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Neue jüdische Presse · 1922-10-20 · Heft 31 (20.10.1922) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 31 (20.10.1922)
Date
1922-10-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Krankfurter Israelitisches Kamilienblatt BesMtzet »öa Saly «ei». Kt-ankfurierIüdischeIugendblLtter Mitteilungen der nat.-jüd. Iugendorganis»tioa<r». - Lrichciiil vicrzel'ntätia. Bezugspreis vre viertel- I«il;r: Lei der V»'st abonniert!Ilk. —, bei der ucucu jüdischen Presse Znsendnna durch StrcifhanC* für i'Ciit)d;lan& -llf. für Ausland (o frauz. 5 fchiueiz. irc~., 3 ball. Fl., u sIMina,; Dollar jä!irli»1>, im väraus -j i zal'Ibar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., UnterlindanZl Fernsprecher: Zlmt Taunus i<>7." Jüdische Zeitungs-Gesellschaft in. l\ lj. n Ini e> t ianspreis skr dir siebengespaltenc Nonpirrillr-Ar ir [ UN. 15.— für die AeNamezrile Ulk. su. Plast- und Dai, >a- Vorschrift ebne Verbindlichkeit. ■ 20. Jahrgang. Freitag, den 28. Tischri 5683 t20. Oktober \<)22) Nr. Z\ j. - Frankfurt a.!lu, 28. Lisch« 5*85. -f Als man einmal einem Russen die Unbildung Heiner Landsleute vorwarf und ihm vorhielt, wie .ijtöf} der Prozentsatz an Snalphabeten unter seinen i'DolKsgenosson sei, antwortete er: „Run gut. dann Wd sie auch davor verschont, die Lügen Eurer Sei- , tlmgen-zu lesen und ihrem Lift zil erliegen." Tanz 'Ähnlich wie die Stimmung dieses Russen hat sich —! seit dem Kriege in immer steigendem Klage — die ^Meinung vieler der Besten Cilropas über den Wert der Presse herausgebildet. Wan sah, wie die Mebr- ' zahl der Seitungen bei der europäischen Katastrophe völlig versagten, wie sie zwar scheinbar die ü h r c r ihrer Leser sind. — indem sie ihnen Rns schauungen und Ideologien liefern, die der Einzelne zw fabrizieren meistens unfähig ist — in Wirklichkeit ober die Geführten sind, indem sie nur Wiche Anschauungen ihren Lesern vorsetzen, die de- H-reli gegebener innerer — durch wirtschaftliche, ye- Hesellschaftliche und andere Gründe bedingter '— Minsteilung entsprechen, d. h. das schreiben, was Mer Leser hären will.' Diese Doppelrolle als Füh- Wr und Gefiihrte der Masse lietz die Presse bei ^vielen als ihr Verführer erscheinen. Wenn wir heute — unter neuer Leitung — fpor unsere Leser treten, sind wir ihnen und uns /Rechenschaft darüber schuldig^ was unsere Meinung fenbar am stärksten bestimmt — oder müssen es fein — von der gegenwärtigen Situation des jü-! difchen Volkes. Einfache Wahrheiten — weiin sie oft wiederholt werden — erscheinen dem Einsichtslosen leicht als Phrasen. Nun. wir haben keine jüngst davor, sagen es an dieser Stelle und werden es noch oft wiederholen: Das Judentum befindet sich in einer noch nie stärker gewesenen Krisis. Denn um was handelt es sich? Seit einigen Gene- , rationell ist das Judentum in die europäisch-amerikanische Welt in allen — wirtschaftlichen, gesellschaftlichen. geistigen — Beziehungen aufs engste - verflochten und scheint mit ihr auf Tod und Leben verknüpft. Das, was die großen Rührer des Thassidismus. der letzten urjiidischen Entfaltung unseres Volkes auf europäischem Loden, mit alt ihrer Kraft iiu verhindern suchten, ist eingetreten: Der einzelne Jude stand Europa gegenüber und die Macht der »Gesellschaft überwand das Individuum und ver- -stüinmeite das in jedem Juden vorhandene Erbteil kleiner Gemeinschaft, das bis dahin die Geineinrschaft durch ihr Leben selbst garantiert hatte, oft s-bis zur Unkenntlichkeit. Was ist das We fen der ’j ii ft i {dj eil Ge in e i n f dj n f t und was linterjdjeidet sie so prinzipiell von europäisdien Geiiieiiischasten, von Rcliaioiien und Nationen? Die Gemeinschaft wurde önrd» den religiösen Inhalt nidit erst' aescbafsen sondern bestand icho-i vorher und lebte eigenyesetziich als bluts-. I‘P - iais-, fpradi- und lniidmiitzig geeintes Volk, t u trligiöse Idee gab vielmehr dem Volk vinn unv Rufgäbe und lietz es der C-esahi der Kmi.n" ratlon seiner Kräfte allein!m Kampf »m 81t i. Trotz aller .Anfeindungen nehmen die Vorbereitungen für die lvahlen zur gesetz. gebenden Versammlung in Errz Israel einen wachsenden Umfang an. * Der antijüdische üandelsborkott in Palästina wurde verschoben. * Der verband der jüdischen Jugendvereine in Deutschland errichtet ein Palästinadezernat unter der 'Leitung von Dr. A lfred Apfel. ■i Präsident Harding hat die. Palästina- Resolution unterschrieben. * Die ungarischen Universitäten wurden wegen antisemitischer Ausschreitungen geschloffen. * England übernimmt die Kontrolle über Finanzen und auswärtige Angelegenheiten in