie der > ngli'chr» ".['ti*. :.c .Ir.c u>e eii.l'.i.e Aufgabe .»der ch»;rung deH indischem Kvlonialrei^es Jut ton N die Puliistin-ipolN'k ,»ruckp,lühren: es siel» ü'o ä>>» fttg aus. Und .7,.tzdcm d.e Zen '« .ger. ab.-, nicht un* i:.i:u -'r Das . evoMhe Äolonialminstermm erklärt, datz drv Re^nmnasmrchsel keine Äw derung dev KalWiiapvlmk bedeute. Vke Nrrltinev Gemeindrwahkv «mrdeid für de» ir. Januae 1923 verschoben. s- ' *■» : jüdDH« Gememde hat 8>rpoWiv. «ne«' BeitragsAr den Käjeffod bewilligt. In Lettland wurden vier jüdische Abgeordnete gewühlt. Kretzburger aaudistische Rabbiner verboten gesellschaftliche Verbindung und Ehe mit Alisrachisten. ebenfall» für eins antiislcunifche Politik engagiert zn werden»- Italien, bekam Interesfenssphären in Sveiem die Tragödie- Griechenland» ist bekannt. Auch die tut* 1 fische Pillitik war ansprechend eingefiM. Ran unter, stützteden Bolsch«wi«,us nicht: aber man bekämpfte ihn auch , nicht, «usi sich selbst: angewieftn siMe. Rvß. ^andeinflußl«bleil^ünrrfLr'eine Rivalität amGM- ^oenen Horn näht in Kage kommve- Die: Milerten-bemersttm-aber dm Hake» andieser Sache Kr frühzeitig: und: so kam die KriM. Frautrrvch die Stellungnahme einer Turzonschen Politik ,er!choben. Aus dem ausschließlichen Interesse der Sicherung Indiens mußte die bisherige englische Politik antlmusel* manisch fein. Keine mohammedanische Macht von nennenswerter Bedeutung durste bestehen bleiben, an die sich Indien möglicherweise hätte anlehnen könne,,. So vernichtete man die Türkei in dem ..Papierfetzen" von Söores; man spiette außerdem die Araber gegen die Türken aus, säte Zwietracht in die islamitischen Reihen, indem man die Errichtung von arabischen Randstaaten begünstigte. Einflußlose Randstaalen in unversöhnlicher Gegnerschaft zur Türkei sollten den Weg nach Indien sichern. Man gründete arabische ..Staaten", aber mit Absicht nicht den arabischen Staat, aus dem einfachen Grunde, weil man die paniflamische Anziehungskraft eines'einheitlichen arabischen Nationalstaates befürchten müßte. De» Rechtstttel hierzu nahm inan aus der neugefchastenen Ivstttution eines Lölter» bundmandates. — Alles mußte geschehen, um ein Anwachsen der arabischen Macht zu verhindern. Hier ist das wahre Interesse Englands an einem jüdijchen Palästina. Das historische Recht des jüdischen Bottes gab die Möglichkeit, in Palästina den arabischen Emfluß zurückzudämmen. Man gab jedem eiwas und keinem a l l e s. das war der Sinn einer englischen Polikik, die neugefchastenen Kräften Gegenkräfte gegen:>--erstellte und so in der Lage war. ihren Einfluß zu t Haupte». Dir Politik durste auch nicht zu projüdisch sei,', da n,an sonst die arabische Gegnerschaft bis zum .. tischen" Pr:::k! ^triebe» Mitte - bis ju», oifctei :wrrub*- von Dem man Schlimmes befurchten mußte. Dieses Sustei» war klug und versuchte »gemäß auch die alltierten Mächte au sich bera».M>cb> Urank- -eich beka»' das Mandat iwcr Syrien, nn dadurch r llschee Ziele Orientpolitik zu machen^ unv st» kam es zu ' eitterr rntkiMänün: SKwenkung. Au» dem rrhittertpen! Wftdv M TÜMMUrde ein guter „Freund?. Frank» ' lin-Büuillon känWM^iner Uebereinkunst mit K««wk: Pascha, obwohl näMäußen hi,: unverändert dieteiar-; alliierte gemeinsame Orientpolitik weüergeflchrt wurde:/ Italien zog sich au» Kleinasien zurück, da eseinen bewaffneten Zusammeistwß anläßlich desgriechisch-türkischen Krieges befürchten mutzte. England war'isoliert — es war kein« splendid isolation —, und so kam es zur diplomatischen^ Auseinandersetzung mit der Türkei in einem sehr ungünstigen Zeitpunkte. England mußte nachgeben» die antitürki* sche Pchttik zeigte sich erfolglos und Lloyd George mußte nach diesem Mißerfolge zurücktreten. Die Gegner der liberalen Orientpolittk kannten jetzt gut ihre Ratschläge erteilen. Es wurde sin der bisherigen Polittk entgegengesetztes Programm ausgestellt. Dnvernehmen mit Frankreich. Kooperatton mit den islamitischen Staaten. Anfgcben jedes Engag«.,«nts im Rahen Osten, straffe Zentralisation. Mit anderen Dar* ten keine europäische Politik <im «eiteren Sinne), sondern rein britische Imperiumspollttk. Man verzichtete auf jede Jnterventtons- und Abenteuerpolitik und will sich nur um fein eigenes Haus kümmern: demgemäß kennt man auch keine differenzierte Rationalitärenpolittk und hat keine besonderen Jntereffen für die S^vierigkeiten des zionijttschen Problems. Unsere große Chance auch einer derarttgen Einstellung gegenüber ist aus der atiDer«n Seite unser« starke politische!8edeutur»g in der Welt, die auch «ine konservative Inte ressen »polittk nicht übersehen wird. Unsere Führer werden den englischen Staats- Infolge der anhaltenden Teuerung sehe» auch wir uns gepvungen, unsere Pveife mit rückwirkend« Kruft ab t. Gktob« ju erhöhen. Unsere Zeitung kostet vierteljährlich Mk. svv.— und die Einzelnummer Alk. sä.— Mr bitten bei dieser Steigerung zu bemerke,t, daß sie nicht dem allgemeine» Teurung», inder vollständig ungeputzt ist, »«U. wir c» un» zur Zlufgade gesetzt haben» «'oiange wie nur irgend möglich. »tchr vollständig in die neuerliche Teurung»- welle bineinziehen zu laste».

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