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Neue jüdische Presse · 1922-06-22 · Heft 22 (22.6.1922) · p. Seite 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 22 (22.6.1922)
Date
1922-06-22
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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. Erscheint wöchentlicham Donnerstag. BezugLvreiSpro Vierteljahr: BeiderPost abonniert Mk. g.—, Sei der Neuen Jüdischen Presse Zusendung durch Streifband für 'Deutschland Mk. 80.00. für Ausland 10 franz., 5 fchweiz Frcs., 3 holl. Fl., 6 SHMng, 2 Dollar jährlich, km Voraus - zahlbar. - Mdattion und Expediiion: Frankfurt a. M., Langestraße r Fernsprecher Amt Hansa 2803 Herausgeber: Saly Geis JnferttonSpreiS für die fechSgefpaltene RonporeMe»ZeUe Mk.5.—, für die Reklamezeile DÜ. 15.—. Platz^und Datum» Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Stamm cen-Annahme bei der Expedition und in allen «zmoncen^Sureaus. — Konto Set , dem Poffcheckamt dr Frankfurt ci. M. unter Rr. 4884. M.Jahrgang. Donnerstag, -eo 26. 8ivvrui 5682 (23. Jnni 1922) 9lx: 22. Dir Ortsgruppe als Exponent der Gefamtbewegong. t 'Zü»i 25 j ä h r. I ü b i l ä unr> der Frankfurter ' Zi o u ist i sch e n Bereinigung. •§.' Bon Dr, R o b e r t W e i tz, ■■■■£ . '; (Schluß.) -• 4: - Wie ganz anders ist Wese» uno Struktur' einer. zionistischen Ortsgruppe von heute! Die historische Entwicklung I stellte-, selbstden! kleinste» Ausläufer der Weltbewegung vör politische und kulturelle Ausgaben, die unmöglich-non einem „Verein"'durchgesührt werden konnten. Daß aber, die^Ortsgruppen und auch unsere Ortsgruppe in der Hast deH'lehteil Jahre, keine Zeit zuiir Selbstbesinneu und dadurch keiKch Äiöglichkeit zu einer organischen, von Innen kommenden geistigen und formalen Umwandlung hatte, ist.die Ursache'so'manchen Zeichens der Stagnation. (Das Wesen der Gesamtbewegung hat sich völlig geändert. Massen des jüdischen Volkes irrten und irren von Land zu(Land, die Bolksteile in Rußland, Polen usw. leben 'in den denkbar drückendsten ökonomischen Berhältncsten? Amerika ist verschlossen, die Einwanderung nach Palästina. ist für viele Zehntausend.! fast die einzige Möglichkeit geworden; zu produktiver Arbeit zu gelangen. Dasist .'die.Peitsche, die unsere zionistischen Aktionen und Arheiten?antreibt, -die gewußt oder unbewußt,' von Führer und' Massenvon Gesamtbeweguüg und Ortsgruppen die größtmögliche Kraftanspannung erzwingt. Die politische, -wirtschaftliche, geistige Judennot war ja immer schon der Ausgangspunkt 'des. modernen, Zionismus gewesen, noch lniemäks aber war.diese Lösung eines Teils der Jüdenfrage lso aktuell, so. drängend wie heute. Inzwischen ist die «hebräische Sprachbewegüng eine geistesgeschichtliche Macht stgewordest, die auch im Westen von Tag zu Tag vorriickt, aber 4mcht riur diese, auch andere Unterstrvmungeu wachsen an, Mür Tausende int Osten ist der Zionismus'keine politische, teine wirtschaftliche,' keine sprachlich-kulturelle Angelegenheit,. I'er ist ihnen, eine religiöse Mizwoh, ein Gott gegebenes Ge- «bot. DaMringt anderes Bewußtsein und anderen Rhythmus »in den zivuistkschen Alltag. Und' der „erstarrte" Osten'? »Vir alle .'fühlen wie folgenschwer die Geschehnisse der lctzs tcu Jahre für die Geschichte des Orients'waren: Rußland! Aegypten! Indien! und Panarabicn! Das sind die politischen,''ökonomischen und geistigen Konstellationen, von denen unsere zioüistischb Arbeit-von heute eingerahmt wird, die Arbeit'der Gesamtbewegung und die'Arbeit der Ortsgruppe. 