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Neue jüdische Presse · 1922-09-07 · Heft 28 (7.9.1922) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 28 (7.9.1922)
Date
1922-09-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4%. *£ ■ Erscheint vierzehntägig. Bezugspreis proViertel-;ahr: Bei der Post abonniert Mk. 9.—, Sei der Neuen Jüdischen Presse Zusendung durch Streifband für I Deutschland Mk. 60.00. für Ausland 10 franz., 5 schweiz Frcs., 3 holl, gl., 6 Shilling. 2 Dollar jährlich, im Voraus - zahlbar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M, Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis JnfertionspreiS für diestebengespaltene Nonpareille-Zeile ' Mk. 12.— für die Reklamezeile Mk. 40.—. Platz» und Datum- Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Annoncen-BureauS. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. SV. Jahrgang. Donnerstag, Le« 14. Elul 5682 (7. September 1922) Nr. 28. Bo» der Zionistischen Jahreskonsereuz in Karlsbad. - Welzmanns Schlutzwort zur Generaldebatte. .„Ich wende mich an die von Fischer und De Lieme repräsentierte Opposition. Einen Teil dir Fischerschen Rede habe ich schon vor einem, vor zwei, twr, drei Jahren beantwortet, aber ich fürchte, dass wir auch in den nächsten Jahren über dieses Thema" werden sprechen müssen. Es wird ein legendärer Charter auf den Tisch des Hauses gelegt,' den niemand gesehen und den.nienmnd gelesen hat. In diesem Charter sollen gaiiz andere Dinge stehen als im Mandat. Ich bin durchaus bereit, dies Herrn Fischer zu glauben.. Aber der Unterschied zwischendiesem Charter und dein Maudät ist der, daß der.Charter nicht erlangt wurde und das Mandat da ist. Ich könnte-leicht, die glänzendste Konstitution für einen Judenstaat niederschrciben, der nicht existiert. Herr Fischer behauptet, daß die Zeiten anders geworden sind. Auch ich bin dieser Meinung, mrd eine Tatsache soll d'as illustrieren. Nirgends i» Herzls Schriften, auch nicht in seinen neuerdings veröffentlichten Tagebüchern findet sich ein Wort über die Frage, die heute fast das Zentralproblem der Belvegung ist, über die Arabersrage. Die Araber existierten zur Zeit Herzls politisch noch nicht. Heute gibt es sie. Es gibt ein Volk in Palästina und das wünscht das Vordringen des jüdischen Volkes nicht. Mit Unrecht, aber es ist eine Tatsmtie, mit der Sie, wir und die Staatsmänner Englands täglich zü rechne,: haben. .-. > - llnd nun komme ich zu dein allerwichtigsten Punkt, der die^ meisten Redner beschäftigt hat, zu dem Englischen' Weißbuch. Ich erkläre Ihnen hier feierlichst: soweir meine Person im Spiele ist, bin ich mit manchem Teil«? des Weißbuches ebenso unzufrieden wie Sie alle. Aber wirhaben es akzepli---, und ich für meine Person werde loyal das. halten, was ich mit meiner Unterschrift I bestätigt habe, bis eine Zeit kommt, eine politische Kon- I junktur, ävo es sich.ändern wird. Es wird nicht angehcn, >- daß Ihre ^Exekutive eine Unterschrift gibt, und daß Sie l diese Unterschrift desavouieren. Wir haben .diese Unterfschrist .schweren .Herzens gegeben, es war ein-schweres i Opfrr> Mlnd ich glaube,- wir haben' Recht - daran getan, I dieses Opför zu. bringen.. I Was den-Punkt der'Jm nti g r a t io n betrifft, sq I kann -ich nur wiederholen, daß wir genau so nnzu- I frieden fsind mit den -Bestimmungen wie Sie. Ichnnter» I schreibe-'sedes Wort von oer Rede Dr. Korngrüns, und I cs wird:-und soll unsere Ausgabe sein, diese Bestim- I mungen -zu ändern, soweit es in unseren Kräften steht. I Es genügt nicht, deklamatorisch zu werden, auch wir I wissen, wie notwendig die offene Tür ist. I Wenn Sie das Recht hätten zu sagen, die Exekutive I habe diesbezüglich