Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1922)
- Date
- 1922-01-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 . Neue Jüdische Presse. Lonöilorei unö Lais WilheEm Wendel Ken renoviert and vergrössert. Altegasse 6 Telefon Hansa 1288. Frankfurter, Brenien n. Betmgnueheii.! i Mittwoch, nach S^i.ndiqvts;: Mi sch na (W), tij: sihauwaus tzakwöwaus lB). ' - ' ' Donnerstag, noch Lckacharis: - Lchiilckan Arnch sli). 8'->*):■ ■ Geinoro (11). Freitag, nach SchachariS: Mischua (G). Fortbildung für fg. Leute: Samstag 3—1, Montag, ' i und 8, Milv.voch, T'\: Geinoro (U. u. G->. Fortbildung s. Knaben: Tainslaq, st: Zchulchan Aruch (Abt. F..tN), I;. ’C), c. (£;, D. 4Vs IC). 6'»: Genrobo sU), Montag, 1-',: Mrschna;Abt. C. und D. fllj, Dienstag. ■* .7: Mischua, U. :ß), ß: Misch na, Aill'i, Donnerstag. h: Gemoro, A. ftt), Mischna,,li. (($>. Sckiur t. Damen: Sonntag, tsi Diniin (U). Z i o n. Bereinigung, Samstag, Saalbali, ,-n -: türoße öfsenttiche Bcrsainmlung «Kiiri Blumenseld). Ez E » asi ni (Dozenien: Liverbant, Tnreiusli Tenicrsov», -'Schereschewsky), Kurse in ackr Klassen - und einer Borl>creitiingstlaise in Cbnmesch, Tefilloh, Mischna, Geinoro hauptsächlich für Schüler hiesiger Schulen, Zahl der erteilten Stunden 70, Ilnierrichtslokalc Hermesweg 27 n und llnierlindan 23!>. Sonntag, llfs-rriVs-, . . ' :> . Montag—Donnerstag, 21,2—8V< - „ Samtag, -Montag, Dienstag, Donnerstag, .">1/- 71/ >> Samstag, 5'/!—6"/i Derein.Hanptsynagog-e, Samstag.- Pi, Hmivtsynagoge: Lehrvortrag. Freies. Jüdisches Lehrhaus, Elisabethen-- . schule, Samstag, 7" t lUiv: Jüdische Erneuerung im Spiegel der jüngsten Dichtg. >Dr. Latzberger), Soirntag, 10>i (Hochsches Konservatorium): Äieligiou als Gegenwart (Mart. Buber), 11: Chassid. Texte Mart. Buber), Dienstag, 8' \: Krankheit und Heilung (Dr. Koch), 7V-i: Wissen vom Menschen (Dr. Rosenzweig,, Donnerstag, <;>»>: Thora (Dr. Roienzweigl, 71,: Heilige 'Schrift (Dr. -Straus). . A g. -I i s r. ft u g c » d g r., Hauaucrlaudstr. 17, Frei- 'rag: Bortragi) K Uhr: geselliges Zusammensein. — >samstag, 11-8,4: Mischna (21. Hirschberg),. 11>/: Gemoro (Holpern), 3: Gemoro (Dr. Hösmann, 6('i: Raschi (Q. Oppenheimer), 4>.: Grnndgedmiken der indischen Gesetz: iRabinowitz), 5: Gemoro (Dr. Elirmann), -Montag, 3: Mischna (H Hirschberg), 0: Gemoro (Dr. Ehrmann), .0: Gemoro (L- Oppenheimer), Sprechstunde Angestellten-Ausschntz.i) — Dienstag, 9; Geinoro (Dr. Hofmami). Mittwoch, Zirie! Dr. Hosma»»). DonuerSlag, 31/«: Büchcrausgabc.') 0: Mischna (H. Hirschberg), 8: Gemoro iDr. Ehrmaiin). — Mädchengr., Samstag, 4: Tanroh (2f. Hirschberg), Montag, 81/: Hebräischer Sprachkurs ,Frl. Horooiez), Dienstag, 81/: Tesillo (Kaufmanns — Donnerstag: 9: Chaurcw (Dr. Ehrman»,. Jüb. Ir a n e n v c r e i n i g ü 11 g , Sonmag, Höriaah il: Pslikbtenti-eis der jüb. Frau (Dr: Breuer-, W«e Prosekyliu. Bon einem merkwürdigen Schicksal wurde die Gräfin Anna Ko»sranze von Cosel, die Geliebte des Königs August des Starken, betrossen: fünfzig Jahre saß sic gefangen auf der {(einen sächsischen Festung Stolpert Bon schleswig-holsteinischem 2ldel, hatte