Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1922-02-02 · Heft 5 (2.2.1922) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 5 (2.2.1922)
Date
1922-02-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2693277-2693282--11746-2707242
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

kette 4. Neue Jüdische Presse. Nr. 5 Randbemerkungen. > „Als Vorsitzender des „Allgemeinen Rabbiner- Derbandes", führendes,Mitglied des „Misrachi" und fast aller religiös neutralen Verbände, noch mehr aber in. seiner amtlichen Wirksamkeit als Gcmcinderabbiner war er durchaus von dem Bestreben geleitet, den Gegensatz zwischen dem, was einem S. R. Hirsch wie Ja und Nein, wie.Wahrheit und Lüge erschien, in einen bloßen Nüancen-Unterschied auf gemeinsamem geistige»! 'Grunde aufzulösen, und er war in der Tat zu dieser Mission vermöge der inneren Problematik seines religionsphiloiophischen und halachischen Denkens die berufene Persönlichkeit. Daß daruin diejenigen Kreise der Orthodoxie, die 'den Gedanken der Absolutheit der überlieferten Lehre und der daraus fließenden organisatorischen Souveränität des Thorawillens. Hochhalten, die Lebenswirksainkcit des Heimgegangenen im letzten Jahrzehnt bekämpfen mußten, ist begreiflich." Gegen diese Aeußcrung in dem Nachruf des „I s - raelit" über Rabbiner D r. Nobel sann nicht schärf genug Verwahrung eingelegt werden. Es wird hier nicht weniger behauptet, als, den Anhängern der Gemeinde- Orthodoxie und des Misrachi bedeute der Unterschied! zwischen dem aus der Offenbarung süßenden Judentum der Tradition und dem sogenannten liberalen Judentum, dem Judentum der Reform, nur ein N ü a n c e n - U n t e r s ch i c o. Wir halten cs für unverzeihlich, zwischen der selbstständig organisierten Orthodoxie einerseits und der Gemeinde-Orthodoxie und dem Misrachi andererseits einen prinzipiellen Unterschied . in der Erfüllung der Thora zu konstruieren und die letzteren zu Orthodoxen zweiten Grades zu degradieren, wie es hier geschieht. Gemeinde-Orthodoxie und Misrachi sind sich ihrer prinzipiellen Gegensätzlichkeit zu den antiorthodoxcu Richtungen nicht weniger klär bewußt als die selbständig organisierte Orthodoxie; ivas sie von dieser scheidet, ist die politische Anschauungsweise, ist die Beziehung zur Gesamtjudenheit, die ausrecht zu halten, ihnen jüdische Pflicht erscheint. Es ist etwas Fürchterliches um den Standpunkt eines Torquemada, der den Andersdenkenden nur zu verbrennen, weiß. Sind nicht Tausende und Abcrmalstauscnde. die sonst in dem Meere des Indifferentismus und der Assimilation verloren gegangen wären, durch den Zionismus mit ihrem Denken an das Judentum gebunden worden? Wieviele schöpferische' Begabung allein hat der Zionismus dem jüdischen Gedankenkreis zugeführt? Wir erinnern, um nur aus den letzten Jahren einige Namen heranszugreifen, nur an Arnold und Stefan Zweig, Max Brod, Beer-Hofmann, ganz abgesehen von den Rainen östlicher Provenienz. Gibt es ferner nicht auch, unter den Liberalen ehrlich um ihr Judentum Ringende? Und ist es nicht richtiger und größer — wenn auch nicht bequem, i,n Gegenteil sogar höchst schwierig-und aufreibend-—, zu all diesen Menschen zu gehen und ihnen zu sagen: Brüder, ihr sucht das Band, das die Enkel wieder mit den Vätern verknüpft, laßt mich euch zeigen, was das Denken der Väter war! —‘ Also tat Rabbiner Dr.' Nobel; also wollen es alle die, die mit Bewußtsein' Gemeinde-Orthodoxie und Misrachi angehören. Literarische