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Neue jüdische Presse · 1922-03-09 · Heft 10 (9.3.1922) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 10 (9.3.1922)
Date
1922-03-09
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Sette 2 Die weiteren Sitzungen betrafen das Schulwesen und dieOrganisationsfrage des Nationalrates- Sodann wurden von der politischen Kommission Resolutionen über die Tätigkeit der Sejmfraktion -des Nationalrats und des jüdischen Ministeriums vorgelegt und ein Dankvotum beantragt. Nach einer längeren Debatte wurden diche Resolutionen mit 66 gegen 50 Stimmen angenommen. vrez Israel. Einwanderung im Januar. Im Januar sind insgesamt 979 Einwanderer in Palästina eingetroffen, von denen 600 in Haifa und 339 in Jaffa gelandet sind. 40 Immigranten haben den Eisenbahn- - weg über Aegypten gewählt. Lastpoftverkehr. Der palästinensische' Postmeister hat zwischen Palästina und Mesopotamien einen 'regelmäßigen Luftpost-Verkehr via Kairo eingerichtet. Frankreich und der Zionismus Der Unterstaatssekretär des französischen Kabinetts, M. Colrat, hatte mit Henri F. Braunstein, dem bekannten französischen Zionisten eine längere Unterredung über den Zionismus. Späterhin wurde Braunstein von General Gouraud empfangen, der sich mit chm über die syrisch-palästinensischen Beziehungen aussprach. Deutsches Reich. - Eine jüdische Ausstellung. Die Berliner Logen U. HD- B. B. (Berlin W> 62, Kleiststr. 10) sammeln gegenwärtig einen Garantiefonds von 1 Million Mark, um eine Ans stell u.ng: „Jüd. Kultur und Kunst in Vergangenheit und Gegenwart'" zu arrangieren. Die Ausstellung-soll umfassen: Religiöse Kultur. Die Synagoge:- Synagogenmöbel, Decken, Lauchen und Leuchter, Innen- und Autzenansichten, Schnitte und Grundrisse von Synagogen. Die- Tora usw.: Tora nebst Bekleidung und sonstigem ' reichen Schmuck. Hastararollen, geschriebene und gedruckte Bibeln. - Der Priestersegen: Waschgeräte für den Priester, Liturgiebücher, Abbildungen. "Das Gebet: Talith, Arba Kansas, Tefillin, Gebetbücher, Hcmspostillen. Das rituelle Bad: Bilder, die seine Benutzung früher und jetzt darstellen. Der Friedhof: Geräte zur Leichenwaschung, Totenkleiduttg, die Totenbrüderschaften und ihre Trachten, Friedhoss- . kunst, Grabsteine usw. Das Haus: Mesusoths und Btisrachs, Bilder alter Ghettis und typischer Häuser. Sabbath: Kiddusch- und Hawdalahgeräte, Sabbathlampen und -Leuchter. Pessach: Sedergeräte in größter Mannigfaltigkeit, Hagadoth, geschrieben und gedruckt- Schewuoth: Megilla Ruth, Wbildg. geschmückter Synagogen. Sukkoth: Lulow und Esrog nebst Behältern, Sukko, Koheleth, Abbildungen von Tekufoth (Prozessionen). Rosch Haschanah und Jom Kippur: Schofar, Weiße Kleidung, Selichoch, Bilder des Gottesdienstes. Chanukah: Lampen, Leuchter, Trendel. Purim: Megilla Ester, Purimteller, Hamanklappern, Bilder des jüdischen Karnevals. ' Beschneidung: Bank, Messer, Mohelbücher. Trauung: Chuppo, Gürtel, Ringe, Traubrief, Doppelbecher, Get. Chalizah. Profane Kultur. L-efsentliche Gebäude: Judentanzhaus, Judenrathaus, Jnnungsstuben, Gemeindehäuser, Erziehungsanstalten, Kranken- und Altersheime, Logen usw. Zünfte: Geräte und Abzeichen. Gerichtsbarkeit: Kerker, Pranger, Beth-Din. Schule: Bücher und Geräte. Trachten: Kostüme und Abbildungen. Hcbr. und jüd. Presse: Zeitungen, Druckstöcke, Bücher. Hebräische Münzen. Sammlung von Porträts jüdischer Personen, die in der Oessentlichkeit eine Rolle gespielt haben. Die deutsche« Juden tm Weltkrieg. Dr. Jakob Segall kommt in seiner beim Philo- Verlag, Berlin, erschienenen Arbeit „Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914/18" zu folgendem Ergebnis: 1 Zirka 100000 deutsche Juden haben am Feldzuge teilgenommen. 