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Neue jüdische Presse · 1922-02-16 · Heft 7 (16.2.1922) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 7 (16.2.1922)
Date
1922-02-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-tr. 7. 4keue Jüdische Presse. Serie 5 Simon schwß hieraus, die Ameisen lebten in Anarchie. Ada best, Rgba wandte ihm. aber ein, seine Beweisführung sei nicht genügend gestützt, doch die Glaubwürdigkeit Salomos, in dein göttlicher Geist lebte, müsse ihm genügen. Die Weisen hatten auch die Ehrlichkeit der Ameise gerühmt. Keine Ameise verläßt sich .in der Arbeit ans die andere,, um sich dann, — wie es ja leider unter den Menschen geschieht — durch List oder Gewalt ihren Anteil an der Nahrung zu verschaffen. Auch hiervon wollte sich Timon überzeugen, und er beobachtete daher lange und aufmerksam ein Ameisenvölkchen. Da sah er, wie einer Ameise von zwei Weizcnkörnlein eines entfiel. Die nach, ihr kamen, rochen an dem Körnlein und ließen es liegen, und nachher kam die Eigentümerin zurück und holte es. „Wahrlich/' rief Rabbi Simon, „die Weisen hatten recht, als sie sagten, der Mensch könne von den Tieren vieles lernen!" Mein Volk. Mein Volk ist alt und jung zugleich. Ich bin ein Kind desselben. Was geht mich an das Bölkerschrei'n? Was geht mich an ihr Schelten? Ich tiiir' es wie des Windes Hauch, Mein Gott, er läßt mir sagen: „Dein Volk ist alt und jung zugleich, , Du brauchst nicht zu verzagen!" Schon viele Völker hat Dein Gott Mit stillem Schlaf umgeben. Nur schwärt;, noch ihre Stinnne tönt. Nur Du bist >»ng anr Lebe». Es. kommt die Reihe auch an Dick;,. Dein' Sonne leuchtet blitzend. Dein Volk ist alt und jung zugleich, Sich auf den Glauben stützend. Gott bringe uns in unser Land, Zu Glück und Ruhm wird Frieden. Es geht das Licht vom Osten auf. Nach Westen, Norden, Süden. G d a l i a Tat.' ■') Verfasser in ein vierzehnjähriger Knabe aus Bialoswl (Polen, D. Redakt. Literarische Rundschau. Der Jude. (Eine Monatsschrift. 6. Jhrg., 4. fycft. Berlin, Indischer Verlag,. ' SalmanRubaschow schließt seinen Aufsatz: „D t e privatwirtschastliche Kolouisation i » Paläst i n a" mit folgenden Worten: „Jeder jüdische Privatunternehmer, der nach Erez Israel als Privatunternehmer .kommt, mag er die ehrlichsten Absichten haben,' schwächt die jüdische Kraft im Lande, drückt das soziale und kulturelle Niveau des Jischuws herunter und schließt hinter sich die Tür für die arbeitsuchenden jüdischen Einwanderer. Die jüdischen Volksmassen, die ruhig zusehen, wie mit dem Volkskapital eine Kolonisation gegen ihre Interessen durchgefiihrt wird, sind allein dafür verantwortlich, daß ihre Besreiungsmöglichkeiteir systematisch vermindert werden; die zionistisch: Politik, die ein solches Arbcitssystem unterstützt oder zu seiner Unterstützung ' aufruft, widerspricht sich, selbst. Die privatwirtschastliche Kolonisation auf Ausbeutungsgrundlage steht in jeder Hinsicht in diametralem Gegensatz zu der jüdischen Erlösung." M a r g a r e-t c S u s m a n n bespricht eingehend Franz Rosenzweig „Der Stern der Erlösung". Auch von /diesen Ausführungen seien die Schlußworte miedergegeben. Sie sagt: „Vernimmt man das Wort, chaß nur der gläubige Mensch heute philosophieren dürfe, so weht es einen trog allem wie eine wahrhafte Lösung und Erlösung aus der Not dieser unserer Zeit an. Denn es ist ja die lebendige Wahrheit, im Gegensatz zur Gedankenwahrheit, die Rosenzweig wieder zur Ossenharuug hin treibt; — und wo wäre lebendige Wahrheit/jemals für den Menschen zu finden als im Glauben? Wie immer man sich zu ihm stellen möge: dies