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Neue jüdische Presse · 1922-08-03 · Heft 26 (3.8.1922) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 26 (3.8.1922)
Date
1922-08-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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&eue 2.' Neue Jüdische Presse Nr. 26 aparter, moderner Damengarderoben. aparter, moderner Damengarderoben. z. Zelt: Modernisierungen etc. in kürzester Frist. Reich« Auswahl in __ Sommerkleidern, Morgenröcken etc. Hans Nerqer, Hochstr. 26 pt. irgend welchen Zugeständnissen unsachlicher Art abhängig zu machen. Es besteht keine Knlturkmnpsstimmung, und ' es kann nur dringend davor gewarnt werden, eine solche Stimmung hervorzurujen! Insbesondere hat dgs gesetzestreue Judentum alles Interesse an dem'Verband, der durch seine Existenz allein, abgesehen von seinen Mitteln, den weiteren Verfall und Niedergang der Institutionen verhindert. In der Eingruppierungsfrage der Relrgionslehrer und Kultusbeamten hat jetzt der Verband Richtlinien veröffentlicht, die in ihrer Wirkung sehr weittragend sein werden. Die Lehrerschaft hat prinzipiell ihre berechtigten Forderungen erreicht. Es gilt nur noch die Durchführung im Einzelnen und für den Einzelnen. Wir find überzeugt, daß das in. weiterer Arbeit auch gelingt. Wenn man die jetzt gewordenen Dinge betrachtet, "ahnt man kaum, welch riescnj, große Arbeit zu bewältigen war, um das zu erreichen. Lassen wir uns dadurch, daß» noch immer im Einzelnen berechtigte Wünsche bestehen, die. Freude am ganzen nicht verderben, und seien wir nicht undankbar und ungeduldig und ungerecht. Wenn ' mit überall so gearbeitet würde, für die jüdische Sache wie im bayerischen Verbände! - Freilich soll nicht unterdrückt werden, daß es noch eine'Anzahl von Gemeinden, auch G r o ß g c m e inde n gibt, die ihren Beamten gegenüber noch nicht ihre Schuld-gkeft tun, oder die plötzlich vor ihrer eigenen Courage Angst bekommen und nun Bremsversnche machen: — es scheint doch etwas daran und manches faul zu sein im ... Man geht sogar mit dem Gedanken um, eine irgendwie unbequem gewordene Lehrkraft —' anderweitig sich .versorgen zu lassen. Hoffentlich werden all diese Dinge in aller Stillins Reine gebracht und wird dadurch der Gesamteindruck des Judentums in Bayern in dieser Richtung ganz einheitlich-jüdisch und sozialgerecht! . . ' Erfreulich ist es zu beobachten, wie die berufenen Organe eifrig und unentwegt am Werke sind, neben dieser mehr extensiven Arbeit vor allem die intensive für die Verinnerlichung der Jüdischk e i t, die V e rbreitung von Thora und Abad-ah keinen Augenblick außer acht zu lassen: Wir meinen die „Bay-r. Rabbinerko nferenz" und den „jüdischen Lehrcrverein in Bayern". (Schluß folgt.) Erez Israel. Der DemonftrationSftreik- ■ Der von den Arabern für den 13. und 14. Juli in Palästina arrangierte Demonstrationsstreik ist im ganzen Lande in größter Ruhe-verlaufen. Deutsches Reich. Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden (Berlin C. 2, Rosenstr. 2) dient den großen jüdischen sozialen Organisationen als Auskunft-- und Beratungsstelle. Aber nuck mit Gemeinden, örtlichen Zentralen und Landes-. verbänden ist ihre Verbindung eine rege. Gepflegt werden auchl die Beziehungen zu den großen interkonfessionellen Organisationen. Durch die Vertretung der ZWSt. in den einzelnen .Arbeitsausschüssen ist dafür gesorgt,, daß die jüdische Wohlfahrtspflege eine ihrer großen Bedeutung entsprechende Anerkennung findet, vor allem aber, daß eine unparteiische Behandlung der jüdischen Interessen gewährleistet ist. > In der inneren Organisation der ZWSt. sind gerade in. der letzten .Zeit wesentliche Acnderungen