nichts versucht, so, hätten Sie das I Recht, sG' zu rügen. Sie hätten auch das Recht, etwas I anderes M sagen, und das hat Herr De Lieme zur Hälfte I getan, zur andern freilich verschwiegen. Tic hättest das I Recht, und haben es auch jetzt, der Exekutive zu sagen, I sie hätte das Weißbuch zurücklveise» sollen. Wenn, ich I cs vorher gesagt hätte, hätte inan es für eine Drohung I genommen, aber jetzt darf ich sagen, die Zurückweisung des I Weißbuches würde für uns nichts weniger bedeuten, als I das Abbrechen der Beziehungen init der englischen Regie- I rung. WiH wenn wir so vor Sie . getreten wären: Wir I haben .gekchnpst. und "gekämpft und am Schlüsse haben > wir alles, ffvas in diesen Jahren gebaut» wurde, abge- > krochen, destchavir konnten dieses Weißouchl nicht akzeptieren. I Ich bin überzeugt. Sie hätten, uns schärfer,-gerügt, als I Sie es, jetzt, tun. I Es ist wahr, und diese. Wahrheit habe ich noch am I Tage nach der Bestätigung des Mandates in London ans- I gesprochen, daß das Mandat anders aussicht als das, I was das Judenvolk 1017 in die Deklaration hineingelegt »hat. Daran-ist irschts zu ändern, aber-dem gegemibee I gibt., es nur einciR unzerstörbaren Glauben daran, daß, I wenn man ' arb'csiet' -uno arbeitet, in Palästina eine Zeit » koinmen wird, , wo nochmals eine Möglichkeit sein wird, » dem .'Mandat seinen wirklichen Wert beizulegen. I Sie sagkxn, Herr Dt Lieme, wenn man den ökonomi- I schei: Aufbau Palästinas rationell leite und eine gesunde I Wirtschaft äusbaue,. werden die-, konkreten. Hositionen ge- » schaffen, ans die sich «die Politik stützen kanirtz- Grundfätz- » lich bin ich' damit einverstanden, nicht aber-damit, daß I die Positionen nurdann 'gut' sind, wenn sie nach" dem I Rezept bon Herrn De Lieme gemacht sind. Gewiß, wenn I man, Pessach machen will, muß man das Chomez aus- I räumen. Aber nicht Sie allein Herr De Lieme können »bestimmen, was Pessach und was'Chomez ist. " Herr De Lieme sagte, und das ist fast schon eine Banalität, man müsse neue Kreise Hera »ziehen, und dies könne man nicht, solange nicht die Wirtschaft in Palästina geändert werde. Auch ich habe eine gewisse Erfahrung in der Heranziehung weiterer Kreise ustd will nur-sagen, daß Herr De Lieme und seine Freunde uns bisher keine neuen Kreise gebracht haben. Sie haben die alten Kreise wesentlich geschwächt, um mich ganz milde auszndrücken, aber nicht eine einzige neue Person hereingebracht. Die ftehei: da, eine kleine Gruppe, die etwas propagiert, Recht oder Unrecht, ich will es nicht untersuchen, schwach, gelähmt, ohne Gedanken, ohne Schwung, ohne Personen, niemand.. Das -einzige, wozu Sie sich aufgeschwnngen haben, ist, daß Sie am Tage, wo die Zionistische Organisation in schwerstem Kampfe stand, urbi et orbi verkündeten und uns empfahlen, die Wasfen zu strecken und den nicht existierende» andere», die gar nicht bereit .waren, die Erbschaft anzunehmen, das zu übergeben, was wir erkämpft nild. erarbeitet hatten. Das war Ihrer Weisheit letzter Schluß, und das ist alles, womit Sie sich in' Zeiten schwerster Gefahr ausgezeichnet haben. Hier ist der Ort und die Zeit, auch das sestzunageln, wovon Dr. Jaevbsohn so milde gesprochen hat. Ihre Freunde haben in Paris unsere Arbeit ans eine schwere Weise geschädigt. Sic sollten vor das Tribunal der jüdischen Oeffentlichkeit und des zionistischen Gewissens gezogen werden. Als jene Fernstehenden sich so weit an uns genähert hatten, daß sie fast schon Mitarbeiten wollten, da kainet Ihr alten Zionisten, die sich auf ein Patent des politischen Zionismus von Herzt berufen und sagtet: „Mit diesen Leuten wollt ihr arbeiten, die das Geld verschwenden, die euch ins Verderben bringen?" Ihr