Buch, geschrieben im Angesicht des Todes und mit dem Blick auf Gott, entschleiert in ihren Tiefen die todwunde, machtvoll ihrer Genesung entgegenringende Wahrheit unserer Zeit." Die anderen Arbeiten des Heftes sind: Zur Klärung (Martin Buber), Magyarische Judenprosile (Paul Amaiiii), AuS dem religiösen Leben der Ostjuden (S. Rappaport), Briefe eines Verschollenen (S. Eisenstadt), Die Linke (S. Katzenelsonh Poppcr-Lhnhaus (Fr. Thieberger). Jedem das Seiuige. Roman von M. Vulvermaun. (Fortsetzung.) „Mir hat sie keinerlei Gründe angegeben: sie * hat mir nur die nackte Tatsache mitgeteilt. Wenn eS Sie aber unter diesen Umstünden ein wenig beruhigen kann, sollen Sie die Versicherung mit sich, nehmen, daß Sie gegen 'meine Nichte wie ein Edelmann gehandelt, daß Sie darum keiner-, lei Schuld trifft." ' „Wenigstens habe irtv es immer versucht," sagt dieser einfach. „Für mich ist die ganze Sache edenfo ei» Rätftk, wie es für Sie zu sein scheint," sprach, der Alte weiter und fuhr sich mit der Hand über die Augen, „darum möchte ich mit meinern Urteil zurückhalten, bis ich etwas Bestimmtes erfahren habe. Was aber auch daraus entstehen mag, so wollen wir doch versuchen, freundlich von ihr zu denken. Ich bin fest überzeugt, daß fiel den verzweifelten Schritt unternahm, weil sie in ihrer Bedrängnis keinen Rat und keinen ander» Ausweg wußte. Vielleicht, daß sie durch dieses oder jenes zu der Ueberzeugung gekommen war, daß ihre Heirat ein Mißerfolg war, und daß sie darum diesen außergewöhnlichen Schritt unternahm, um den Irrtum zu bcreitigen. Mt dieser Entschüdung werden auch Sie sich abzufinden haben." „Was sonst könnte ich dabei tun?" rief Klaßner erbittert. „Was aber soll mit dem Vikar geschehen? Mir dem Diener- Gottes, dessen Berns es ist, den Bund der Ehe zu weihen und zu heiligen?" Der Alte antwortete nicht, und als Klaßner seinen Hut nahm, machte er auch keinen Versuch, ihn zurückzuhalten. Auf der Straße fragte sich Klaßner ingrimmig, was er eigentlich bei' diesem Besuch gewönnet! habe. Eine gerichtliche Scheidung zu beantragen, wie der Alte eben andeutete? Darauf wäre, er wohl allmählich von selbst gekommen! Doch, nein: etwas hatte er doch dabei geivonirin: das Bewußtsein verwerflicher Selbstüberhebung. Das hat ihm der alte Mann gezeigt, der nicht nur in seinen ver- .wandtjchasllichen Gefühlen, sondern auch, durch die Hand- 'tnngSwcise des VikarS, in seinen religiösen Empfindungen sich tief verletzt fühlen mußte — und dennoch eine ruhige, abwartende Haltung sich bewahrte. Oblvohl auch sein Herz bei dem Unglück brach, blieb er trotzdem' gefaßt und ergeben. Selbst in seinem eigenen Hanse, selbst seiner eigenen Frau gegenüber maßte er sich vollständig zu beherrschen. .Klaßner nahm sich vor, sich ebenfalls dieser Eigenschaft zu befleißigen, was auch über ihn verhängt sein mochte. Unter allen Umständen müsse er sich Ruhe und Selbstbeherrschung bewahren! Sein Blick traf setzt zusätlig das gegenüberliegende Mahlowsche Haus, und ihm kam der Gedanke, gleich eine Probe 'seiner Charakterfestigkeit adzulegen. Bald stand er am Hause, aber die Heftigkeit, mit der er die Glocke zog, machte es ihm' klar, daß er bisher noch wenig Grund hatte, auf seine Selbstbeherrschung besonders stolz zu sein. Eine Minute später stand er Alieo gegenüber. Ihre unverhohlene Ueberraschung bei seinem Anblick erregte ihn noch mehr, als es für seine Absicht gut war. Warum ist sie denn nicht selbstbeherrscht und versucht, ihr Erstaunen zu verbergen? Wie darf sie bei einem Ereignis Unwissenheit portäuschen, wo sein Herz zerrissen, seine Seele zerschmettert war, wo «in tausendfacher