Rundschau. Gabe, Herr« Rabbiner Dr. Nobel zum 50. Geburtstag dargebracht. (114. Seite» und eine Photographie. Verlag von I. Kaufmann.) Das Prinzip dieser Festschrift mag zunächst eigenartig anmuten. Ihre Anordnung geht nicht von einem objektiven A. Unfeinstem Uhrmacher u. Goldarbeiter 59 Allerheiligenstrasse 59 Wandnhren :: Taschenuhren :: Wecker Reparaturen in eigener Werkätätte za bekannt bill. Preisen zeii »9 Cafe Spiegel »•« Restauration nach Wiener Art. "t/w Renoviertes, vornehmes Lokal. ia Speisen, Gebäck und Getränke. : Telefon Hansa 9607.: Nlazzos-Bestellungen nimmt entgegen nnd sichert prompteste Erledigung zn X. Nossbamn Nachf. Mabet?tr. Scbönbacb Sendvep 37. Toi. Hansa 5750 Unter An&icbt der Israelitischen Gemeinde. — - Versilberte Bestecke und üebranttagegeostindf. Frankfurt am Main Nur Sandweg XI. Telephon Hang» 1040. Einteilungsprinzip des Stoffes aus, sondern ist. nur zu verstehen, aus der persönlicheit Beziehung der Mitarbeiter zu Rabbiner Nobel. Aber. gerade. aus der Manuigfaltigkeit der behandelten Themen, die aus religiösen, vhilosophischcn, ästhetischen, historischen und 'politischen Gebieten jüdischer nnd nichtjüdischer Sphäre geschöpft sind, ist zn erkennen, von wie verschiedenen Gebiete» her Männer nnd Jünglinge zu ihm als Repräsentanten des sie alle bindenden und einenden Judentums kamen. Die Festschrift wird eingelcitet durch ein Sonett, das deutlicher Ausdruck der Wirkung dieser Persönlichkeit auf den ganzen Kreis ist. Im Rahmen einer Besprechung ist es nicht möglich,- die 16 Beiträge einzeln zn charakterisieren. Hcrvorgehoben sei nur folgendes: ' H c r nt a n ii Cohen, den mit Rabbiner 'Nobel innige persönlich: Freundschaft verband, ist in der Gabe mit den aus seinem Nachlaß zum ersten Mal gedruckten Briefen über Gottfried Keller vertreten, die, wie der Herausgeber F r a n z Roscnzweig mit Recht hervorhebt, nicht nur viel Wesentliches nnd Neues über Keller aussagen, sondern auch, „in die letzten Tiefen der Persönlichkeit Cohens hineinleuchten," Außerdem aber beschäftigen sichnoch zwei andre Beiträge der Festschrift mit diesem Großen, beide von Rabbiner Nobel selbst: sein Glückwunsch zu Cohens 70. Geburtstag sowie die tief und warm kennzeichnenden Hexameter, die dem Grabstein des Denkers cingegraben siiid. Siegfried K r a c a u e r s „Gedanken' über Freundschaft" bringen eine verstehende, begrifflich klare nnd doch ganz gefühlte Darstellung der verschiedenen Möglichkeiten, Freundschaft zu empfangen nnd zn geben. Die bei derartigen soziologischen Untersuchungen bestehende Gefahr, über dem notwendigen Systematisieren und dem Herausstellen der Begriffe die lebendige - Selbständigkeit des Gefühls zu vergessen, ist hier glücklich, vermieden. Ernst Simon versucht in seiner kleinen Abhandlung „Platon und die Tragödie" den Widerspruch zwischen diesen beiden Haupttatsachen der antiken Kultur durch eine neue Deutung zu lösen: die Tragödie des Sokrates sei in ihrer Einwirkung auf den jugendlich liebenden Schüler ihm der Anstoß gewesen, vom 'ästhetischen Pessimismus der Tragödie zum ethischen Optimismus seines „Staates" fortzüschreiten. Die uns am bedeutendsten erscheinende Arbeit ist „Das Dämonische" von Leo L ö w e n t h a l deshalb,' weil hier stark metaphysische Intuition unmittelbar zu spüren ist, selbst dann noch, wenn gelegentlich die Reste philosophischer Schulsprache allzudcutlich siiid. Der Verfasser führt uns in jenes Zwischenrcich, das von Gott verlassen für die -Dämonenfreiblcibt, die in den Gestalten der unverstandeneiif und gefürchteren Natur, der Engel, Teusel, Amonretten, des auf Antwort verzichtenden Selbst Antwort gewordenen Problems oder bestenfalls einer auf Sinndcutnng verzichtenden unmittelbaren Erfassung der Erscheinungswelt an uns vorüberziehcn. Ihr Reich ist da nnd nur da, wo Gott nicht ist, doch nur weil er ist, kan» ihr Reich sein. Reinwollene, warme Morgenröcke Nachmittags- und Abendkleider Unierröcke Hans Nerger, Hochstr. 