sie sich im Jahre 1699 mit dem Freiherrn von Hoymb vermählt, der sie aber ans seinem Schlosse verborgen hiell, ans Furcht, ihre glänzende Schönheit könne bei Hose Nlkhsil anrichten oder erfahren: dock bei einem Trinkgelage ließ, sich der Gatte z« einer Wette hinreiße», ferne Gattin nberireise alle Domen des Hofes, :dn Schönheit und Amnut. Der König mar Schiedsrichter in dieser Wette, und damit war auch das Geschick der schönen Dame mit der hohe» schlanken Gestalt, pen wunderbar glänzenden, schwarzen Augen entschieden. Bon ihrem Gatten getrennt, wurde sie die Günstdamr des Königs und bald allmächtig bei Hofe, setzte Minister ab und ein, bis sie selbst dem Hasse der Staatslcnker und den wandelbaren Neigungen des Königs zum Opfer fiel. Lange weilte die Cosel in Pillnitz: sie weigerte sich, Briese und Doliimente Auch für Damen. herauszugeben.. Sic floh' von Pillnitz nach Berlin, dann nach Halle, wo sie l716-verhaftet uns aut die Festung Stalpen nebrnckl wurde, wo sie dam? -'>0 Jahre gelangen war. - - Die Gräsin beim, .single sich in sin er Einsamteil iort» während mit Letlüre. Da studierte sie denn vor allem die 'Bibel und verkehrie mil Inden, nno so war da-- Judentum ihr lieb geworden. Sie »orderte unter dem Piendonlini Lobgesang den Pfarrer Bodenschatz i» Bischosslverdä ans, hebräische Tratiate ins Deutsche zu übersetzen, dann wurde dieser zn dem gelieimnißvollen Briefsteller selbst berufen. Die Gräfin verlangte von ihm Äusscksiiisse über Talinndilellen, .jüdische Gebetbücher und andere rabbinische Dinge, brachte aber dabei allerlei anss Tapcl, das gegen die Lehre des Stifters de-s Christcninnis und seine-Person, gerichtet war. Der ojsizielle Bericht des bliiiuiiamies Gülden über de» Glauben der Gräsin Cosel lantel: „Der Glaube, aus welchen die Gräsin verstorben, ist schwer zu delerminieren: es ist wahr, 'vor dem letzten Kriege hat die Berswrbene mit verschiedenen ^uden, die ans Böhmeii und anderen Gegenden zn ihr gekoimnen, stärkere Eoilnerion, als seil der Krieg geendet und Friede worden, gehabt: und dann und wann suid wohl auch seither Juden zu ihr gekommen, jedoch iiicl-tin so großer siheiigc wie sonst. Sie hat bei ilncn Lebzeiten sehr fleißig in der Bibel gelesen und sich das indische Deutsch, vielleicht mit Borsatz, angewöliiii: es iß ferner wahr, daß sie den .-Sonnabend jeder Woche als ihren Sabbat gefeiert und den Christen, wenn sie sich dazu brauchen ließen, am Sonntag gern etwas zu schassen gemacht, a"ch ist wahr, daß sic kein Schweiucileistl:, keinen im Bllii erstickten Vogel oder ander dergleichen Federvieh, noch einen Fisch ohne Schuppen gegessen: es beskehr ferner in 'Wahrheil, daß sie zwar anfänglich, da sie als 9f r re flaut in nach Stol pen gebracht worden, den hiesige» Gottesdienst besucht, seit vielen Jahren, aber nicht mehr in nnsere Kirche gekommen ist." So hat diese in ihrer Jugend wegen ihres Geistes gefeierte Dame, die später alle Schriften der französischen Freidenker, eines Voltaire und Rousseau, mit Eifer gelesen hatte, äui Ende ihres Lebens den Talmud studiert, die indischen Ritualgesetze