2. Zirka 80000 jüdische Kriegsteilnehmer sind an der Front gewesen, das heißt vier Fünftel Mer jüdischen! Feldzugsteilnehmer, und zwar nahezu gleichmäßig ist allen Provinzen und Staaten, haben vor dem Feind gestanden. 3. Zirka 12000 jüdische Kriegsteilnehmer haben die Hednat nicht wicdergesehen. 4. Zirka 35000 sind kriegsdekoriert, 23000 befördert" worden, darunter mehr als 2000 zu Offizieren. Frankreich. Salomou Reiuach und PniäMn«r- Salomou Reinach, der.durch seine Einflußnahme aus die Alliance Jsraellte Universelle und durch seine Bücher mit Recht stets als ein radikaler Assimilant galt, schreibt' in einem Briefe an den Journalisten Anoutin-Jarb lum: - , .Hundertmal haben die Palästinenser, die keine Zionisten sind, ihre Ansicht geäußert, die die mieinige ist. Die Neue Jüdische Presse. Juden der ganzen Welt, Freigeister oder Religiöse, hegen eine tiefe Zärtlichkeit "für das Land, von 'wo der jüdische .Gedanke unter den verschiedenen, religiösen oder'Laien- Formen seinen Aufschwung durch die ganze Welt, genommen 'hat, und wünschen Natürlich-, - daß die moralische, intellektuelle und materielle Wiedergeburt dieses kleinen Landes nicht ohne die Mitarbeit der direkten Erben des jüd. Gedankens vor sich gehe.'Es liegt darin-nichts, das einer Geltendmachung der Nationalität gleichkontmt. Es handelt sich um die Erfüllung einer Pflicht, die.nicht nur sentimental ist. Das Judentum der Diaspora, das heute das ganze Judentum ist, kann sich nicht an seiner historischen Wiege desinteressieren, ebensowenig wie das Christentum oder der Islam." . Rutzlärw. Sechs Moaate Gefängnis für Erfüll««« rer jüdische« Religio«! In Star ad ow wurde ein Jude, der trotz des Protestes seiner kommunistischen Verwandte an seinem Sohne die Beschneidung vornehmen ließ, von dem kommunistischen Tribunal zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. , Rumänien Kaudidate« für ras Parlament. ' (JPZ) Bisher wurden für die Kanüner 11 jüd. Kandidaturen angemeldet, die auf den Listen der verschiedenen, rumänischen politischen Parteien figurieren. Bloß in Bessarabien wurde eine rein jüd. Liste angemeldet, mit Rabb. Zirelsohn und Dr. Kogan-Bernstein an der Spitze. Griechenland. Die Regier««« «nH der Sabbat. Minister Rhällis hat in Erledigung einer Eingabe des Rabbinats von Saloniki verfügt, daß die Märkte von- Florina nicht mehr" gm Samstag stattfinden sollen. Verschiedene Proteste von Athener Kausleuten hat der Minister folgendermaßen beantwortet: Er habe die Märkte wieder auf den Mittwoch verlegt, well sie durch lange Zeit an diesem Tage stattgefunden haben und die illegale Verfügung, die Märkte am Sabbat abzuhalten, unter dem Regimv Venizelos' erfolgt sei: Die Regierung sei zu denk früheren Usus zurückgekehrt, um die kaufmännischen Interessen der Juden von Florina zu schützen. Als Minister eines' zivilisierten Landes habe er die Pflicht, den jüdischen Bürgern die Rechtsgleichheit zu garantieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, chre Geschäfte zu besorgen, ohne sie zu zwingen, gegen chre religiösen Pflichten zu verstoßen. Amerika. Glänzende Resultate der Keren Hajesfod-Kampague. Beim Hauptbüro des Palästinafonds »Jeren Hajessod" in Newyork gingen in der Woche vom 29. Januar bis zum 4. Februar 106 000 Dollar ein. Während Jabotinsky gegenwärtig in Newyork arbellet, haben .sich So ko low, Professor Marburg und Dr. Gal dst ein. nach dem Westen begeben und haben bereits von Los An g e l o s, wo sie mit einer