eingetreten, die aus eine Intensivierung der Arbeit Hinzielen. Der ständig wachsende Aufgabcnkreis bringt es mit sich, daß stick die einzelnen Arbeitsgebiete besondere Fachausschüssc gebildet weckden mußten. Einen ganz großen Teil ihrer Kraft widmet vre ZWSt. .in den 'letzten -Monaten den Vorbereitungen für die im Herbst in Aussicht..genommene Erziehungskonserenz, welche der Anstaltsreforin, der Berufs- . rufsbcratung, der Schäftung von geeignetem Erziehungspersonal und anderen wichtigen Fragen gewidmet werden soll. Es haben gut besuchte Vorkonferenzen in Berlin, Breslau, Leipzig, Elberfeld, Frankfurt a. M„ Hamburg und Vorarbeiten in Ukünchen stattgefunden, auf welchen die Teilprobleme gründlich behandelt worden sind und eine Fülle von Anregungen gegeben wurden, die in der Hauptkonferenz in grundlegenden Reseraten zusammengelaßt werden sollen. Gesellschaftsreise «ach Palästina. Die Palästinazentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Eschenheimeranlage 31, beabsichtigt die Vcr-, anstaltung einer Gesellschaftsreise nach Palästina. Abfahrt ab Triest: 20. Oktober. Aufenthalt 3—4 Wochen. Gesamtkosten: 50—60 Pfund. Mosdiiorei und Caf<§ Plu Ijan beiist ein Hohenzollernstrasse 18. Telephon: Hansa 985. Spezialität: Ananas-Törtchen und Pralines. Siovifttsche Rachrlchlen. London »Boris E o l d v e r g . Leiter des Finonzun.d ' Wirtschaftsdepartements der Zionistischen Organisation, ein. Führer der Chowcwe Zion und dann der zionistischen Laudesorganisation in Rußland, ist v e r s ch i e - den. Vor zwei Jahren übersiedeltc er nach Palästina und errichtete gemeinsam mit Johann Kremenetzky die große Ziegelfabrik „Silikat" in Jaffa. In ver letzten Zeit war er mit' der Gründung einer Zementsabrik in Haifa beschäftigt. — Jacob M o s c r, Ehrenbürger der Stadt - Bradford und ihr früherer Bürgermeister, ist —. 83 Iahte alt — verschieden. Moser, der in Kappeln (Schleswig) geboren wurde und sich 1883, ist Bradford ansiedelte, Wal: ein großzügiger Philanthrop und ein begeisterter Anhänger der zionistischen Beivegung. Für den Bau des hebräischen, Gymnasiums in Jaffa gab er 800 Pfund, dem Bezallel in Jerusalem zahlte er. jährlich 2000 Frcs. Personalien und kleine Mitteilnvge«. Berlin. Max Lieberma.nn. der Führer der Berliner Sezession, beging den 75. G e b uw t s.t a g. —' Hier ,starb ■ eine Tochter Giacoinö Meyerb'ce rs: nämlich Kornelie Richter, Witive des Malers Gustav Richter. „ Lemberg. Perez Hirschbein war gelegentlich der Erstaufführung seines Dramas ,L)fe grüste Wiese" durch die Wilnaer Truppe Gegenstand stürmischer Ovationen. Haag. Beim htesiaen Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds gingen im ersten Halbjahr 36 700 Pfund Sterling Spenden ein gegen 61 400 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. An dem Rückgang trägt zum Teil die erhebliche Verschlechterung der Valuta in verschiedenen Ländern Schuld. ‘ Krarttsurrer Berichte. Notizen Im T a I m ud - Thora - Vcrcin wird die volle Lerntätigtcit von Samstag, den 5. August, ab wieder, ausgenommen. Die Schiurim für Knaben nehme» mit Schulbeginn Dienstag, den 8. August, ihre» Ansaiig. - Eine Hebbel-Erinnerung. In einem Briefe des Dichters Hebbel vom. 18. Dezember 1856 an seinen Freund Emil Kuh, einen Juden, der sich. Am eine ^christliche Schauspielerin zu heiraten, hatte taufen lassen, heißt es: « „Zu der Hexausgabe Ihrer Gedichte gratuliere ich, dagegen verlangen Sie wohl nickst von mir, daß ich Ihre Ansichten über die Juden imlerschreibe, da Sie wißen, daß ich niich vor vielen Jahren mit einem christlichen Freunde auf lange entzweite, als er Aehnliches aussprach, und da Ihnen, früher mein Wort: „Der Jude ist gerade so schlecht wie der Mensch!" recht