Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1922)
- Date
- 1922-01-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5 1 Neue JMsche Presse. ninnern unsere liberale«'Geistlichen mich mehr an den xypus des — -Kaufmannes. „Geehrtes Publikum, kommen Sie zu uns! -Wir liefern Ihnen eine Religiondie den Wettbewerb mit jeder , »deren bestehen kann! ..." Seite 81. - ‘ Nicht „erheben", „erbauen", „trösten", sondern das Gevissen auifrütteln, daS Pflicht- und Ehrgefühl schärfen, — ,as scheint mir!die erste und wichtigste Aufgabe des Geistichen zu sein. Ein Palästina-Film. Der Nationalfonds hat von dem Photographen Bendow in Jerusalem einen Film, „Das neue jüdische Palästina" erworben. Der Film kam zum ersten Male während des Zionistenkongresses in Karlsbad mit Beifall zur Aufführung und wurde dann, da sein ursprüngliches Protzramm deu Erfordernissen der Propaganda nicht voll mtsprach, nach Weisungen des Hauptbüros und der Palästina-Vertretung abgeändert und durch zahlreiche Neuaufnahmen ergänzt. Aus Heft 2 der Monatsschrift „Der Jude" (Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 35)-seien hier die Schlußworte des Aufsatzes „Die Zukünftigen und die Draußenstehenden" ton Max Eschelbacher angeführt. Sie lauten: „Der Einheimische kann sich nicht befreien von dem Zauberbanne der gesellschaftlichen Mächte, in deren Kreis er aufgewachsen ist. Ohne den Außenstehenden, den. Hergelaufenen, den Unzünftigen könnte der Bürger zum Spieß- Bürger werden. Am Eingang unserer Geschichte steht Abraham, das Urbild und Symbol unseres Schicksals. Wäreer -in Ur-Kasdim geblieben, es wäre nichts anderes aus ihm geworden, als. was auch seine Väter waren, ein vornehmes Babylonier! Der Vater einer neuen Zukunft wäre er nicht geworden. »Eine geheimnisvolle, tröstliche-Borwegnahme unserer ganzen -Zukunft bis auf diesen Tag ist dann» jenes Gebot, mit dem sie einst in einer fernen Vergangenheit" anhob, jener göttliche Befehl an Abraham: Gehe du allein weg aus deinem Lande uyd aus deinem Geburtsort und aus deinem Batershause in das Land,, das ich dir zeigen werde." ' Die jüdische Proletarierprefse in Rußland Das Moskauer jüdische Blatt „Eines" vom 6. Dezember, teilt mit, daß die -Zeitung nicht mehr wie bisher gratis verschickt wird, sondern bloß -Abonnenten zugeht und im Einzelverkauf, wie überall in der bürgerlichen Welt, zu haben ist. Die Preise sind echt russisch. Für Moskau und Umgebung kostet das Blatt'30'000 Rubel für den Monat. Einzelne Nummern kosten 1500 Rubel. Dieser Mitteilung widmet die Redaktion einen Leitartikel, der zu dem Schluß kommt, daß die Lage der proletarisch-jüdischen Presse in Rußland, jetzt stark bedroht-ist. — Die bürgerlich-jüdische . Presse ist von den Leuten des „Eines" unterdrückt worden. . Vialtk-Reuausgaben. Die jiddischen Gedichte von CH. R- Bialik erscheinen demnächst im ,Klal-Berlag" (Berlin, Verlängerte Charlottenstraße 1H.) in einer vom Dichter verbesserten und vermehrten Neuausgabe.. Gleichzeitig erscheint im „Klal-Verlag" eine Neuauflage Bialiks jiddischer Gedichtssammkung „Zaar u» Zorn" und seiner hebräischen Novelle „Arieh baal Guf". Frauz Werfels ..Spielhof". (Kurt Wolfs,. München, 1920.) Wir sind alt. Wir sind erstarrt und versteinert: unser Leben hat seinen Sinn verloren. Irgendwo muß er verborgen sein, dieser Sinn, dieses Zentrum unseres Lebenskreises, dieses Etwas, durch dessen Berührung unser Sein wieder frei und lebendig wird. Irgendwo liegt er verborgen^ — unsere Seele wird ihn suchen gehen. Und unsere Sehnsucht nach diesem unbefleckten Dasein, das einmal unser war. Die Sehnsucht nach jener ewigen Jugend und Menschlichkeit läßt uns wieder zu unseren Wurzeln dringen: „Wir Sehnende kennen den Sinn." Konditorei und Cafö Ph* Lau bensiein Hohenzollernstrasse IS- Telephon: Hansa 985. Spezialität: Ananas-Törtchen und Pralines. Der Sinn liegt Tn uns selbst. Lukas, der Mensch, der seine Jugend am Kanzlistenpult der kleinen Stadt verbraucht hat, und der auszieht, seinen verlorenen Traum zu suchen, findet ihn nicht in den Träumen von der ewigen Verbundenheit der Generationen und von der tötenden Liebe der Geschlechter — er findet ihn in der banal-phantastischen Welt des Spielhofs, einer Welt unwahrscheinlichster Wirklichkeit. Er dringt hindurch: durch Geist und Trieb zur -Leele; durch die Vorstellungen von der Gebundenheit an andere (Vorfahren und Frau) zum einfachen Empsinden der Kindlichkeit, der großen Stärke und Milde, die Menschlichkeit bedeutet. Nach Heimweh und Sehnsucht durchdringt ihn erfüllende Liebe; sein ganzer Weg wird geschlossen und notwendig. Jetzt kann der Mensch Lukas zurückkehren zu jenem Leben am Kanzlistenpult, denn jetzt ist das ja ganz anders geworden: sinnhafter. ' , ' Das erzählt uns Werfel in seiner Plauderei „Spielhos" . mit einer rührend schlichten Geste. Seine Prosa ist so still und fest und selbstverständlich, daß sie biblisch zu tönen beginut, alte Verse in uns wieder wach ruft. Diese Phantasie schwingt aus wie ein Epos. 'lind der Gewinn ist der: Daß Werfel hinaus stößt über ein Leben, das sich erlösen wollte im Opserleid der Passionen oder ün Ueberwinden bewußt gewordener innerer Zwiespältigkeiten. Seine Linie verliert das Krampfige, Gewaltsame und wird-harmonisch. Es ist etwas in diesem Buch von des Menschen Werfel eigenem Weg, der arls der Wirrnis der grellen Erscheinungen zum'Kindertraum sührte — voll von Erstaunen und Glauben. Das Buch steht, jenseits aller artistischen Gewaltsamkeiten, die man Stil nennt. Sein warmes, schlichtes, mütterliches Erleben läßt unsere Herzen in Demut schlagen. Große Kunst ist tiefe Menschlichkeit.;; i Ich mußte an Edschmids Philosophie vom rasenden Leben denken, an feine Gewaltsamkeiten und Verkrampfungen als ich Werfels stilles und selbstverständliches Buchlas. Und sah die Bedeutung von Werfels neuem Weg. Edschmid: der Ausdruck einer aufgelösten. Epoche, die über ihre Haltlosigkeit hinweg nur zu einer Deutung kommen kann, wenn sie sich in Delirien austobt — Totentanz des Individuums. Werfel: ein Wissender und Weiser, nicht mehr der Ausdruck der' Zeit, aber ihr Ueberwinder. Werfel weist den Weg der kommenden. Glücklich, die ihn gehe» können: glücklicher, die ihn gehen werden. Alfred Jacob. Woche»s«Rie»ver. Sams lag, 7. Jan. (7. Tewes). Sabbat-Anfang in Frankfurt 4 Uhr 20 (Religionsg.i, . 