'i' , Da genügten schon , lcucge nicht inehr^ vereinSmößige IT lganisationSfornien. .Mit dein gigantischen 'Auwackseu der Izionisttjchen. Aufgaben. Nmßte das Gehaben der Leitung »sich '.dementsprechend ändern,..aberihr Wille zur großliormatigekl Arbeit und, Arbeitsgeste mußte notwendigerjwcise-xM staatsmäßigen Ambitionen. verzerrt werden, weil die. OrtMruppe»,. .auch linscrc. Ortsgruppe nicht mit' komil ten, weil has,Techpö zu rasch war, weil Sensation auf I Sensation - folgte', ' Aktion (auf Aktion, Sammlung auf ^Lamnrlung. ' ■ : Sv ist es also mit Wesen' und Struktur.der Orts- | gruppe :i nt Ker u eigentlich doch beim Alte», geblieben: sein paar Zionisten?(,chie sich kenneil". Ren ist aber die lübirgroße Zahl von/Mitläuscru, die nicht meh r w ie leinst'.durchdie (»gliche? Äg itationsärbe it ■ «iu n a ch de n kli che n Z.ioui sie n crz.o g e n werden. I Das Wachstum der Gesmntbewegüng vergrößerte Und ver-. I gröbeiste auch die politischen Difserenzcn 'innerhalb» des' I Zionismus. Die Ortsgruppen < gliedern sich' heute . ent» istrecheNd - den -Fraktionen des Kongresses, aber csist' ein' l bloßes-Aebeneinandei', kein Miteinander, nicht einmal ein iTegenerymider. Man. .hält einen Frieden ein, der kein IFriede ist, man geht ernsthaften, wirklich ernsthaste», Letzaufwühlenden Äuseinändersetz'ungen aus dem Wege, man wird so niemals in dxin Maße zueinander kommen, trotz aller Gegensätze eine liebende Einheit werden, eine palästinagcrichtete, jüdische Kolonie, wie sic konsequenter Weife jede Gruppe von Zionisten; die ernstmacheu sein sollte. Ernstmachen! Das ist die Mahnung, die der fünfnndzlvanzigjährige Gedenktag unserer Ortsgrirppe an uns alle richtet. Sich besinnen, sich sammeln und sich bereiten! Wie völlig anders ist der zionistische Rhythmus, die innigste Verbundenheit mit Erez Israel in Familien, die Kinder oder nahe Verwandte für Erez Israel vorberciten oder sie bereits hinnbersandten. Wie ganz anders wird unser Judesein, wenn , jeder Tag der geistigen und beruflichen Schulung für Palästina gewidmet ist. Das ist es, was die zionistischen Ortsgruppen, auch unsere Ortsgruppe, zu innerst verwandeln sollte: mehr sind wir als Agitationszentren, mehr sind wir als Sammelkassen, wir sind eine Bereinigung von Menschen, die bereit sind mit ihren! Worten und Entschließungen Ernst zu machen, die für sich- oder chre Kinder in dieser historischen Zeit der „Verwirklichung" jene Konsequenzen ziehen, die von jedem opferbereiten Jehudi erwartet werden. 'Wenn jeder Einzelne von uns. seinen persönlichen Zionismus intensiviert, wird auch, der zionistische Bereich der Ortsgruppe, extensiver werden, wird die Ortsgruppe'zu .einem geistigen Zentrum palästinagerichtetcr Menschen. Agitation und Selbstbesinnung gehen Hand in Hand. Verkiesung 7 und Ausbreitung: wir haben hier in Frankfurt mehr als genug Gelegenheit hier zu. Wollen wir das noch immer nicht erkennen? ' . > Die Gesamtorgaüisatiou Der Deutsch -Jsr. Gemein deb und schreibt: „Das deutsche Judentum-? das sich, mit einer noch nie dagcwesenen Begeisterung und Einmütigkeit - am 23 Januar 1921 im D.J.G.B. zu einer Gesamtorganifatioft znsammengeschlossen hat, hat ein Recht zu erfahren, wie es gekommen ist, das; es von der Einberufung Preußischer jüdischer Gemeinden zum Zwecke einer Organisierung durch den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde überrascht worden ist.! Die am 23. Januar 1921 vonk-Gemeindetag angenommene Pcrsassung ist am 19. 