wohl gefiel. Und dann denke, ich zu groß vom Menschen, obgleich ich ihn wahrlich nicht überschätze, um nicht daran festzuhatten, daß ex die kleinen Hindernisse, welche die Rasse ihm allenfalls in den Weg legen mag, durch die kleinste sittliche Anstrengung übertvinden kann. Erwägen Sie diese Gedanken in. Ihrer ganzen Tiefe und söhnen - Sic sich mit Ihrer Nation wieder aus; es tut nicht gut, sich von dem Bo den los zu rei tzen, dem in an a n gehört, und ich sehe Sie nicht gerne auf diesem Wege." ’ Ostjüdischer Humor. „Was für ein Geschenk ivünschst Du Dir, mein Liebling?" ' „Etwas für den Hals, für die Ohren, für die Finger!" „Gern,. — da kauf' ich Dir ein Stück Seife." . * Ein reicher, aber geiziger Synagogenvorsteher erkundigt sich wohlwollend bei dem Borbeter, wie es ihm gehe. „Hätte, ich nur noch einen wie Ihr, könnte ich fein leben," erwiderte der Gefragte. ' , . „Wie meint Ihr das?" „Wie ich es sage. — Hätte ich nur noch einen.wie Ihr, dann ginge es mir gut; — leider aber sind sie alle, wie Ihr seid." ' König Salomo war sehr klug, daß er nicht als erster Mensch geboren wurde, denn aus der Rippe des ersten! Menschen wurde seine Frau gebildet, —doch Salomo hatte tauseich Frauen, und da wäre von ihnk nichts übrig geblieben. ' . „Jüd. Gaz." * - „Was eilst Du so?" „Ich will schnell zum Arzt; meine Frau gefällt mir heute garnicht." ' .„Da laufe ich auch mit; meine gefällt mir auch nicht." * Wenn ein Narr jschweigt, kann nkan ihn für einen Klugen halten. Aber kann er schwelgen? Ei« Geschäft erzählt von CH aj im Bloch. Rabbi Menachcm Nuchim von Tschernabol kam einmal in eine kleine Gemeinde; nur wenig Inden wohnten dort. Als er verlangte, yn die Mikwah -(Tauchbad) zu gehen, sprachen die Chassidim: ),Wir besitzen keine Mikwah/denn der Ort liegt auf einer Anhöhe, und man braucht eine große Summe, . um bis zur Wasserfläche. zu bohren, daß man eine idem Gesetze entsprechende Mikwah machen tonnte: die hiesigen Inden aber sind an» und können das nötige Geld, fast dreihundert Äknbel, 'nicht aufbringen." , Der Rabbi hörte zu und sprach , kern Wort' Erst nach einer ,-Weile sprach er: „Vielleicht findet , sich unter Euch Wocbenbett-Ansstattnngen Hugo Rothschild LangeatraBse/85. Telefon Hansa 9926. ein _ wohlhabender Mann, der .meinen Anteil an der zu» künftigen Welt kaufen würde? Dreihundert Rubel ist der Preis." - . - Do trat ein reicher Mann vor und sprach: „Ich'"kaufe des Rabbis Anteil an der kommenden -Welt." Er ecleglf’i das Geld, und der Rabbi fertigte ihm einen Vertrag aus, wonach er dem Manne sein ganzes Anrechpan die kommende Welt verkauft hatte. ' ' „Nun," sprach der Rabbi zu den Ehäftidim, „gebe ich Euch das Geld, und Ihr laßt seine Mikwah errichten." Literarische Rundschau. Jüdische Schauspielerinnen. (Zu den Gastspielen Irene Tri es ch s im Schauspielhaus und Maria Orskas im Neuen Theater.) Wir haben kein Drama, wir habeit keine Bühnenkunst, — aber wir (jaden Menschengestalter, in denen die volle Seele ihres Voltes Aufschrei wird und Tat. Sie reißen uns än einen Strudel unsres Lebens. Und dann geschieht es, daß ein Theaterabend uns Hineinblicke» läßt in die Seele des jüdischen Menschen: Wenn eine jüdische Künstlerin (wie Irene Triesch oder Mariq Orska) uns Wissen kündet um die jüdische Frau. Seif», wer eiiizudringei, vermöchte in die Geschichte der Jüdin,! könnte das Wesen des jüdischen Menschen erahnen. ) Die jüdische Frau — — — und da steht Ruth? Rahel, Beruria und Hanna, Judith und Snlamir —( »arte Demut, mütterlich - heldische Aufopferung, 'Ahnung ' ewiger Leidenschaft. Ein -berauschender Strauß. Immer) wieder umspannt und zusammengehalten vom Dienst a»E Werk: Mütterlichkeit. Wenn eine Frau, so vollendet