Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 42 (10.11.1921)
- Date
- 1921-11-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2693227-2693269--11655-2707140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1489. II! .- ember. Lebens- Libin. ember. auspiel Sordin. ember. onlm &kten len. :iuber. lügen kfurt i n) i Josef imber. Laie in 11s dem isstdck irdin. Not. io Bild . Leben* lieb. „ Hotel 10 Uhr k. gar iwolle fe r a h L ] 273 inen. m Ibbp m) izt als rinn» isare , emplinjger beite Ada. sreins. ikonto' Main. Milrlidurch, er; ... FrankfurterLfraeliiischesFamilienblatt Erscheint wöchentlichem Donnerstag. Bezugspretspro Vierteljahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 frei ins Haus. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 30.00, für Ausland 10 franz., 5 schweiz. Frcs„ 3holl. Fl-, 6 Shilling, 2 Dollar jährlich, im Voraus zahlbar. Redaktion und Spedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis Jnsertionspreis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile' 200 Pfg., für die RMamezerle Mk. 5.—. Platz» und Datum» Vorschrift ohne Berbindlichkeit. Annoncen»Lnnahme bei der Expedition und in allen «nnoncrn-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. IS. Jahrgang. Donnerstag, den S. Cheschwan S«82 (10. November 1921) Nr. 4 4 Der Turmbau zu Babel. Seit drei Jahren sitzen nunmehr die Diplomaten der intente und beraten über die Verteilung der Welt und ommen zu keinem Ende. Mit verheißungsvollen Versprech« mgen hatten sie ihre Beratungen begonnen, hatten verprochen, die Menschheit solle unter dem Banner des Rechts wfblühen, allen Völkern solle Freiheit unv Glück »erden, — statt dessen sind die Saaten, die die welt- «glückende Diplomatie streute, wie Drachcngift, Unheil cr- Mgend, aufgegangen. Denn in dem gleichen Augenblick, in inn die Diplomaten sich an den grünen Tisch gesetzt hatten, hatten sie auch schon ihre guten Vorsätze vergessen und »aren nur von der einen Sorge beherrscht, daß jeder ne Machtsphäre seines Staates ausbreite. So wurde ein lletz gesponnen, dessen Maschen mit jedem neuen Beschlüsse >er'Führer der Großmächte sich nur noch nichr verwirrten.' Eine Unruhe hat die.Menschheit erfaßt, mächtiger a's im Kriege. Denn, daß der Krieg- Tod für tausende blühende Menschenleben bedeute, wußte man, — daß aber der Frieden nit unbarmherziger Hand in die Lebensgestaltuug der Geämtheit störend eingreist und das ganze Volksleben nicht ,ur Ruhe kommen läßt, ruft eine ungckannte Verwirrung mb Bestürzunghervor. Der Mensch kennt sich nicht mehr ms; stockt er doch mit vernünftigen und moralischen Er» »ägungcn, da jetzt in der Welt anscheinend die Dinge auf »ent Kops stehen. Wer ohne moralische Hemmungen seine Maßnahmen trifft, schwelgt im Ueberfluß — so. in den beiegten Ländern all die Tausende und Abermalstansendc, ne mit ihren Valutaspekulationen ans immer weitere Vcrlendung ihres Vaterlandes. spekulieren und hinarbeiten —, »ährend der Gott vertrauende, von den Forderungen -der Moral geleitete Mensch unsicherer, eingeengter und dürs» iger als selbst in der schlimmsten Zeit des Krieges lebt. Oer tosende Sturm der Zeit hat den Schlamm nach oben Kracht, hat überall aufgewühlt und zerstört, — und Vorlebens schaut das Auge nach Zeichen der Beruhigung. Und warum all' diese Verwirrung? Weil der Turm- 'mi zu