Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 47 (15.12.1921)
- Date
- 1921-12-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Neue Jüdische Presse. in reicher Auswahl. l/’-AWPTY^ Feine Lederwaren IY/VVV Ls I KJ und Reise-Artikel 28 Goelhcstrasse 28 — Telephon Römer 754. — Erez Israel. Eia «euer Gouverneur vo« Jerusalem? Wie verlautet, werde Symes, der allgemem beliebte Gouverneur von Haifa, an Stelle des judenfeindlichen Generals Storr zum Gouverneur von Jerusalem erimnnt werden. — Hoffentlich bewahrheitet sich die Nachricht. JUgtmi. UuverLuderter Kurs ' Die „Wien. Morgenztg." schreibt u. a.: „Ws der Präsident der Bndapester Judengemerude an -der Spitze einer nach Amerika entsandten Betteldeputation! vor seiner Abreise vom Ministerpräsidenten Graf B e t h - len feierlichst Abschied nahm, erließ Bethlen zur Unterstützung der Mission «ine Art Botschaft an das Judentum, in welcher sich auch der Satz fand: „Ich werde die antisemitische Hetze Mit meiner ganzen Macht Niederschlagen." Alles, was sich in Ungarn feit jenem Tage zugetragen hat, ist eine glatte Widerlegung dieser Zusage Und in ffeiner Programmrede im Parlament beging Bethlen die Gemeinheit, „die Juden Ungarns zu beschuldigen, daß sie einerseits die Revolution herbeigeführt und andererseits) soweit sie nicht persönlich an der Proletarierdiktatur teilnahmen, nicht den Mut aufgebracht hätten, sich ihr entgegenzustellen . . ." Graf Bethlen spricht die Geneigtheit der Regierung, mit den Juden Frieden zu halten, nur unter der Bedingung aus, daß diese sich ihm fiir den Wiederaufbau Ungarns zur Beifügung stellen und sich politisch bessern." Ei« Nachruf. ' Der arabische Forscher Abdallah Miskoni hielt am Grabe des jüngst in Budapest verstorbenen berühmten Orientalisten JgnazGoldziher folgenden Nachruf: 'O p p p p p dd ppppppppppppppppppp □ UffjtMnMMMAofrA dicke, reinwollene, in vielen P □ morgencocKe, Farben nnd Fonnen —- □ n \ Unterrocke bester Qualität, grosse Auswahl n P - Vfoiifsn ans Wolle nnd Seide, nur QualitätB- P O AlBlUsk wäre in vorteilhaftester Preislage. E □ Huusa 1787 HSUIS NCfgCf Höchste. 26, P. □ ppppPPPPPPPPP PPPPPPPP PPP P P P „Am Grabe. des unsterblichen Ignaz Goldziher mögen auch Arabertränen fließen. Das gequälte ungarische Judentum kann stolz sein, daß es inmitten so vieler Leiden, Erniedrigungen und Verachtung! der Welt zu beweisen vermag, welch große geistige Kraft es der Menschheit zu bieten imstande ist. Außerhalb der wissenschaftlichen Welt ist es hier in Ungarn nur wenigen! bewußt gewesen, welch großes Genie dieser Mann war. IM Auslande aber, und besonders im Orient und in dev arabischen Nation, war der Namen Goldziher ein eigener Begriff von hohem Werte. Das Judentum verlor.in ihm seinen ausgezeichneten Sohn, das arabische Volk aber einen großen Meister, eine! Lichtquelle, deren Strahlen (die Traditionen unseres Volkes) die Heiterkeit und-den Ernst unseres Glaubens und unseren ganzen Kulturkreis durchleuchtete. Goldziher war mit seiner tiefen Fachkenntnis auch auf seine Orientalistenkollegen in der arabischen Frage von großem Einfluß, uns jedoch war eck der Apostel im Westen. Deshalb brachten wir Araber ihm und in ihm dem Judentum, welches wir stets als unsere! Bruder Nation ansahen, innige Liebe entgegen. Möge der Zwist verstummen, der Kampf ein Ende nehmen in diesem heiligen Augenblick! Der Zwiespalt um P a l ä st i n a, der heute hie zwei Brudervölker voneinander scheidet, ist, wie der große Geist Goldzihers uns lehrte, nur durch -die Vereinigung der beiden Bolkskräfte zu bannen. Hand in Hand müssen sie einer