sich' die jüdische ffi der Mütter; sie wiro wahrhaft -das Haupt/ das -Symbol der Familiengenieinschaft. Sie. umfaßt die Lebenskraft des Jude» und des Weibes, schließt sie zusammen i» durchgeistigter Lebensfüllc. Je weiter aber die Spannung vitaler Erkenntnis, uinso stärker die Kontraste^ So wird das Wesen der jüdischen Künstlerin von einer Polarität bestimmt, die nicht Mangel an Charakter ist, sondern höherer Reichtum. Bei solchem Kiinstlertum sind die Wahrheiten brennender, die Lügen gefährlicher. Neben die Reinheit tritt starre Farblosigkeit; neben Bftitterlichkeit: falsche Sentiiiicntalitär; neben Leidenschaft: Koketterie. ( Denn das ist die bestimmend: Linie: Ruth, die Jungfräuliche; Rahel, die Mutter; Sulamit, die Leidenschaftliche. Darum muß ich neben den Namen Triesch und O r s k a noch den Fritta Brod nennen, der wie Ahnung Zarten, wie Sehnsucht Starken. Dann. schließt sich der Kreis: Fritta Brod, Irene Triesch, Maria Orska v Morgenhauch — beracnde Mittaasstille Reiner, llarev Morgenhauch Gluthauch der Wüste. bergende Mittagsstille — Alfred Jacob. Moritz Heimauu: „Das Weib des Akiba" Ein Mensch, durch das geliebte Weib zu seines. Wesens Bewußtsein geführt, — ein Jude,, die Pfade der Lehre wissend und gehend, — ein Führer, eilt Aufstand gegen die Unterdrücker, mit seinem' Volk den Märtyrertod erleidend,. — — das sind die menschlichen, jüdischen, historischen Linien, die sich überschnciüeii in M o - ritz Heima u n s Drama „Das.Weib des Akiba." (S. Fischer Verlag, Berlin 1922.) Erzählt wird uns das Schicksal des Rabbi Akiba, des Menschen, des Lehrers, deS Aufrührers: den sein Weib führt zu stets tieferem Suchen und größerem Eriennen, bis er lwach wird zur Tat, reif zum Opfer. Erzählt' wird uns seine Geschichte. Und in bewegten Bildern tritt sie vor uns hin. Nie aber wird der Masse des Geschehenden eine eigene Sprache abgewonnen. Dies Leben bleibt eine einfache Tatsache, ohnedarnbey hinaus sich zum- Syinbol zu verdichten. , : Und wenn es künstlerische Absicht wäre, den Geschehnissen nicht so sehr 'Licht uno Schatten aufzüzwmgeii, daß aus ihnen ein Drama erstünde'? Um aber dafür Eines deutlicher zu machen: die Triebkraft, die' Akibas Suchen und Tun bestimmt — das Weib des Akiba? Gewiß, mit schöpferischem Blick, ist diese' Frauengestalt — und damit das ewig-jüdische Weib'— in ihren heiligenden Einwirkungen auf Vas Schicksal des Mannes gesehen. Es spricht ans diesem Gedanken des Dichters reiner und wahrer Glaube. Doch solcher. Glaube reicht zur Legende hin, nicht zum Drama. - Denn für das. Drama ist es ein Unding, wen» Antrieb und Tat getrennt sind; wenn der Geist gesondert und die Geschehnisse ihm nur illustrieren, .statt daß aus der Wirklichkeit der Sinn sich erkeniien ließe. So gilt für dies Drama, Ms der Dichter eiitinal über den jüdischen Aufstand aussprSht: Es ist sein Verderb, daß in ihm nicht .Herz und .Mind beisammen" sind. 'Die pndramatische Disposition der geistigen Kräfte ist der Grund dafür, daß keine plastifch-bäoegte Geschchenslnrve unser Miterleben heischt, daß kein einigender Blutstrom die Szenen, die in der einzelnen ^Situation oft starke Darstellung, zeigen, zum Ganzen zusontmenschließt. Ußd das Ganze, hält sich tlug, gepflegt und innig, aber unbe- .wegt von der Flamme großer Künstlerschaft. Sein bester bleibender Gewinn: Daß ein Mensch von wariner, iveiter Geistigkeit zu uns spricht Won jüdisch-menschlichem Schicksal und uns /damit tnanche Bewegung, manches Phaenomen jüdischen Lebens i in Geist und Politik verstcheit lehrt. , Alfred Jacob. Mfs IMand I-lWid Heiligung. Bergerstrasse 149. H. 4648. Mottenvernichtuna unter Garantie. "W»

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