Babel, der die Weltgeschichte einleitet, sich, heute: viederholt, weil die Machthaber der Erde auch heute wieder ich zum Ruhme einen Bau für die Dauer der Zeiten irrichten wollen. Wie beim Turmbau von Babel konnte mr Zwiespalt und Verwirrung die Folge solchen Bcginicns sein. * Und wie damals der Menschheit ein Weg zum Lichte legeben wurde durch den einen Wraham, der Gott erännte und deshalb nicht, wie es im dieswöchentlichcn Proihetenwort des Jesaja heißt, nur deshalb dem Nächsten jalss wenn es' sein Eigennutz erforderte, sonst ihn aber ich selbst überließ, der vielmehr nur von dem einen Streben feleitet war, zum Segen für seine Mitmenschen zu werde», - so führt auch aus dem' Labyrinthe der Gegenwart nur w Weg, der Weg, zum Segen werden zu wollen. Abraham »ar ein einzelner und wurde mit dem Lebensziel, zum Legen werden zu wollen, zu einem Volke. So kann auch jeute'die Rettung von dem einzelnen, von jedem einzelnen, »orbereitet werden,, trotzdem die Völker andere Wege wan» «ln. Das' ist der Trost des einzelnen Menschen in dieser feit, . auch wenn er sich damit zuerst zu dein Verzicht ms materielle Güter verstehen muß, wie sich einst Abraham mn allem loslöste, um dorthin zu wandern, wohin Gottes Vorf AEwks. -. Marshall über das jüdische HUfswerk. (JPZ)i Louis Märshalh der Präsident des- American - zewish. Copimittee führte in seiner Begrüßungsansprache mläßlich der Beratung der jüd. Philanthropen Amerikas i. a. folgendes aus: : . , Seit Ausbruch des Krieges haben die amerika-iischen Juden 47 Millionen Dollar aufgebracht, und man kann Wohl sagen, daß sie weitere 23 Millionen an ihre Verwandte» in Europa gesandt haben. Wenn wir annehmen, daß die jährliche Durchschnittssumme, die wir während der letzten 7 Jahre für Hilsszwecke gespendet haben, 10 Millionen Dollar beträgt und weiter annchmen, daß 3 Millionen Juden im Osten unsere Unterstützungen empfingen, betrug unsere Spende pro Kopf und Jahr 3.33 Dollar. Mau muß jedoch berücksichtigen, daß die während der letzten 7 Jahre für Hilfszwecke aufgebrachten 70 Millionen nicht zur Gänze für die Hilfe au Notleidende im Osten verwendet werden konnten. Das „MC" hat Hunderte von Beamten und Vertretern in allen Teilen Ost- und Zentraleuropas und viele Büros zu unterhalten. Zumindest 5 bis 7 Prozent des gesammelten Geldes mußten für die Aufbringung und Verteilung verwendet werden, sodaß eine beträchtliche Summe von diesen 70 Millionen in Abzug gebracht werden muß. Das, Geldüberweisungs-Büro des „IDE" hat sich als kostspieliges Unternehmen erwiesen zufolge des rapiden Sturzes der polnischen Mark, und der jüdische Spender in Amerika war der Verlusttragende. Seitdem große Summen für. kulturelle Zwecke verwendet werden, muß das Central Relief Committee und das „People's Relief Committee" 33 Prozent seiner Gelder für,den Unterhalt von Schulen und anderer kultureller Zwecke verausgabe», wieder Millionen, die gleichfalls von den 70 Millionen, die wir für Hilfszwecke gesammelt haben, die hauptsächlich für Brolverteilung, Medikamenle und Obdach leslimmt waren, in Abzug zu bringen sind. Wir besitzen keine statistischen Tabellen, aber wir können wohl sagen, daß nicht mehr als 50 Millionen Dollar für sofortige Hilfe, d. h. sür Suppcnknchen, Obdach, Kleidung und Unterstützung au Einzelne verwendet wurden. Es ist eine beträchtliche Summe, aber da