2. 21 der.Staatsregiermig mit de» Bitte um Genehmigung eingereicht worden. Das'Mitglied des Ausschusses des D.J.G.B. Dr. I s m a r Freund ist mit den Verhandlungen bei den Behörden zur Herbeiführung der Genehmigung betraut wordem An seine denr Ausschuß hierüber in jeder der vielen Sitzungen erstattete Berichte tnüpsie er den Ausdruck der Ueberzeuglmg, daß die Genehmigung in Kurzent zu erwarten sei. Am 9. 2., 1922 richtete der Ausschuß eine Eingabe an das Ministerium ftir Wissenschaft, Kunst und Volksbildung um Beschleunigung der Genehmigung der Verfassung. Der vom 10. April 1922 datierte, am, 17. April 22 eingegangene .'Bescheid. lautet: - „Auf die Vorstellung von; 9. Februar 1922' — O. VIT. erwidere ich ergebenst, daß die gutachtlichen' Aeußvrnngen der,'von. mir um. eine Aeußcrung ersuchten Ministerien zu dem in Rede stehenden Gesetzentwurf mir noch nicht, sämtlich vorliegen. Angesichts der mir soeben zugcgangenen Ausführungen des Herrn Finanz-. Ministers muh ich damit '.'cchnen, dast noch weitere Ver- Handlungen, mit den beteiligten Zentralstellen über den Gesetzentwurf selbst notig worden." - - In der Sitzung des Ansschnsscs vom 14. j. 22, in. der dieses ministerielle Schreiben bekannt gegeben wurde, äußerte :Dr.- Is-m a r'F r c n n d: „In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse für uns durchaus günstig." Der Ausschuß konnte jedoch diese' Auffassung nicht teilen und war der Meinrmg, daß die Gesaintorganisation endlich, ohne die Genehmigung der Verfassung. abznw'arten, auf Grund des Art. 1H7 de» Reichsverfassung ins Leben treten .müsse. Es wurde daher beschlosseii, dein in kürzester »Frist abermals ein-' zulierüfenden - 'Ausschuß , folgenden ^Antrag zur Annahme zn. enrpsehlen: - ' . „Der Ausschuß wolle beschließeil, nach - der Satzung dcs'Gemeiqdetages voyl 23. Januar 1921 &en Suhbe»=» - , tag einznberrisen. nirtz ihm als Tagesordnung die Stel» ' lüngnahme zum , Inkrafttreten der. Gdsämtorganisation vorzuschlagen." - . V-? Diese Sitziing sollte "am 11. - Juni stattfinden. > . Zwei Tage nach der'Sitzung vom 14. 5. 22 hat nun Dr. Jsmar Freund, ohne den Ausschuß zu befrag»»,^ über seinen Kops hinweg den Antrag beim Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde gestellt, die preußischen jüdischen Geineinden zum Zwecke einer 'Organisierung einzuladcn, . und der Vorstarrd hat diesen 'Antrag alsbald angenommen. Ob dieser sich hierbei bewußt war, daß. die' Gesoinrtorganisation damit in Frage gestellt wird,' mag hier »nerrötert bleiben." ' ' Verbauder jüdische« Jugendvcreiue DeutMauds. Die 5. Delcgiertentagnng des Verbandes fand am 5. iind tl. Juni in Bonn statt. -Die Berbandsvereine waren durch 279 Stiininen verrreten, außerdem nahmen teilweise über 1000 Gäste teil. ' Dr. Alfred 'Apfel, der Vorsitzende, bejahte-in semem einleitenden Bericht die Frage, ob der Verband auch die 'Ansprüche der jüngsten durch Krieg- und Revolution aujgewühlten Jugend befriedigen könne und solle. Wenn er den .Mut habe, eimrn handelnden, zu allen großen Zeitereignissen mit kraftvoller Initiative TtellungVnehmenden