4(4 (Gemeinde). Sabbat-Ausgang in Frankfurt 5 Uhr 35 iReligionsg.i, 5i/» (Gemeinde.- Wochenabschnitt: Wajiggasch. Dienstag: Asoroh b 'T eweS. Hrs»tf»rter AamUie»»achrichleL- Bartnizwohs. Simon Schwab, Rückertstr. 45, Arnold Aron, Rückertstr. 44, Synagoge Friedb. Anlage. — Herrn. Kaufmann, Lindenstr. 29, Synagoge Unterlindau. — Kurt Haas, Bornh. Ldstr. 55, Karl Horowitz, Königswarterstr. 8, Synagoge Börneplah. Hotel Drexel ErohKtuit um Hain. Gr. Friedbergerstr 16(20, an der Konstabler-Wache, Stadtinneres, Nähe Zeil, Hauptpost. Spezialhaus für reisende Kaufieute.nnd Familien. 120 Zimmer. Aasstellangs-, Schreibt und Lesezimmer. Sehr massige Preise. Fernruf: Hansa 856. Unter neuer Leitung von *Hadi>. Lauienschläaer (Bruder d. verst. Besitzers). Zell 39 Hansa 2273 Haltestelle d. Elektr. 3,6,15 Ecke Zeil-Klingerstrasse. Toiletteseifen Hautcreme Wirtschaftsartikel zu billigsten Preisen Apotheker Schieemann Zell 39. \ . ■ JQdlsciie Heilstätte ..Etonlo“. Davos (Schaielz). 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Llbeles, 61 I-, Hamburg. — Theodor Dünkelsbühler, 54 I., Nürnberg. — j Wolf Böhl, 75 I., Gedern. — Fanny Kirschbaum geb. Schäfer, 75 I., Nürnberg. GveNde». Bei der Nationalfondskommission (I. Heimann, Postscheck 41 441} gingen ein: Chanukkah-Spenden. Dr. S. Auerbach, W. -I. Schwab, Julius' Kronenberger je 100 Mk., B- Silbersaden 25.—, S. Sternberg, Limburg 20.—. Meer Teplitzky 5.—, David Schnadig u. Cie. 50 —, Liebermanu Rotschild 300.—, Hch. Birkenstem 10.—, Marie Brauer 20.—, Hugo Koch 10.—, Albert Levy «. Cie. 50.—, Frau Heymann 80.—, H. Ptaschnik 10 — Mark. Spendenbuch- Aron Sulzbacher u. Frau anl. der Verlobung ihrer Tochter Fanny 25. 12. 21 50 Mk. Bü ch s e n l e eru n g. Trude Grünebaum 21.25, Emi Bloch 3.—, Ruth Kahn 15,25, Erna Heilmann. Gelnhausen 2.70, M. Linik, Gelnhausen 10.95, Arthur Mayer, Gelnhausen 8.50, Frau, Zahnarzt Wisma, Gelnhausen 20.20, Carla Moritz, Gelnhausen 32.85, Erna Buchsbaum, Gelnhausen 4.75 Mk. Bei der N. I. Pr. gingen ein: Siegfr. Rosenberg z.' Jahrzeit s. Freundes Walter Kayenstein 2 Bäume im Walter Katzenstein-Garten 50 Mk. Eingesandt. Das Jüdische K u n st a r ch i v (Adresse: Erich Toeplip, Berlin NW., Karlstr. 33 bei Osmitius) erbittet Festschriften von Vereinen, Gemeinden und Museen, Photographen und Wbildungen von Synagogen, Ritualbädern, Friedhöfen, Grabsteinen, Knnstgcwerbe und Buchkunst, auch wenn nur leihweise. - ■ Die Not der jüdischen lanow irtschöstlichen Kolonien in Südrußland. Die Gesellschaft ,J0 r t" (Gesellschaft zur Verbreitung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden). Berlin W 15, Bleibtreustr. 34/35, wendet sich an die jüdische Oeffentlichkeit, den einst blühenden jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien in Südrußland in ihrer verzweifelten Lage durch Geldspenden zu helfen. Zuerst suchten furchtbare Pogrome die Kolonisten heim und in diesem Jahre eine Mißernte, wodurch diese fleißige Bevölkerung von einigen hunderttausend Personen nicht. einmal dos Brot über den Winter hat. Briefkasten. Hardheim. 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