Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 16 (26.4.1922)
- Date
- 1922-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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FrankfurterIsraelitisches Familienblatt Redaktion und Expedition: Frankfurt aM, Langestraße? Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis Erscheint wöchentlich am Donnerstag. Bezugspreis pro Vierteljahr: Bei der Post abonniert Mk. S.—, Sei der Reuen Jüdischen Presse Zusendung durch Streifband für Deutschland Mk. 80.00, für Ausland 10 stanz., 5 schweiz. Frcs., 8 holl. Fl., 6 Shilling, 2 Dollar jährlich, im Voraus zahlbar. JnsertionSpreis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile Mk.4.—, für die Reklamezeile Mt. 15.—. Platz-und Datum- Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Sknnoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Annoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. , 29. Jahrgang. Mittwoch, den 38. Mssan 5682 (26. April 1922) Nr. 16. Zwanzig Jahre Misrachi. Der MiSrachi, die Fraktion der auf dem Boden der Tradition des Judentums Fußende» innerhalb der Zionistischen Organisation, kann jetzt aus eine zwanzigjährige Tätigkeit zurückblicken. Er wurde kurz nach dem 8. Zionifteilkoilgreß, der Ende Dezember 1901 in Basel stattfand, infolge der Bildung einer demokratischen Kulturfraktion ans einer Konfereiiz in Wilna gegründet und zählte bereits ans dem i>. Kongreß, dem letzten unter Herzl, fast ein Viertel der anwesenden Delegierten. Im nächsten Jahre trat die neue Organisation mit einem Ausruf au die Oeffcntlichkeit, der zu einem alhgemcineu Misrachisteutag in Preßbnrg (Nngarn) ans den il>.—21. August 1004 einlud. Der Aufruf war unterschrieben von den Rabbinen: B. Abrantolvitz und Dr. P h. »lein»Rewhork, L. Don Jach j a-Sklow, R. Grün- Haus- Trok, W. I a >v i tz - Wilna, ü. Kowalski- Wlozlowek, I. I. 0, eines-Lida (Rußland), M. I. Epste in - Sheffield (England), Dr. D. F i n k - Wien (Oestcrr.), Eh. Geiern tc r-Kuth, G. S chin e l keS -Kolomea 'Galizien), L. M- Lan d an-Botojani, H. Falik-Foltircni, CH. L öbe l-Piatra, Dr. I. R acht -Forsani, C. I. S c g a l l - Husi, S. T e u e n - Verlad (Rumänien), M. A> Roth-Papa und Dr. R. A. N o b e lLeipzig In dcnt Aufruf hieß es: „Die Grundidee des Zionismus war zu allen Zeiten iiüt dem Dasein nnscrcs Volkes so eng und innig verwebt, dass sie bis auf den heutigen Tag einen sehr wesentlichen Bestandteil unserer Ideale bildet. Ist uns doch der Zionismus nicht bloß darum teuer, weil unserer Ueberzengniig »ach eine allgemeine ^Besserung unserer zerrütteten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse nur durch einheitliche «und zielbewusste Arbeit auf nationaler 'Grundlage zu er- Ireichen ist, 'sonder» in weit höherem Grade, Iveil durch Idic zionistische Bewegung unserem geistigen Leben ein Auf- Ischivilng ,uud der Seele der jüdischen Ration, d. i. der »..Thauro hakedaiischoh" das ersehnst gesicherte Wirkniigsfeld, Idie nationale Heimstätte, verheißen wird. Ganz labgesehen also von den zivingenden lvirtschaftlichcn und Ifonstigen Ursachen materieller Natur, die aus alle guten Ua'iden in gleichem Maße cinwirten, sollte diese Tatsache «inen jeden, dem der Tiefstand unseres religiösen, iLebens nahe geht, einem jeden, der Sinn und Interesse hat |nir das Ausblühen und Gedeihen der g r i st i g e » Güter emcs Volkes, . bewegen, den in unseren Tagen wieder nr Geltung gelangenden Zionsgedanleu f r e u d i g z » >c,gtüs;en. Und namentlich der orthodoxe, gesetzestrene zclmdi, er, der fast in jedem Augenblick seines Lebens, nif jedem Gebiete seiner Wirksamkeit es schmerzlich enivsiu- 'cn „i itf;, wie sehr uns eine Stätte nottnt, wo der Geist )CI' „Thauro umizivaus" in vollem Glanz erscheinen tonnte,!