Schmerz sein Inneres zerwühlt? — — Unwissenheit Vortäuschen! Er klanrmerke sich an diese Phrase, die ihn auf einest neuen Gedanke» brachte. Vielleicht gelingt es chm, hier etivas Bestimmtes zu ersahren. Er schien alle Fähigkeiten der Ueberleguug verloren zu haben, und anstatt der Selbstbeherrschung geschah bei ihnt jetzt alles sprunghaft. impulsiv und launenhaft. Ehe sie ein Wort sprechen konnte, stieß er hastig die Worte hervor: „Waren Sie auch bei der Verschwörung beteilig-?" „Ich verstehe Sie nicht, Herr Klaßner." Sie blickte ihn verwundert an. Er war, sofort von ihrer Unkenntnis überzeugt, aber ' anstatt zu beschwichtigen, regte es ihn noch mehr auf. Sein Zorn flammte noch gewaltiger aus. da er nicht einmal - einen Sündcnbock finden konnte. „Meine Frau ist gestern niir dem Vikar Stromer durchgebrannt! Eigentlich dürfte ich dieses gemeine Wort bei solchen chrciiwerten. hochachtbaren Leuten gar nicht aaweiideu," fuhr er mit heiserer stimme fort. „Ich glaubte, daß man Sie dabei ins Vertrauen zog." Alice erbebte, doch äußerlich zeigte sie sich ruhig, als sie sprach: . „Ich danke Ihnen, daß Sie wenigstens inir gegenüber nicht auch so ein gemeines Wort anwendeten. Sie hätten ja ebenso gut .Zwischenträger' oder. gar .Knvvlerin' sagen können." (Fortsttzung folgt.) Wocheu-KaleuLer. Sam-nag, 18. Februar (20. Schwat». Sabbat-Anfang in Frankfurt 5 Uhr 20. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 6 Uhr 35. Wochenabschnitt: Iisrau. Auswärtige Faruilieurrachrichteu. BarmizwoS. David Frand, Schützenstr. l, Synagoge Frredb. Anlage, Harry Batt, Gr. Eschenheimerstr. 39a, Synagoge Börneplatz. Gestorben. Henriette Lilienfeld Wwe., 68 I. — Alice May geb. Bloch, 28 I., Oberiveg,27 — Karolinie Gottselig geb. Vulkan, 70 I., Jahnstr. 33 — Ernst Wertheimer, 57 I., Eckcnheinrerlandstr. 72 — Nathan Leib Mingelgrün. 57 I. Frankfurter Familie«« achrichteu. Gestorben. Moses Rosenbaum. 60 I., Cassel — Ida Rosenheim geb. Reinach, 72 I., Würzburg — Edwin Bendheim, 37 I.. Darmstadt — Grete Mannebach geb. Salomonson, 39 I., Beverungen — Friedericke Rothschild geb. Bloch, 90 I,, Krefeld. — Gerson Strauß, fit I,, Mainz. Spende«. Bei der Nationalfondskommrssion (Jjaac Heimairn, Postscheck 41 441 Frankfurt a. M.) gingen ein: Rabb. Dr. N. A. N vbel-G e dä chr n is » H a r«. Adolf Dorfzaun 8 Bäume 200.— -H- David Hamburger 2 Bäume 50.— „ Franz Rosenzweig 10 Bäume 250.— „ Martin Levigard 10 Säume 250.— „ Julius Michels 8 Bäume 200.— „ B. K. 4 Bäume 100 - „ Otto Dreckisker 2 Bäume 30.— „ Spendenbuch. B. Baumrrtrer. Thomosiusstr. 4. ant. Bar Mizwoh f, Sohnes Mar 100 M 'Nathan Gans anl. Geburt des ersten Enkels zur Bris Miloh 50.— .M N a t i o ir a l fo n d s. Joses Knapeis 109.— -A Moritz Steigerwald ant. Iahrzeit 50.— „ Familie Ptafchnik anl. Geburtstag P. Bamnritter l. Baum 25.— ,/& ’Brieflaften R. Bon Moses Mendelssohns Kindern ließ sich der ältest-: Sohn Joseph nicht taujen. Auch dessen Sohn. Kommerzienrat Alexander, Mendelssohn, blieb noch Jude, führte aber seine Kinder bereits bei der Geburt der,Taufe zu. — In ben ,60er Jahren gab es in Deutschland drei Juden, die ordentliche Professoren waren: den Mediziner Traube in Berlin» den Mathematiker Stern in Göttingen und den Philosophen Weil in Heidelberg. 4- A. Rubinstein Uhrmaoher u. Goldarbeiter 59 Allerheiligenatraaee 59 Waadährea :: Taschenuhren :: Wecker Reparaturen in eigener Werkstättezu bekannt bill. Preisen Tüchtige, zuverlässige SSuglingspf leger in >kür Frankfurt am Main gesucht. Arbeitsnachweis der Weibl. Fürsorge, Langestrasse 30. 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