Millionen Menschen die Empfänger dieser Unterstütznng sind, ist der Betrag, der den Einzelnen zugut kommt, nur ein geringer. Der größte Teil der Notleidenden mußte unbekleidet, ungesättigt und ohne Medikamente gelassen werden, und ohne das große Hilfswerk ddr russischen Juden in den ersten Kriegsjahren und die Kooperation der englischen, südafrikanischen, französischen, italienischen und deutschen Juden an dieiem Hilfswerk hätten Zehntausende vor Hunger sterben müssen. Die jüd. Gemeinde von Moskau, obwohl klein au Zahl, hat in den ersten Kriegsjahren 5 Millionen Dollar sür Hilfszwecke aufgebracht. Andere Wohlfahrtsvrreine Rußlands hxiben ähnliches geleistet. Auch die deutsche Juden heit blieb den Leiden der Ostjudeu gegenüber nicht gleichgültig. Einige Jahre hindurch waren die polnischen und litauischen Juden von der Hilfe der deutschen Judenheit abhängig. Während der Zeit, da die amerikanischen Juden keine Verbindung mit den Juden Polens chatten, fiel es der deutschen Judenheit zu, unsere Brüder inr Osten vor dem Hungertod zu bewahren. Das große amerikanische jüdische Hilfswerk in Polen und Litauen wurde nach dem Waffenstillstand begonnen, und in Rußland und Ukraine haben wir gerade jetzt mit der Organisierung unseres Hilfswerles angefangcn, weil Win bisher keinen Zugang zu diesen Ländern hatten. Die Juden Zentraleuropas jedoch hatten mit den Juden in Sovietrußland Verbindung und durch diese mit den Juden in der Ukraine. Und die Berbindungsmöglichkeiten haben dazu geführt, daß sie die Hauptbürde der russisch-unkrainischen Hilfe zu tragen hätten. Wir müssen diese Tatsache besonders erwähnen, da zahlreiche Juden Amerikas glauben, daß die 7 Millionen verarmter Juden des Ostens, von denen zumindest 3 Millionen Inden auf unsere Hilfe angewiesen waren, während der letzten 7 Jahre die Pensionäre der amerikanischen Judenheit gewesen sind. Dieses könnte nicht der Fall sein, weil die umfangreichen Summen nicht genügten, auch nur eine Million Pogrom- und Kriegswaisen während dreier Monate zu ernähren. Es war die Zusammenarbeit der Gesamtjudenheit der Welt,- welche die Ostjudeu vor völliger Vernichtung gerettet hat. Patrick Geddes über Palästiua. Patrick Geddes, Professor an der Universität Bombay, sprach in dem berühmten Narishall College zu 'Aberdeen (Schottland^ vor einem zahlreichen und erlesenem Publikum über seine in Palästina gesmnmelten Erfahrungen. ' Eingangs seiner Worte nannte er die Befreiung Palästinas von der türkischen Herrschaft eine Mission, deren hauptsächliche Bedeutung in der Wiedererschließung des Landes für das Volk Israel liege. Er führte sodann ans: Die gegenwärtige Aufbauarbeit verlange allerdings die Hingebung eines ganzen Volkes: aber wenn man nu^ die bisherigen Ergebnisse im Lande selbst betrachte, werde man zuversichtlich in die Zukunft schauen. Wo im letzten Jahrhundert kleine jüdische Ackerbaukolonien standen, befinden sich jetzt blühende Dörfer und Farmen. Die Arbeit der Zionistischen Organisation hat die europäische Meinung von der ausschließlich kaufmännischen Begabung des Juden ad absurdum geführt; die jüdischen Kolonisten führten schon heute bedeutende Erträgnisse ihrer Wein-, Oliven-, Mandel- und Orangenplantagen nach Aegypten aus. Besondere Bedeutung legte Geddes deni Projekt des Ingenieurs Rutheuberg bei, das die Schaffung elektrischer