Bund unter der Devise: „Für ein einiges Judentum" zn bilden, wenn er gleichzeitig Führer finde, die ans beide Generationen anfeucrnd einwirken könnten, werde er zweifel- kos über die Schwierigkeiten, die heute alle Jugendbewegungen bedrohten, hinwegkommeii. Dr. Apfel führte weiter aus: Die jüdische Jugend nahm in verschiedenen Gruppierungen an der-allgemeinen Jugendrevvlu-»- t i o n teil und suchte mit ihr eine idealistische Gesinnung und lebensrcjormerisches Handeln. Sehr bald aber separierte sie sich. 'Anriscmitifchc, politische, pogroinähnliche Erlebnisse, vor allem aber die fast völlige Nmnöglichkeit, iicirgend einer außersozmlistischen -Partei oder Jugendbewegung als gleichberechtigte und freiatmende Menschen am: Ausbau Mitarbeiten zu können, die Abneigung gegen üiellntugend vieler .deutschen Jugendbewegungen,, sich fortwährend neue Ideale zn konstruieren, erweckte in ihr. das Verlangen, ans eigenem naturgemäßem Boden weiter.zu arbeiten. Und eines Tages kamen tausende von jüdischen Jungen und Mädels, wenn auch fiihrerlos, so doch in Reihe und Glied angezogen und pochten mit klovsendem Herzen an die Pforte des deutschen Judentums und sagten? zunächst zaghaft bittend, ja slehendlich: „Unsere Rot ist groß, ihr jüdischen Brüder, helft uns! So oft sprächet, ihr, von' den jahrtansead alten Wunderkräften des 'Judentums, so oft von der Heilkraft seiner Religion." Denn ihre religiöse Sehnsucht war unendlich, heißhungrig geradezu, "dem Drange der Zeit entsprechend. Wie die deutsche Judenheit in ihren „berufensten" Vertretern diese Jagend hat anssetzen lassen, wie es die aus letzterer Not zn ihr Kommenden erst vorsichtig zu etikettieren suchte, ob sie Zionisten oder Nichtzionisten seien, herbe Anklagen müßte man erheben. Der einzige Gustav Löffler war es, der cs als heiligste Pflicht empfauch dieser Jugend den Weg zu den Quellen zn bahnen, die sie suchte, und all unserem Sehnen und unserer WErnis Halt zu geben in eincknr Judentum!, das in ihm, in seinen, idealen Fonn als Extrakt reinstecr Menschentums lebte. Ganz wenige nur,' sie sind zmneist heute in unserer Mitte, unterstützten ihn: ' Diesen Verhältnissen ist es zuzuschreiben, daß der größte Teil der Jugend kopfscheu wurde, dann in Empörmig geriet, aus Führer hörte, die ihr' zum Teil Demagogie, zum Teil uuvcrdautr Philosovhie. die ihr mystisch-senti- . mcutalen Wortschwall und die Phrase vom „jüdischen Erlebnis" brachten, dann Führer über Führer abwars, und schließlich unter dein Schlachtruf: ,Hie Individuum — hie Gemeinschaft!" sich spaltete, wieder spaltete und unterspaltete. ' Unter starker Bewegung der Versammlung verabsckiedcte sich Dr. Apfel nach 17jähriger führender Tätigkeit von der Jugendbeweglmg: Kurt Zacharias-Bremen dankte ihm für sein Wirsen und es wnrde^cnit Begeisterung ein Vorichläg, eine Alfred Apfel-Spende zur sin anz iellen Sicherstellung des Ver" band es'zu errichten, ausgenommen. 43 000 Mark wuroen sogleich gezeichnet. . . \ Besondere Anteilnahme brachte inan der nun folgenden F ü h r e r.w ah L entgegen. Auf Vorschlag Dr,Apfels wurde mir großer Begeisterung Dr. Corä Deriin.e.r zu qeme». Nachfolgerin, gewählt? Die Wahl hatte jnsoferii ' noch? ein. Nachspiel, als. anwesende Vertreter» der Frank» fnrter'Orthodoxie ihrem Bedenken: Ansdruck gaben; ob es

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