>R> gesetzestrene, jüdische Lebensführung nngehemnct von wuchtigcil' Ansturm fremder Lebens»,,schaumigen, iudischer Geistesrichtnngen und gefährlicher sozialer Strömungen sich frei entfalten dürste, — g e r a d e i h n müßte ta$i ideale Mvment gebieterisch mitbestiiiimen, den Zionismus, der die Wiedergewinnung unseres geheiligten l'andes fiir das jüdische-Volk bezweckt, zu seinem.unvelssuheclichen geistigen Besitztnwe'zu machen, gerade er niüßte I'ch der zionistischen Bewegung mit ganzem Herzen, und t'wzcr Seele , aiischließcn. I Wenn wir dennoch die beschämende Wahrnehmung' Wachen, dass weite Kreise auch der gesetzestrenen Jndenhcit »"bekümmert um die große nationate Sache sich dem Zwlisinns gegenüber gleichgültig verhalte», weiiit wir sehen, daß viele ihn ablehnen und manche ihn sogar nnverhohleiij bekämpfen, — so können wir das nur erklären, indein wir aimehmcn, daß sie die zionistische Bewegung nicht kennen oder verkennen. Denn gar manches wird für Zionismus angesehen, was nicht dazu gehört, gar vieles wird ihm zugeschoben, wofür er nicht die Verantwortnug trägt. Der Zionismus ist eine Volksbewegung und seine Anhängerschaft setzt sich naturgemäß ans allen Klassen und Schichten des Volkes znsammcn, somit auch solchen, die in einer traurigen, dem Z i o n i s m n s vo ra»gegangenen Zeit de»r Judentnmc und seinen Traditionen entsccmdet wurden und nicht auf dem Boden der gläubigen Gesctzestreue stehen. Begreiflicherweise suchen nun auch einzelne aus diesen Kreisen, ihre mitgebrachten unjüdischen Anschannngen mit dem Zionismus zu verbinden, sie schlecht und recht mit ihm,iii Einklang zu bringen und wo möglich auch geltend zu machen. Auf solche Weise wird in der „ösfentlichen Meinung" zuweilen als Zionismus ansgegebe», was dein jüdischen Gesetze und den jüdischen Traditionen widerspricht, — was aber in Wahrheit genau der Gegensatz von Z i o nis muS ist. ... Diesen! Ucbclstanöe abzuhelfen, haben sich in Rußland die gesetzestrenen Zionisten vereinigt und auf Basis des Basler P r o g r a m m e s einen Verband mit Rainen „Misrachi" gegründet. Die Ausgabe des Verbandes ist: als sestgesügte Organisationder gesetzestreuen Jionistenj den Staiidpniitt der Gesetzestrene innerhalb des Zionismus zu wahren und zu vertrete», die zionistische Idee in ihre« Reinheit zu pflegen und zu fördern, alles tlnjüdische, alles, ivas der heiligen Lehre und den jüdischen Traditionen nicht entspricht, - vom Zionismus fern zu halten, die gesctzcstrciia Jndcnheit für den ZioiiiSmns zu gewinnen und so allen Gesetzestrcileir Gelegenheit, zu geben, ihren heiligen Eifer und ihre Begeisterung mit ruhigem Gewissen in den Dienst des großen Werkes der zionistischeil Bewegung zu stellen ..." Die Prcßburger Tagung »ahnt einen guten Verlauf. Trotzdein mußte, der Misrachi bald eine schwere Krisis dnrchmache». Uneingcdenk seines kulturellen Charalters — darauf deutet schon sei» Raine, der eine Abkürzung von „Merchas ruchui", geistiger Mittelpunkt, bedeutet — hatte sich der Misrachi auf eine politische Formel, aus das Uganda- Projekt, festgelcgt. Ec hatte dies im Vertrauen auf Theodor Herzt getan,' — doch da die russische Jndenhelt, in deren Jntcrefse allein. Herzl das Uganda-Angebot' Englands in ernste Erwägung zog, jede Ablenkung von dem Palästina- Wege venvars, so wurde ein großer Teil der jüdischen Massen Rußlands dem Misrachi untren, und er zog sehr geschwächt ans den 6. Baseler .Kongreß ein.' FnZivischcn ereignete! sich ferner die russische Revolution, die auch einen Teil der jüdischen'Jugend revolntivnierte, — und auch dicses bedeutete eine Eiilbußc für den Misrachi. . Kurz vor dem Weltkriege hatte der Misrachi noch einmal eine Krise zu bestehen. U)L2 war in Kattowitz die .Agndas JiSrvel-O rganijation begründet worden, und diese neue Organisation nahm gar bald eine Kampsstellung zum Zionismus ei». Trotzdem sich innerhalb der Zionistischen Organisation nichts ereignet hatte, tvomit sie nicht hätten rechnen müssen, revidierten eine Anzahl ivesteurostäische Misrachisten ihren Standpunkt und traten der Agndas