Mesopotamien. * Aegrpten verlangt Teilnahme an der Orient-Friedenskonferenz. __» » - *_ Besitz entgehen. Vas in der Ehora begründete und von den zu seiner authentischen Interpretation legitimierten Rabbinen weiter entwickelte Gesetz dient der Verknüpfung und dauernden Stärkung der Korrelation zwischen dem ..Körper" des Volkes und der ihm aufgegebenen religiösen Idee. Es verpflichtet alle Glieder des Volkes in gleicher weise und will dem ganzen Volke einen weg lhalachah von haloch gehen) zur religiösen Erkenntnis bahnen. Vie Sphäre cer religiösen Erkenntnis selbst, des sogenannte« ..Glaubens", ist der Gestaltung des Einzelnen überlassen Vas Judentum konnte in dieser Freiheit von vogmatik. Sakrament und Priestertum solange bestehen, als der Körper des Volkes selbst ungefährdet blieb. Diese Gefabr wurde etwa von der Mitte des 18. Iahrbunder'ts an akut. Das Gesetz und die bisher als individuelle Beziehung zum Rbsoluten bestehende Reliaiosität erhielten die Rufgabe zugewiesen. auch den quasi physischen Bestand des Volkes. d. b. die Tatsache des Judentums als einheitliche Gruppe von Menschen, zu garantieren und wurde so zur „Religion" verzerrt und verbogen. Vie Schicksalsfrage für das Judentum ist eie: wird es gelingen, die vedingungen wieder zu schaffen, die dem'Körper des Volkes das Leben garantieren und so die Religion zu befreien von einer ihrem Wesen widersprechenden Rufgabe: d.r Erhalt ung und nicht der Erfüllung t s Volkes zu dienen? Vas Iudeiituiii ist krank an allen <i .ecern. (Es gibt keine Gruppe, die mit Recht neu (ich behaupten dürste: „wir find die Gefunden, die ,.Rechtgläubigen". vielleicht ist es wahr, üatz nur „Schear jaschuw". ein Rest zurückkehren wird, aber'nicht an uns ist es. Vorsehung zu spielen und zu sagen, wie grotz dieser Rest sein wird und wer er sein wird. — Nein, „chotonu", wir alle sink abgeirrt. sind fremde Wege gegangen, wir alle müssen heimkehren, und es gibt nur eine Voraussetzung: die Liebe zum: jüdischen. Volke, und ein' Ziel: die schöpferische Erneuerung der jüdischen Gemeinschaft, wie sie seit dem Sinai durch die Ge-- schichte schreitet. Die Rufgabe der älteren Generationen ist es. die Unzulänglichkeit des bisheri-; gen Weges zu sehen, auf manche bisher teure Meinung zu verzichten, um der Jugend den Weg zu öffnen; es ist etwas grotzes um die Krinst desS« zichts und einsichtsvoller selbstloser Hilfe? Dte Rufgabe, der Jugend ist es. das zu tun. was ihr zukommt: Verantwortung für" das Schicksal des Judentums zu fühlen und zu ihm heimzukehren. Venn was den Rlten oft versagt, ist der Jugend gegeben: die Möglichkeit innerer Erneuerung.^ Rückkehr zur Heimat in geistigem und geographischem S i n n e. als Voraussetzung aber die Einheit der jüdischen Gemein-, scha f t. das wird oberstes Leitziel dieser Leitung sein, veshalb werden wir alles unterstützen, was der Schaffung eines jüdischen Krastzentrums iü Erez Israel, dem wirtschastlichen.unü geistigen Rüst bau Palästinas dient, deshalb werden wir Mitarbeiten an den Rufgaben der Erziehung unserer Jugend, auf der die Verantwortung für den Rusbau ruht, deshalb werden wir eintreten für die Einheit unserer Gemeinden, dtb die Voraussetzung für alle jüdische Laluthurbeit ist. und deshalb werden wir Kämpfen gegen alle Tendenzen und Strömungen, die mit satter selbstgerechter Ueberheblichkeit die- Einheit des Volkes zerstören wollen. Venn wir wissen: der Rusbau des -Judentums, wie jeder Sufbau. geschieht nur durd» Liebe, nie durch Hatz. So verderblich wie separatistischer Hatz im eigenen Volke, ist er es auch im Verhältnis unseres Volkes zu den Völkern der Welt, wir wissen um die mannigfachen Verknüpfungen unseres Volkes mit ihnen, sowohl unseres Zentrums in paläfttna. als aud; unserer Diaspora in den verschiedenen Ländern und Staaten. Wir Juden Huben immer in grotzer Liebe zur Menschheit unser Volk geliebt, an seine nationale Rufgabe und Sendung geglaubt. Wir werden unsere Sufmerksamkeit datum auf alle Fragen der Deltpclitik lenken, besonders soweit sie für Palästina wichttg sind, und unsere Leser durch Nachrichten und Rüfsatze darüber informieren. Wir werden ater aud> nicht Sbltinenz üben gegenüber den '.-regen des deutschen Volkes und Staates, mit den wir uns verbunden fühlen, und werden besondere den Kamps gegen den Rntisemitisinus aufnehn eii. den wir noch mehr als eine Sdunach für das dcutsdie Volk, denn als eine Beleidigung für uns einxfuideii. wir werden uns im jpezlelleii auch den Interessen der jüdischeu Gemeinde unserer Stadt widmen, nicht nur den gei-

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