Automobilparade empfangen wurde», mitgeteilt, daß dort bereits 100000 Dollar in Baar eingingen. Merkwürdige Szene in einer Kirche. In den Kirchen Amerikas ist es in.letzter Zeit ein beliebtes Thema geworden, gegen die Theater zu wettern. Einer der schärfsten Opponenten, Pastor Strato» in Newyork, verstieg sich an einem der letzten Sonntage in seiner Predigt zu folgenden Sätzen: „Seitdem so viel in den Theatern gespielt wird, schießt die Sünde üppig in die Halme. Es werden unsittlich^ Stücke gegeben, die weitab liegen von den iM Evangelium verkündeten Wegen. Und wein' haben wir all dies zu danken, liebe Freunde? Den Inden! Die meisten"Schauspieler sind Juden. Die meisten-Schauspielerinnen sind' "Jüdinnen. Die meisten Theaterunternehmer sind Juden. Diesem jüdischen Geist ist es zuzuschreiben, daß die. Schauspieler das Publikum ständig mit ihren Ehescheidungsskandalen beschäftigen.- Auf dem Gebiet' der Filmtheater ist die Situation dieselbe. Auch diese sind voll von Sünde, Sensationsskandalen von Blut . . ." William A. Brady, eine bekannte Persönlichkeit des Theaters, hatte den Geistlichen entrüstet schon während der Predigt unterbrochen. Er nahm nach Beendigung der Predigt das Wort und sagte: „Seine Hochwürden hat hier Dinge behauptet, die er nicht zu beweisen vermag. Sie sind auch nicht zu beweisen, weil sie unwahr sind. Es ist nnlvahr, daß die ineisten, Schauspieler, Schauspielerinnen und Theaterunternehmbr Juden sind. Das Gegenteil ist wahr! Neunzig Prozent der amerikanischen Schauspieler und Schauspielerinnen, einschließlich der Filmkünstler und -Künstlerinnen, sind Christen. Das weiß jeder, der sich inder Theaterwelt umgesehen hat. Die Hälfte der Theaterunternehmer sind wohl Juden, das ist wahr. Was die gegen das Theater erhobenen Anwürse betrisst, so sind diese ebenso unwahr wie die bezüglich der Konfession vorgebrachten' Verleumdungen. Es gibt schlechte und unsittliche Theaterstücke, aber der überwiegende Teil ist gut, und jeder anständige Christ kann sie ruhig ansehen mcd anhören." Redner-wandte sich dann gegen das unchristliche Vorgehen, die gesamte Schauspielkunst in- Bausch und Bogen": zu verleumden. I» den letzten 20 Jahren seien mehr Geistliche als Schauspieler wegen Sittlichkritsvergehen verurteilt worden, — und trotzdem fiel es keinem ein, die Geistlichkeit verantwortlich zu machen. — Pastor Straton;. .. . Nr. 10stand totenbleich auf der. Kanzel und sprach kein Wärt, und das Publikum schwieg in atemloser Spannung. - - D«S Land derFreiheit. An dev Spitze der Revisionskommission, die über das Schicksal der aus Ellis Island zurückgehaltenen Einwanderer entscheidet, steht sell einiger . Zeit der Rechtsamvült Karl George White. Seine erste -Tat war) dreihundert Angestellte, ausnahmslos Jude» und Katholiken, zu entlassen. IN den Verhandlungen wendet dieser Mann alles an, um den Rekurs jedes Petenten, der Jude oder Katholik ist, zurückzuweisen. Unter seiner Herrschaft find auf Ellis Island Selbstmorde und SelbsNnordvehsuche gewöhnlühe Erscheinungen geworden) Die Bemühungen, die Regierung zum Einschreiten "gegen White zu veranlassen, waren bisher vergeblich. Kurze politische Nachrichten. Budapest. ,Wilh elm 8 azjon yi, Dr. Ludwig Szabolcsi u. a. haben eine jüdische Einheitspa r t e i gegründet. Die neue Organisation will alle patriotisch empfindenden Juden Ungarns in chren Reihen vereinigen, um aus dieser Grundlage die Schaffung der gesetzlichen Vertretung der ungarischen Judmheit zu erwirken. Da die Bewegung von den neologen Kreisen ausgeht, ist. nicht wahrscheiMch, daß sich die orthodoxen Kreiseihr anschließen