habt die Arbeit, die wir mit Mühe und Not ausgebaut haben, mit Bedacht zerstören wollen. Eine Regierung kann sich gegen Sabotage wehren; wir aber haben keine Zwangsgcwalt, wir sipd schutzlos bis auf diesen Ort. Deswegen! ist die Sabotage um so schlimmer. Ich habe zu erklären: Wenn diese, Jahreskonferenz das Statement der Regierung, welches wir akzeptiert haben, nicht annimmt, so werden wir, wenigstens ich, die Geschäfte der zionistischen Bewegung nicht weiter führen. Zur Arabersrage möchte ich Ihnen noch eins empfehlen: Wir machen den Arabern zu viel Liebeserklärungen. Wir haben einmal unsere Politik erklärt- Wiederholungen konnten den Eindruck machen, daß wir es nicht ernst meinen. v . Herr Moreminsky hat eine ganze Reihe trauriger Illustrationen zur Regulierung der Immigration geliefert und Blenderungen gefordert. Gestatten Sie auch mir, ein trauriges und lehrreiches Bild zu geben. Seit acht Monate» haben wir die Ruthenberg-Kon Zession. Vorher haben wir uns beschwert, daß die- Regierung sie uns vorcnthalten hatte. Wenn Rnthenberg oder seine Gesellschaft schon sechs Monate gearbeitet hätte — und er könnte doch tausende von -Arbeitern beschäftigen! —, dann wäre die Jminigrationsfrage gelöst. Die Konzession steht aber auf den: Papier. Wir waren noch nicht imstande, fic_ zu einer Wirklichkeit zu machen. D a liegt unsere.s-chwäche, und ich könnte Ihnen noch eine ganze Liste voi: Dingen aufzählen, die wir hätten machen _ können, wenn wir dies und das gehabt hättech seit 25 Jahren will die Zionistische Organisation einen verzauberten Kreis durchbrechen, aber es ist ihr noch nicht .gelungen. Unser W o l l e n ' i st n n v e r g le i ch - lich größer als unser Können, und es ist die Kunst des Staatsmannes, zwischen Wollen und Können zu lavieren, um nicht — und damit sage ich das traurigste — der: Eindruck zu erwecken, daß wir nur eine leere -Fassade präsentieren, . hinter der nichts steht . . , Im Gegensatz zu den sogenannten politischen Zionisten glaube ich an das ^organische Emporivachsen des jüdischen Volkes -trotz aller Hindernisse. Das war der fundamentale Unterschied, der uns Immer getrennt hat. Die Deklaration und das Mandat erleichtern den Weg, und der Wert res Mandates ist noch außerhalb der rein zionistischen Erfolge der, daß das jüdische Prob lein aus einer-Winkelangelegenheit zu einem 'Weltproblein eWorld tu, daß das jüdische Volk anerkannt ist, und das ist e in. u n g ehe ur e r W e rt, der schon von selbst Zweige treiben und neue Perspektiven 'eröffnen wird, die sich unseren schwachen, mit der Alltagsarbeit beschäftigten 'Augen noch nicht offenbaren. - Heute weitere Etappen vorzuzeichnen, ist nicht meine Sache. Ich hin picht Dichter, nicht Prophet genug, um das tun zn künnen. Wen.» erst einmal 200 000 Juden in Pa lastin a se in werden, wird manche Formel -des Mandates sich von. selbst-wandeln. Die Erreichung dieses ^Zieles unsschwer 'zu 'machen, soll kein' Zionist wagen. Undwenn nyr die Zionisten ihr» Pflicht tun, nicht erst das Gesamtjudentum, wenn nur die Zionisten sich nicht ganz auf die Klugheit ihrer Leiter verlassen, dann wird dies es kleine Ziel erreicht, und wenn wir das noch erlebt haben, so wollen, wir weiter über das Mandat diskutieren. Beschlüsse. Boi: den Beschlüssen seien hier die folgenden wieder- -> gegeben: Der Zcittralrat erklärt, daßes der Wunsch der Zionistischen Organisation ist, daß die Jewish hl gelte l) das gesamte jüdisch e Volk repräsentiere. Der Zentralrat anerkennt die Einberufung eines j n - bischen Weltkongresses für den Wiedermisban Erez Israels als den Weg zur Verwirklichung dieses Prinzips und beauftragt die Exekutive als das Organ der Jewish Agency die notwendigen