glorreichen Zukunft der semitischen Rasse zustreben. Meine jüdischen Brüder! Im Vollgefühle all dessen betrauert und beklagt die arabische Nation mit euch in dem Hinscheiden des Sohnes eures. Volkes auch, ihr Blut, ihren Apostel." Zionistische Nachrichten. Strastburg. Am 87. November fand hier eine Tagung der Zionisten Östfrankreichs statt. Nach Wahl des Präsidiums (Dr. Elias-Mülhausen, Dr. Braunberge r- Schiltigheim, Richter Levy-Metz und L. Metzger- Straßburg) wurde beschlossen, einen 'Zion. Gruppenverband für Ostfrankreich zu gründen. London. Im Kolonialamt fand zwilchen Weizmann, dem Präsidenten der Zion. Organisation und der arabischen Palästinadelegation eine rnoffizielle Besprechung statt. — Weizmann wird auf idrr Reise nach Wien, wo am 27. Dezember eine Sitzung des Zion. Aktionskomitees stattfindet, zum ersten Male Deutschland besuchen und sich einige Tage ,in Berlin aufhalten. — ^Die Zionistische Exekutive erläßt folgende Erklärung: Obwohl laut den Prinzipien der Zion. Org. die Verhandlungen zwischen Jabotinsky und Slavinsky (Vertreter Petljuras) keine Einmengung in politische Streitigkeiten oder zivile Kriege gewesen sind, sie vielmehr bloß ein Ziel hatten, die jüdische Bevölkerung in der Ukraine vor Pogromen zu schütze», erachtet es die Exekutive nichtsdestoweniger für.nötig, kategorisch zu erklären, daß die Zion. Org. niemals Partei ergriffen hat für eins oder die andere politische Partei, Gruppe oder politische Macht, da dies nicht im Einklang wäre mit den Prinzipien: der Zion. Org. Die Exekutive erklärt, daß die Verhandlungen .zwischen Jabotinsky und Slavinsky privaten Jedem das Seiuige. Roman von M. Pulvermauu (Fortsetzung.) ... Ste sann.anhaltend darüber nach, ob sie sich über den Vorgang freuen solle oder nicht. Sie wußte wohl, was Ehaje Rachels Ueberfall zu bedeuten hatte. Morgen sollte doch ihre Versöhnung mit chrem neuen Glauben stattfinden» darum sollte sie durch keinerlei lieblose Gedanken von dem erhabenen Ziel abgelenkt werden. Ja, sie sollte mit allen günstigen Bedingungen und Vorbereitungen beginnen, um ihr keine Entschuldigung und keinen beschönigen- . den Vorwand zu lasten, falls ihr Vorhaben dennoch fehlschlagen sollte. Ellen hatte das Gefühl, einer Krisis entgegenzugehen, deren Ausgang von einem tiefen, undurchdringlichen Dunkel umgeben war. , XVI. Nach einer unruhigen, fast schlaflos verbrachten Nacht erwachte Ellen, um die Welt in dem goldenen Sonnen>- strahl eines prachtvollen herbstlichen Morgens zu erblicken. Ehaje Rachel klopfte an und rief ängstlich, es sei bereits- Halbsieben, sie müßten sich beeilen, um den Gottesdienst, der um sieben. Uhr beginnt, nicht zu versäumen. „Wie wird ns aussehru, wenn wir erhitzt und abgejagt ins Gotteshaus stürmen sollten!" Liebling, wir wollen uns beeilen, um nichts von dem Gottesdienst zu versäumen," sprach Klaßner, um das Drängen der Alten begreiflich zu machen. ,Ms ist der 'Anfang eines Wahres, den wir mit Andacht und Inbrunst begehen wollen, damit es ein glückliches bis zum idgibe werde." ,T>u hast recht, Artur. Wir wollen nichts von der, -Andacht versäumeu." Sie wollte ihm nicht sagen, daß auch sie ungeduldig geworden war und für ihre Ungeduld noch einen stärker« -Hrund hatte. 