Jisroel bei. Doch traditionelles Judentum und Ziönislilus sind so unlösliche Teile des ungeteilten Judentums, daß der eine ohne den anderen Teil nicht bestehen kann. Jede Krisis des Misrachi kann daher nur eine zeitweilige sein. DaS zeigte wieder die jüngste Vergangenheit. Kaum war der Weltkrieg vorüberda erstand der Misrachi wieder zu. nnponierendSv Größe. Möge er aus seiner Geschichte gelernt haben, daß er eine Kultnrbewcguttg ist und in allen politischen Fragen keinerlei Fraktionszwang kenneii darf, vielmehr seine» Anhängern freie Hand lassen muß. Jüdische Diplomaten in Genna. Von jüdische» Diplomaten, die an der Konserenz -in Genua teilnehmen, sind zu »eitueu: R atl> e >iau, der deutsche Minister des Aeußern, Litwi» off und Josse von -der russischen Aburdilung, Malach, der griechische Fiiiaiizminister, Senator Artom, der Leiter der italienischen Pressesettion, Senator Lnigi Luzzatti, der Vorsitzende des Finanzkomitees Italiens', Treues, der Führer der italienischen Sozialisten, Oliv et r i. Sachverständiger Italiens für Fragen der Industrie,' Sir Philipp Sassoon von der britischen Abordliung und Glücks mann, der Sachverständige Dänemarks. Alle diese sind nur ihrem Geburtsschein nach, aber nicht bewußt Jude. Schanzer, der italienische Minister des Acutzern, ist auch nicht mehr seinem Geburtsschein nach Jude, seine Familie ist längst katholisch. Erez Israel. Verschiedenes. Die palästinensische Regierung hat der jüdischeii Kolonie Chedera alS Ersatzfür die bei dem arabischen tleberfall . im Mai 1021 erlittenen Verluste 3000 Pfund Sterling; nberwiesen. Der arabische Feldherr R i d a Pascha I l -R a k a b i, früher Gouverneur voll Dama-stus, ivurde zunr Regicrungs-- chef von Transjordanie» erilaiint. In arabischen Kreisen hat diese Aiaßnähmc große' Befriedigung he'rvorgcrufen. Anpflanzungen durch de« Jüdische» Natioualfouds- Der Jüd. Nationalfonds pflanzte in der Zeit vop Tischri 5680 bis Nissan 5682 in Palästina 751527 Bäume verschiedener Ülrtrn an. . Deutsches Reich. Allgemeluer Rabbiuerverband iu Deutschlaud. Der Zentral-Ausschuß. des Llllgemeineii Rabbinerver. baildes i>l Deutschland tagte in Leipzig. Nachdem der stellvertretende Sorsibende Baeck-Berlin des verstorbenen Vorsitzenden Nobel gedacht hatte, wurde Baeck zrmr ersten, Vorsitzenden und H o r o v i tz - Frankfurt a. M. und Köpfst e i N - Benthen zu stellvertretendeii Borsitzeilden gewählt. E s ch e l b a ch e r - Düsseldorf sprach über „Talmudische Dialektik". An das Referat schloß sich eine eingehende 'Aussprache an. Einen breiten Raum der Verhaiidliuigen nahmen die Besprechungen über die Mittel und Möglichkeiten ein, den Amtsbrüdcrn zu einer ansreicheilden Grundlage ihrer Wirt- . schastiichcn Eristeaz zu verhelsen. Wie Pie Hauvtvrrsammlnug im Mai. sprach sich auch diese Tagung dafür ans, mit allen Mitteln dafür cinzu treten, da stader Rabbiner in die Grnppen-Einteilung der atlgenielilen Ttaatsbeamteilbesoldilug eingestlist werde. Der Vorstand wurde ferner ernellt beauftragt, die auf der Hauptversnmmln.ig bereits erhobene Forderung mit Nachdruck zu vertreten, daß der 0,'abbiner den Sitzungen des Vorstandes und der Repräsrn- - tauten als ständiger Teilnehmer beiwohne. Zur Durchführung der wirtschaftlichen Forderungen des Rabbinerverbandes und zur Erstreitung gmistiger' wirtschastlicher Bedingungeil für die Lehrer und Kantoren wikrde ei» Zusammengehen mit den entsprechenden Verbänden gutgeheißen. Besprochen wurde ferner die Durchführung eines engeren Kontaktes mit den Provinzialverbäiideil. Der Zentral-Ausschns; wurde ergänzt durch dw Znwabl von Arthur Le v >, - Berlin, R e u h a ns -Leipzig und H o f f m a ii n - Breslau. In den Vorstand tvurden huizugchvählt: B l um e n t h a l-Berlin und Wrefchner- Homburg. U»s»r«. Abberufung des amerikautsLe« Sefandte«. Die „Wien. Morgenztg." schreibt: „Wir haben zn wiederholtqnmalen Beschwerden; über den Mißbrauch veröf-