beobachtet, kurz, hat, ohne in alter Fonu zun» Judentume nberzugehen, doch in wesentliche» Hauptpunkten als Jüdin gelebt. Jedem das Setuige. Roman von M. Pulvermann, (Fortsetzung.) , - „Es ist mir lieb, daß Du endlich einwilligst," sprach der Mann erleichtert. „Es kann schon in einigen Tagen geschehen. Inzwischen aber möchtest Dn doch noch einen Slrzl zu Rate zieheil." . Er hörte nicht ihre »Antwort: denn plötzlich siel es ihm wie Schuppen von den Augen, und er hatte ihre» törpcrlichen Zustand richtig erraten. 2lbcr trotz der Erregung, die sich jetzt seiner bemächtigte, behielt er doch »och so viel Geistesgegenwart, sich Schweigen aufzuerleg:». Da Ellen cs ihm nicht aus freiem Willen mitgeteilt hatte, war cs klar, daß sie nicht darüber befragt sein wollte. Schließlich, Gälte oder nicht Gatte, das war keine Sache, über die eine junge Frau gern mit ihrem Manne spricht. Das muß einer Frau überlassen bleiben. Ee ging darum zn seiner - Mutter. - . Chase Rachel betrachtete die Sacke von einem andern Standpunkte aus. -; „Du hast reckst," ries sie srcudig. „Neberlass' es nur mir." — „Nickst wahr, Mutter, Du wirst sehr zart und sanft mit ihr sein. Sie ist in-der letzten Zeit so cigcniiimlich gewesen. Sie scheint sich vor irgend etwas zu fürchten. Mein armes, kleines Mädchen!"-Seine Stimme war weich und zitterte ein Ivcnig. „Ueberlnss' es nur mir," beschwichtigte ih» die Mutier nochnmls. - Konditorei und Cafß Ph. Lanbenstein Hohenzollernstrasee 18. Telophon: Hansa 985. Sp ezialitüt: Ananas-Törtchen und Pralinös« A. Rnbinstem Uhrmacher u. 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V (£? war datier das Beste, die Gelegenheit lvahrzunehmenXehe eiivns anderes dazwischen kam: außerdcn: wußte sie, Vdaß die Borniittagsstnndeil am bestell aeeianel waren, -LVrönier anzutresse». führte Ellen nach de-.X Einvsaiigsziniuier und'bat sie hm ihren Rainen. S; ,.E-s ist nickst nötig^ Tagen Tie. nur. daß eine Dame vier, warte." Eme Weile svälcr fiwiid Ltrömcr vor ihr. „Sic!?" rie? er nndX machte keinerlei Versuch, sesiie grcnzcnloke Ucbcrrasck ling ,&> verbergen. Aber c:- lvar mir der erste Eindruck des »laerwarteten Znianiinentresseiis, denn bald hatte seine Ltimiia»' wieder den ruhigen Klang, als er sortsul,r: „Es war llnüvjst von Ihnen, nicht Ihren Namen z» nennen. Vielleicht ali^r auch tliig," fügte er t'irh/nth'titonl / hi tun ' V. gedanlenvoll hinzu. .Unrecht ken- „Unrecht — — klug'?" murmelte Xsic ungewiß. „Jawohl, klug, well Sie die Ratur^ a>e-s Mannes neu, der sich von dem Ulibekanlitcn und Geha>ininisvollen angczogen fühlt, daher koiintcii Sie durch das Verschweigen Ihres Namens da-s Warten hier abtürzen. Unrecht a-k>er, weil-Sie einen alten Freund des Vergnügens beraubten,' Sie Fchon einige Minuir» irül,er zu sehen." - Seine Worte t'lairgc» froh nnd sröhlich, so daß Ellen an der Echtheit nicht ziveifeln tonnre: wenigstens schienes ihr io bei der oberflächliche» Betrachtnng. Als sie ihn aber länger anblickte, da glaubtesie einen Fremden vor jichzu haben, so. sichtlich war die Veränderung In.'seiner ganzen. Erscheinung. Er ging gebeugt, zwar