'Voll innerer Erregung und Erwartung hatte sie ja dieser Stunde entgegengesehen, da iht ganzes Innenleben eine Umwälzung erfahren sollte. Es verursachte ihr daher keine geringe Mühe, ihren Schritt dem Schneckengang anzupaffen, den Man mit Rücksicht auf die Alke' «inschlagen mußte. Ehaje Rachel führte Elten die Treppe hinauf zu dem Frauenabtell, wohin diese ihr willig folgte, da ihr. der Brauch bekannt war, bdg Frauen und Männer gesondert .beten. "" \ _ In der Mitte sah. Ellen das Vorbeterpult, nach Osten gerichtet und -an der Ostwand die heilige Lade, wo die Gesetzesrollen .aufbewahrt wurden, von einem weißen prachtvoll bestickten Vorhang bedeckt. Was aber ihren Blick besonders fesselte und was ihr sofort in die Augen fiel, war etwas, das in einem Gotteshause. etwas befremdlich wirkte. An der gegenüberliegenden Wand war auf schwarzem Grund ein goldenes Wappen gemalt, das Ellen nicht unbekannt war, da sie ein ähnliches bereits irgendwo gesehen! haben mußte. Darunter war eine Tafel mit folgendes Inschrift: „Dieses Gotteshaus wurde iin Jahre 5603 von französischen Flüchtlingen erbaut und im Jahre 5638 zu einem jüdischen Tempel umgebant und dementsprechend neu eickgeweiht für den Verein „Der Stützen des Gesetzes und Hüter der Sabbatweihe." Ellen erinnerte sich, daß ihr Gatte eine Ueberraschung für sie angedeutet hatte, und sie fühlte sich tatsächlich! übeö das eigenartige Zusammentreffen sehr überrascht, da sie doch ebenfalls ein Nachkomme jener Flüchtlinge war. Cs hätte für sie noch ein besonderes historisches Interesse^ da sie doch wußte, daß chre Vorfahren nach! der Beseitch gung des Gesetzes von Nantes mit blutendem Herzen das geliebte, aber lieblose Vaterland verlassen mußten und! nach allen Weltteilen sich zerstreuten. Ihre Vorfahren! hatten also auch hier gearbeitet, gebetet, und es war leicht denkbar, daß Menschen, die Beten und Arbeiten als schönste Gottesgaben erachteten, überall ihre Spuren hinterlassen mußten, wo sie sich ansiedelten. Sicherlich hatten sie es den jetzigen Besitzern zur gesetzlichen Pflicht gemacht, die Erinnerung durch eine Tafel an bevorzugten Stelle zu erhalten. Ellen dachte mit einem warmen Gefühl daran, daß diese Bedingung seitens der jetzigen Besitzen durch den Geist der Toleranz erfüllt wurde. Ein wenig beschämt, daß sie . sich so hatte äblenken lassen, nahm sie sich jetzt mehr zusammen, um den Vorgängen da unten besser folgen zu können. Müßige Betrachtungen anzustellen, war durchaus nicht angebracht, um sich für Großes und Erhabenes vorzubereiten, das für sie bald erfolgen sollte, das der Schlußstein für ihren! Lebensban werdenmußte, um ihrer Seele wieder eins! Weihe zu verleihen. Und die Beschämung gestaltete sich zu einer Verachtung für sich selbst, da sie sich bereits eine» Viertelstunde im Gotteshause befand, ohne daß das Bedürfnis zu beten sich.bei ihr bemerkbar machte. - Hastig, griff sie nach dem Gebetbuch und richtete die Bücke auf die von- Ehaje Rachel aufgeschlagene Seite, M. 47. L. Fassbenders K.onGturen wieder in Frankfurt in Friedensqualität. Kaiserstrasse 32. Charakter getragen haben. Weder die Exekutive als ganz« noch chre einzelnen Mitglieder mit Ausnahme Jabotinschs haben irgend etwas von diesen Verhandlungen gewußt. ' (I- P- M Aus der „Agrrdas Jisroel"-Bewegung. Lemberg. Der Tschortkower Rabbi sammelte hier 2 Millionen polnische Mark fiir den Aguda-Palästina-Fonds „Steren Hajischuw". Riga. Hier hat sich ein agudistisches Palästina-- Komitee gebildet. Aus der MiSrachi-Bewegrmg. New Aorl. „Haibri", daS hebräische Organ des Misrachi, hatte in den letzte» 8 Monaten 13600 Dollar- Ausgaben und nur 1900 Dollar Einnahmen. Es wurde daher beschlossen, die Zeitschrist nicht weiter erscheine«, zu. lassen, da -in Amerika eine hebräische Zeitschrift leiden ein zu begrenztes Feld hat. — Nach dem auf -der 8. Jahreskonserenz des Misrachi, die hier am 20. und 21. Novbr. stattfand, erstatteten Bericht, gibt es in