Kraftanlagen in verschiedene» Teilen des Landes vorsieht und von den britischen Zentralbehörden bereits genehmigt ist. Die unmittelbar bevorstehende Verwirklichung dieser Pläne sei von doppelter Bedeutung; einmal schasse sie breiten Spielraum 'für gewinnbringende jüdische llnternehmmigen, dann aber trage sie wesentlich zur friedlichen Durchdringung des Landes bei, weil sie den arabischen Bewohnern ebenso wie den jüdischen wachsenden Wohlstand verheiße. i 'Auf die Lage in den Städten eingehend, erläuterte der Vortragende die Baupläne für Jaffa und Haifa, die bei-ä den Hauptseehäfen Palästinas und sür Tiberias, wo die berühmten Bäder des HcrodcS einer völligen Erneuerung cntgegengehen. So stehe Palästina iM Zeichen einer gewaltigen wirtschaftlichen Arbeit. Und doch dürfe man nicht glauben, daß damit die Bestrebungen der gegenwärtig dort Wirkenden erschöpft seien; im Gegenteil: jede entfaltete Energie wirtschaftlicher Art empfange ihr eigentliches Ziel erst von der cinnial erkannten Kuliuraufgabe. Schon seit 1840 habe in Jerusalem eine 'Art Universität bestanden, denn jenen Gruppen jüdischer'Menschen, die seit jener Zeit die Stadtbewohner, um nur ihrer Frömmigkeit und Gelehrsamkeit zu leben, fehlte lediglich die Organisation, um die verhältnismäßig größte Universität der Welt zu bilden. Hier wolle nun die Zionistische Organisation mit der Gründung einer großen hebräischen Universität helfen. Der Entwurf sehe einen großartigen Bau im alten Kuppelstil vor, der von Wandelhallen, Laboratorien und besonderen Lehrstätten für Kunst und Gewerbe umgeben sein solle. In allen Ländern mit jüdischer Bevölkerung werbe man bereits für die Universität, und man dürfe überzeugt sein, daß das gesamte Judentum sich bemühen werde, seinen Gelehrten eine würdige 'Arbeitsstätte zu bereite». Grez Israel. Die Entwicklung Tel-Awiws. Während des Sommers wurden in der jüdischen Stadt Tel-Awiw (bei Jaffa) 140 neue 'Gebäude errichtet, von denen 07 ein-, 22 zwei- und 15 dreistöckig sind. Auf diese Weife erhielt die Stadt' insgesamt 730 neue Wohnräume. Die durchschnittlichen Kosten für einen Raum betragen 200 ‘ äg. Pfund. Die Juden Tel-Awiws investierten allein 140000 Lstrl. in diese Neubauten. Die Jasfaer arabische Zeitung „El Achbar" schreibt u. a.: „Man muß in Verwunderung geraten über die zahlreichen Bauten, die bis zum Meeres Hafen ostwärts und. nordwärts reichen. Llm Meeresnser wird ein gewaltiger Ban errichtet, der ein großes Theater, Kino. Restaurant, Kasfeehaus, Badehaus usw. mnsassen wird. Wenn man seinen Blick weiter wendet, sieht man breite Straßen und große Bauten mit hohen Stockwerken . . . DieI alles weist auf die große Energie und Bereitschaft nutz die vervollkommneten Methoden der Ausführenden hin." (Ziko.) Die Universität. * - Dr. Hilkowitz, Vertreter des fast 6000 Mitglieder zählenden Verbandes jüd. Aerzte in Amerika, weilt seit kurzem hier. Wie er sagt, verfügt der Verband bereits über 300 000 Dollar für den Ban der medizinischen Abteilung der Jerusalemer jüd. Universität. Es werde wohl eines der bestehenden Krankenhäuser übernommen und entsprechend ausgebaut werden. Zusagen der angesehensten Wissenschaftler» einen Lehrstuhl zu übernehmen, lägen bereits vor. Zar Krage -es Mandat. Wie die „Wien. Morgenztg." berichtet, hat die Agndas Jisroel-Otrganrsatron auf ihre Bemühungen