ein wenig nnr. aber bei seiner Jugend und wohlgebilvelei, Gestalt „m so ausfallender: sein dichtes schwarzes Haar lvar dünn geworden -und zeigte hier und da einen grauen Streifen. Die größte. Veränderung, aber zeigte sich in seinen Gesichtszügen, die früher glatt, >vie gemeißelt waren, jetzt aber Furchen und Runzeln niiswiescii. Auch seine strenge Miene schien jetzt weich und saust geworden z» sein, aber Ellen ließ sich nicht täuschen: sie erkannte, daß es nur Krajtlosigkeit und Schlaffheit war. Sie lvar unzufrieden. Was sie jetzl begehrte, erforderte ja eine volle ManneSkrait, einen Mann, loie Strömcr früher war. Er aber dachte gar nicht daran, daß seine veränderte Erscheinung eine ^Erklärung heischte, nnd nitbefangen er-- ' lrschendcn-Blick, de» er auf sich gerichtet widerte er ihren forsch sah- In seiner ruhigen An veranla.ßle er ii-, den Mantel abzulegcn und führte sic z>r eine.» begliemeii Sitz am offenen Herd, wo ein helles 'Feuer brannle. Er setztesich ihr gegenüber und sprach nnd erzählte, ohne eine Antlvort von ihr abzmvarte». Er sprach von Ellens Verwandten, von chcn bevorstehenden Reichstagswahlcn, von gemeinsaiiien Bekailntcit und dergleichen gleichgiiltigen Dinge». Die Worte, flössen ^ihm glatt und ruhig über die Lippen, als wäreii jetzige Gleichdie seine keine Erinnerliiigen vorhanden, gültigkeir Lügen straften. Ellen' lauschte ansänglich venvundert, dann aber »»- gchaltcn und verstimmt, weil er ihr gar leine Gelegenheit gab, ihr Anliegen vorznbringcn. Er mußte doch wissen, daß nur . ein Ereignis von der allergrößten Bedeiltinig sie zu ihm geführt haben tonnre!. Gewiß sollte dieses nachlässige und unwichtige Plaudern seine Mißstimmirng gegen sie verberge». Sicherlich-.wollte er sich jetzt rächen., indem er cs geslissentlich vermied, den Zweck ihres Her-, kommens z» erörtern. . . iFortsetziing folgt.) Vir. : erscheinei russische tung der Die neu gestaltet der jüdij Dl (Ucfi Sa Ion Hanau. 30 O/o Zu Dies fand, wi batweihe Sa» Sab Sab Wob Rau 't 8 Täg Kaisei Literarische Nundscha«. Zeitschriften. Mitte 4lpril soll in Berlin eine hebräisch-siddische Monatsschrift unter dem Rainen „R i ni 0 n" lDer-Granatavfcl) Heute Vormittag rrnräe noch kurzer Krankheit unser Rabbiner Dr. N. A. >> in der Mitte seiner .fahre aus diesem Leben abberufen. Tiefste rabbinische Gelehrsamkeit und umfassende klassische Bildung verbanden sich in dem teuren heimgegangenen Fahrer mit der Glut prophetischer Rede. Von der Kanzel und vom Ljhrstuhl ans leitete sein schöpferischer Genius einen unversiegbaren Stroni religiöser Vertiefung nnd reinsten Menschentums in die Herzen' seiner Gemeinde. Vom innersten Wesen des Judentums ergriffen, war er'ein treuer Hüter nnd Künder unserer heiligen Lehre, nnd Gottes Gnade ruhte auf seinem Wirken. Der Name des geliebten Toten wird mit unserer Gemeindeauf ewig verknüpft sein, unvergesslich wie s^ine Verdienste pm uns und unsere Jugend.- Möge seine edle and reine Seele in Frieden rnben! ' *. Franbfari a. A., den 24. Januar 192?. tSache b ffapsfamt QBd der IsPAsiltlsübsn Boineißde. passe Offerti Sxpediti