Amerika 300 misrachistische, Vereine, darunter 14, die erst im letzten Jahre gegründet! wurden, mit 16000 Mitgliedern. Die Höhe der Spenden beträgt 90 000 Doll., wovon 40 000 Doll, nach Palästina überwiesen wurden. An den amerikanischen Nationalsondsspenden ist -der Misrachi mit 33000 Doll-, also mit mehr als 30o/o beteiligt. Perssmslie« u. kleine Mitteilungen. Berlin. Abrabam D. Jdelsohn, länajähriges Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees, laangjähriger! Redakteur des Petersburger „Rasswjet", des ehemaligen offiziellen Organs der russ.-zion. Organisation, und zuletzö Redakteur des „Haolam" in London, ist hier — 56 Jahre alt — verschieden. Berlin. Auf die Anregung des hiesigen Executrv- Komitees der jüdischen WelthilsskonferenA hat die jüdische Gemeinde in Chardin eine Konferenz einberufen, an der Vertreter von 25 jüdischen, politischen, kulturellen und Wohlfahrtsorganisationen Chardins teil-« nahmen^ Es wurde beschlossen, ein Hilfskomitee zu gründen. Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel Neu renoviert und vergrSssert. Altegasse 6 Telefon Hansa 1288. Franktnrter Kreuten n. Betmännchen, Langsam las sie die erhabenen Sätze des Morgengebetes, die Lobeshymnen, für den Schöpfer des - Weltalls, die Psalmen, die ihr ja gut bekannt waren nnd die Dankgebete fiir den himmlischen Vater, der Israel zu seinem Sendboten erwählt hatte. Freilich schien es ihr, daß es bei diesen Herz und (Seele erhebenden Gebeten, da unten etwas eintönig herging, und sie hätte dem Borbeterbesser folgen können, wenn er ein langsameres Tempo-eingeschlagen hätte, doch sicherlich jlag dies nur an ihrer eigenen! Schwerfälligkeit und Ungeläufigkeit der hebräischen Sprache . . . Jetzt entstand unten eine Bewegung, und die Gleichmäßigkeit des Gottesdienst^ erfuhr eine Unterbrechung. Die heilige Lade wckrde geöffnet, aus der der Vorbetev eine Gesetzrolle entnahm, die er hoch emporhob und unter feierlichen Gesängen nach dem Borbeterpult trug. Dort wurde der Silberschmuck .mit den feinen Glöckchen und das weiße, mit Gold bestickte Mäntelchen entfernt, und die Vorlesung der heiligen Schrift begann. Die ernste« Melodien, einfach, Zoller musikalischen Schnörkel bar, waren ganz der feierlichen Gelegenheit angemessen. Nur empfand Ellen ein gewisses /Mißbehagen bei der Störung,' die durch das fortwährende Gehen nnd Kommen der Männer entstand. Ja. daß isogar viele bei deick wichtigsten Teil des Gottesdienstes sich, ganz teilnahmlos verhielten oder gar plauderten. Ellen blickte in das Gebetbuch, und sie sah, daß der Abschnitt, der eben vorgelesen wurde, von dev Geburt Jsaks, des Sohnes Abrahams und Saras handelte; ferner von der Vertreibung Hagars und Mnäels aus dem! Hause des Patriarchen; wie Mutter und Kmd sich in den Wüste verirrten, durch den Beistand Gottes aber vor dem Tode des Verschmachtens bewahrt blieben. -Nach diesem wurde noch ein Prophetenabschnitt aus dem' Buche der Richter vorgetragen, der von Hannas Kinderlosigkeit und von der Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches durch die Geburt Samuels handelte. Für Ellen waren beide 'Abschnitte-von besonderer Bedeutung: sie erachtete es als eine günstige Vorbedeutung, daß gerade bei ihrem ersten Erscheinen im Gotteshaus« der geheiligte und erhabene Gegenstand der Mutterschaft den wichtigsten Teil des Gottesdienstes bildete. Zum erste« Male fühlte sie sich frei, unt sich ohne Grübeln unb! Nachdenken diesem Gegenstände hingeben zu dürfen. wohl,'mit der ganzen Kraft ihrer Seele wünschte sie,, des Muttergllickes teilhaft zu werden.; (Fortsetzung folgt.)