26 pt. Leichter faßliche, wenn auch nicht minder tiefe .Einblicke in das Gebiet des Religiösen gewähren die fünf kurzen Predigten, von denen zwei Engen Meyer nnd drei chassidische Martin Buber mitteilt. Etwas scher deren herrlichen Inhalt zn sagen, unterlassen wir, — hier kann man nur selbst lesen. Zum Schluß sei noch auf die temperamentvolle Abrechnung mit einer heute als Golnserschrinung vorkommenden, doch unjüdischen Art von. „Rechtgläubigteit" hingewicsen, die E. Meyer in seinem Beitrag „Räumet, räumet, machet Bahn!" vornimmt. Wir spüren eine warme Liebe, die nicht nur das Alte erneuern, sondern auch seine Verfälschung niederrcißcn will. — Dies alte und z-ivig Junge soll uns in schönen llcbersetzuiigen häuslicher Gebete vermittelt werden, die zum Eindringen in das „heilige Original" selbst führen sollen nnd können. Mit diesem Beitrage beschließt Franz Rii-- senzweig das wertvolle Buch. - Fromm. Wochenbett- Ausstattungen Hugo RofthschiSd Langestrasse 35. Telefon Hansa 9926. ' Ar«»kstirter KarnMemrachrtchte». Barmizwo s. Isaak Heuberger, Mainstr. 10, Shna» goge Börneplatz. G e st o r b e n. Jsak Oestreicher, 78 I. Anselm Hirsch, 65 I., Grünestr. 36 — Amalie Hamburger, 80 I. — Auswärtige Faruttierntachrichte». G e sto rbe n. Rosa MooS gcb. Bloch, 68 I., Karlsruhe — Ludwig Lcvy, Nürnberg — Julius Frenkel, 58 I., Mannheim — Isidor Lindcmann, 08 I., Mannheim. Wocheu-Saleu-er. Samstag, -!. Februar (6. Schwat). Sabbat-Anfang in Frankfurt 5 Uhr. Sabbat-Ausgang in Frankfurt (>>,i Uhr. Wochenabschnitt: B a n. Sam. Raphael Hirsch zu Kap. 12, Vers 2: „Wir haben zwei Jahresanfänge, wie wir auch zwei Tagcsanfänge kciinen. Wir haben ein Jahr, das mit dem Herbste beginnt, und und wenn es auch Frühling' und Sommer kennt, doch wieder mit dem Herbste endigt: nnd haben ein Jahr, das mit dem Frühling beginnt, nnd wenn es auch Herbst und' Winter kennt, doch immer wieder mit dem Frühling endet. Und so haben wir auch einen Tag, der mit dem Abend bcginnt, und wenn er zu Morgen und- Mittag steigt, doch wieder mit dem Abend endet: nnd haben einen Tag, der mit dem Morgen beginnt, und wenn er auch in Abend und ittacht versinkt, doch wieder mit dem Morgen endet. Außer dem Heiligtum beginnt und schließt der Tag mit Abend, im Heiligtum beginnt nnd schließt der Tag mit Konditorei und Cafe I*li. Laubeiisteiii Hohenzollernstrasse 18. Telephon: Hansa 985. Spezialität: Ananas-Törtchen und Pralines. Ontleutstrasse 14 ^Hoslo Prelle^ . kein Laden I IQtP'ij «ReOl l Schneemann! Zell 39 Hansa 2273 Haltestelle d. Elektr. 3,6,15 Ecke Zeil - Elingerstrasse. Toiletteseifen Hautcreme Wirtschaftsartikel zn billigsten Freisen Apotheker Schneemann Zeit 39 Mein geliebter Mann, mein teuerer Vater Rabbiner Dr. X. A. Nobel ist am 21. Januar sanft entschlafen. Frau Julie JNobel geh. Weyl Kolli Hobel. Die reizendsten Tanz- und Gejellfdiaftsjchuhe Goethestrasse 29 Das Raus der eleganten SduiHc.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.