werden. Bukarest. - Major Marinescu, der während des Krieges Mitglied des Kriegsgerichtes war, erklärte in einer Wahlversammlung, es sei im Kriege von oben dv Befiehl erteilt worden, daß Juden ohne.jede Schuld verurteilt werden sollen. An einent Weihnachtstage seien mehrere völlig unschuldige Juden hingerichtet worden. lieber* diese Tatsachen werde er Dokumente veröffentlichen. Aus der „Agndas Jisroel"-Bewegn«g. Warschau. Auf der Schlußsitzung der Konferenz der Szlome Emune Jisroel wurde ein hundertköpfigev Zentralrat gewählt,.mit einem Präsidium aus 5 Chassidimrebbes, mit dein Gerrer Rebbe als Ehrenpräsidenten, und 5 Rabbinern mit Rabb. Schapiro aus Gliniany als geschäftsführenden Präsidenten. Da dieses die Ikebersiedlung Schapiros nach- Warschau nach sich ziehen müßte, hat sich dieser noch, Bedenkzeit ausgebeten. Die Wahl Schapiros erfolgt auf besonderes Verlangen des Gerrer Nebbes, da sich dieser nur unter dieser Bedingung zur Uebernahme der Ehrenpräsibentschaft bereit erklärte. Aus der Misrachi-Bewegung. Luzern. Die Ortsgruppe wählte in ihrer General» versaimnlung folgenden Vorstand: Dokow (Präsident), Leop. Bollag, Georges Braun sen-, J. Ser» z a r s ch und N. B e r l i n k a. Personalien n. kleine Mttteilnnsen. BreSla«. Von angeiebenen Persönlichkeiten der hiesigen jüdischen Gemeinde verschieden itt den letzten Wochen: Fabrikbesitzer Eugen Freund, Handelsrichter W i l« helmLasch, Fabian Liebes und I a k o b Kadle - inet, Vorsitzender der Maklerkammer. ■ - Hamburg Oberrabviner Dr. Spitzer dielt in der bis auf den letzten Platz besetzten Synagoge Bornplatz ein^4 Hesped auf Rabb. Dr. Nobel s. A. Frankfurt a. M. Die Rede machte tiefen Eindruck. Während des El-inole-rachachim-Gebetes setzte sich Oberrabbiner Dr. Spitzer zum Zeichen, der Trauer..zu Boden. ' - Chemnitz. Rabbiner Bllrm, der sich hier großer Beliebtheit erfreute, ist nach Emden als Landrab» biner berufen worden. Rabb. Blum amtierte früher in Posen und dann in Pleschen. . Hannover. Am 1b. März feiert die Israelitische Gartenbauschule Ahlem das 25jährige Amtsjubiläum ihres Leiters, Dir. Albert Silberberg. Ahlem, dieses in seiner Art einzigartige Institut für jüdische Bodenkultur und jüdisches Handwerk, von Alexander' Moritz Simon ins Leben gerufen, ist im Wesentlichen sein Werk, das er, allen Widerständen zum Trotz» aus eine iinponierendv Höhe gebracht hat. Ueberall in der Welt leben, ehemalige-: Schüler dieses Mannes, die durch ihre eigenen Leistungen Zeugnis von der Tüchtigkeit, zu -der sie in Ahlem' aus-, gebildet wurden, ablegen. »oostauttuopel. Der ncugewählte Verwallungsratderjüd. Gemeinde besteht durchweg ans' Zionisten. ~ Berp«a «Italien). Oberrabbiner Dr. D i se g n i wurde zum Oberrabbiner der fephärdifchen Gemeinde iN Bukarest berufen. : . . . - Jaffa. Schriftsteller, A. D. G o r d o n, der sogen „Großvater der Arbeiterbewegung" in Palästina, ist imDagania im Alter von 65 Jahren verschieden: Nach seinem Wunsche muß Trauerrede wie Nachruf innerhalb eines" Jahres unterbleiben. Frankfnrter Verichre. Persoaalie«. " Mathilde von Rothschild, die.Witwe des Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild, der in der treuen: Erfüllung des Thorawortes sein Ideal sah, feierte am 5. März den 90. Geburtstag. Ungeschwächt ist noch -die geistige Regsanrkell, hell noch das'Auge dieser Frau, in der Persönlichkeitswert lebt. ) Selber eine geborene: von Rochschild) hat sie die phi- > lanthropischen Traditionen des Rothschild'schen Hauses stets- .'gepflegt. Das Gumpertzsche Siechenhaus, das Jsr. Alters-

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