Schritte zur Vorbereitung dieses Kongresses zu unternehmen uitd bis Ende dieses Jahres dem Aktionskomitee Bericht zu erstatten,, um eine Wahlordnung vorzuschlagen. Eine Depesche des Iö». Nationalrates ia Palästina Die Kräfte unserer Gegner haben sich zu einer organisierten, umfangreichen und energische» Aktion gegen uns zusammengeschlossen. In diesem schweren - Augenblick sind , -die Aucstn des jüdischen Jischuw m:f Euch und Euere Beschlüsse gerichtet. Zersplittert^ Euch nicht in nebensächlichen Angelegenheiten. . Die Sicherung der Einwanderung und der schöpferischen Arbeit erfordern eine Konzentration Euerer ganzen Tätigkeit. Nur durch eine konzentrierte und geeinte Tätigkeit werden wir über die Anstrengungen all der gefährlichen Kräfte, die gegen uns sind, obsiegen. Waad Loumi, Ben Zwi, Mojuchas, Thon. DaS Schlutzwort Wetzmauas. Es ist jetzt nicht leicht, das Resultat dieser Beratungen festzustellen. Aber wenn man diese Konferenz vielleicht mit einem Wort charakterisieren will, so möchte ich 'sagen, sie war der schwierige Anfang einen neuen Einstellung. Ein Anfang, der durch ein natürliches Trägheitsmoment erschwert wurde. Wir sind uns alle bewußt, daß eine neue Epoche eingetreten ist, die neue Forderungen an unsere Kräfte, an unsere Fähigkeiten und sogar an unsere Traditionen stellen muß. Wir versuchten, dieser neuen Epoche gerecht zu werden: Wir sind mit diesem Prozeß noch, nicht fertig, aber wir haben die Ansätze gemacht, hlnd in diesem Sinne sind die -^Resolutionen zur Vorbereitung des Weltkongresses gefaßtworden, in diesem Sinne verstehen wir auch die schwierige und etwas peinliche Debatte über das Budget und die schwierige Debatte über die politische Lage. Wir suchten das Können und daS Wollen in Harmonie zu bringen. Wir haben es noch nicht erreicht. Es wird an der Arbeit der Zukunft liege», die Harmonie herzustellen. Wü: werden jetzt, der Schwierigkeiten bewußt- und dadurch, gestärkt, ins Volk hinausgehen und ihn: verkünden, was es zu tun hat, und daß die Antwort, die wir erwarten, würdig eines alten Kulturvolkes sein soll. Gerade heute, brachten uns Freunde ans Erez Israel betrübende Nachrichten, Nachrichten, daß die Kräfte, die sich uns in Erez Israel entgegenstellten, zu einer organierten Art des Terrors gegriffen haben und uns dadurch abschrecke n wollen. Wir sind nach wie vor tief überzeugt, daß nur ein kleiner Teil des arabischen Volkes uns feindlich ist, und wir erklären, daß keines dieser Mittel uns vom vorgezeichneten Weg, welches der Schicksalsweg ist, ablenken wird. Wir sehen den Schwierigkeiten mit vollem Bewußtsein und Ruhe ins Auge. Wir dürfen nichts anderes, als -unsere Kräfte und Anstrengungen verdoppeln und verdreifachen. Und nun gehen Sie hinaus in die jüdische Gasse, verkünden Sie das neue Wort und die neue Botschaft. Sagen Sie den Inden, es war noch nie eine Zeit wie diese, eine Zeit voll Verheißung und voll Arbeit, voll großer, schöner Arbeit.- Sagen, wir dem jüdischen Volk, daß wir wert und würdig sein sollen des Vertrauens, das uns die Besten unseres. Volkes und die Besten anderer Völker geschenkt haben. Und' ich schließe, indem ich die Hoffung und den Glauben ausspreche, daß es uns gelingen .wird, mit der Hilfe des alten, strengen.und gerechten Gottes dieses Vertrauen durch die Schaffung einer'Wirklichkeit zu rechtfertigen.. - Aus Sokokows Schlußwort. Wir bedürfen jetzt desallen jüdischen Geste»,' desjenigen, mit dem wir einst bcmten, als wir das erste, das klassische, das herrliche Erez Israel schufen, mit den fruchtbaren Terrassen und der großen hebräischen Sprache. Damals waren wir -konstruktio, und wir werden es miede»

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