Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 40 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2692297-2693227-2693267--11641-2707124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Frankfurter Israelitisches Familienblatt , Erscheint wöchentlich am Donnerstag. BezugsprelSpro Vierteljahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 frei ins Haus. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 30.00, für Ausland 10 franz., 5 schweiz Frcs„ 3 holl. Fl., 6 Shilling, 2 Dollar iLhrlich. im Voraus zahlbar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis Jnsertionsp reis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile 200 Pfg., für die Reklamezeile Mk. 5.—. Platz- und Datum- Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Annoneen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. 19. Jahrgang. Freitag, den 26. Tischri 5682 (28. Oktober 1921) Nr. 40. Tauw meand. Wieder ist die Thora von neuem 'ausgerollt worden, und ihr Beginn gibt einen Blick in die Werkstätte des Lchöpfers unseres Weltalls. Die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens muß bis zur Schöpfung znrücksiihren, den» in dem Werk der Schöpfung entscheidet sich das Verhältnis.zwischen Geschöpf und Schöpfer. Nicht mit ei n cm Wort ward die Weitensülle, sondern in sechs Abschnitten vollzog sich ihr Ausbau. 'Wäre sic mit eine m Worte in die Erscheinung getreten, dann wäre die Erde nichts mehr als ein Weltenkörper unter den Weltenkörperu und der Mensch nichts mehr als ein Geschöpf unter den Geschöpfen. Doch so erhieltenalle Weltenkörper — Sonne, Mond und Sterne — iii der Erde ihren Daseinszweck' und aus der Erde die Pflanzenwelt, die niedere und die höhere Tierwelt mit dem Menschen ihre Zweckbestimmung, so daß der Mensch es ist, sür den die Erschaffung der Weltenkörper und allen Seins der Erde geschah. F-ür dieses Ziel war jede einzelne Schöpfung „tauw", gut, also zweckmäßig, und die Schöpfung in ihrer Ganzheit „tauw meand", sehr gut, also in höchster 'Bollendung. Der Mensch ist der Ziyxck aller Dinge, — und der Sllcnfd) ist im Ebcnbilde Gottes geschaffen. So hat er das seinem Wesen Gemäße um sich herum, mib seiner Seele ist Gottes Odem eingehaucht. Höchste Bollendung zu erreichen, ist ihm gegeben. Gott hat ihn in ein Eden hineingesetzt, und wenn sich jede Menschengenerativn gleich dem ersten Menschenpaar aus diesem Eden vertreibt, liegt dieS nicht an irgend einer llnvollkomnicnheit der Dinge oder des eigene» Innern, sondern einzig an dem Mißbrauch des sreien Willens, der verhindert, daß der Mensch das Eden nach der Stimme Gottes bearbeitet, und daher ans einem Eden eine Wildnis macht, der jeder Pfad und jede Frucht. im Schweiße schwerer 'Arbeit abgernngen werden muß. Am Sabbat vor Simchas Thora, am Sabbat vor dem Tage, an dem wieder die Thora von Anfang an aufgerollt wird, gibt uns der Väter Weisheit das Buch Kohelek in die Hand. Der Menschen tausendfältiges Streben nach dem Glücke wird dort geschildert und nachdem es als nichtig, abgetan ist, dann mit den Worten geschlossen: „Alles-wird vernommen, fürchte Gott und halte seine Gebote, denn 'das kann jeder Mensch. Denn alle Taten bringt Gott zu Gericht, auch wenn sie verborgen sind, ob sie gut oder böse seien." Das Geheimnis des Sinnes seines Lebens liegt geöffnet vor.jedem Menschen. Ein treuer Sachwalter Gottes in seiner Welt zu sein, indem er stets dem Rufe der Gottesstimme folgt, ist sein Eden aus Erden und verwandelt, wenn einst die ganze Menschheit diesem Ruse folgt, die Erde wieder in ein Eden. „Fürchte Gott und halte seine Gebote", das ist der Sinn des ° Lebens und ist allein sein wahres Glück. Brief aus Mexiko. 31. August: — . . . Wir haben jetzt auch im schönen Mexiko eine ganz stattliche Zahl ostjüdischer Emigranten,' von denen die meisten natürlich ohne einen Pfennig in der .Tasche herkamen. Ilm unliebsame Vorkommnisse zu verhüten, — denn die Eingeborenen stellen sich unter einein Juden immer noch ein gehörntes Wesen mit einem Schwanz vor —, haben sich die hiesigen Juden zuscünmengctan, — und-nach verschiedenen kleineren Versuchen hat sich unter! Mithilfe der Bnei Brith - Loge und der Hias ein Hilfskomitee gebildet aus den Vertretern der verschiedenen Nationalitäten, die hier ansässig 'sind, und habe, ich auch daS Vergnügen, diesem Komitee als Vertreter der deutschen Juden anzugehören. Große Harmonie hat natürlich unter den Juden der verschiedenen Nationalitäten während des Krieges nicht ge-> herrscht. Auch jetzt noch ist das Verhältnis im großen und ganzen sehr ki'zhl. 'Aber -da hier eine gemeinsame Gefahr bestand — indem, wenn nichts zugunsten der Einwanderer' geschehen wäre, balo der Antisemitismus großgeziichtct worden wäre —, gelang cs uns, die meisten Juden zusmnmenjznbringc», sodaß sie jetzt >eine monatliche freiwillige Unterstützung Heben, die es uns ermöglicht, den mittellosen Eins- Wanderern mit Rat und Tat zur ^eite zu stehen. Die weitaus größte Zahl der hier ansässigen Glaubensgenossen sind Araber und Türken, unter denen es sogar 'einige sehr wohlhabende Leute gibt. Diese haben schon vor Jahren hier eine Schule und einen jüdischen Friedhof gegründet und unterhalten einen regelmäßige» Gottesdienst. Während Roschhaschoiivh und Jomkippur ist seit vielen Jahren in einem Lokal ein besonderer Gottesdienst abgehalten, worden, der meist von amerikanischen Juden, de» elsässischeu Juden und den amerikanischen Ostjuden (alle Galizianer, Polen, Russen usw., wenn sie ein paar Jahre in den Staaten gelebt haben, nennen sich Amerikaner) besucht ist. Jetzt ist zum ersten Mat eine Bereinigung der meisten Juden zugunsten der Einwanderer gelungen unter dem Vorsitz des allseits beliebten Dr. Uhlfelder, eines dev besten Aerzte, die wir sin der Republik haben. Dieser- Zusammenschluß der verschiedenen Glaubensgenossen wird wohl über kurz oder lang eine weitere Ausbildung jüdischen Lebenshier zur Folge haben, indem zweifelsohne der eine odey andere der Einwanderer sich: dauernd hier ansässig macheri wird, und da auch,' unter manchen der hier bereits ansässigeik Juden schon der Wunsch nach einem engereu Zusammen^ schluß laut geworden ist. . . Es dürste Sie interessieren, zu erfahren, daß laut den alten Annalen der spanischen Bizekönige h:er schon vor Jahrhunderten eine jüdische Gemeinde bestanden hat, und wenn ich nicht sehr irre, wurden hier sogar auch einmal Inden zur höheren Ehre und Freude der Jungfrau „geautodase-t". -4. September: — ... Ich bin wieder nicht dazu gekommen, den Brief zu Ende zu bringen, so will ich es denik jetzt tun. Dieser Tage ■ Int sich hier ein Verein gegründet, der den Zweck hat, jüdisches Leben zu pslegeü. Die Gründer sind seit wenigen Jahren hier lebende Ostjuden, jetzt aniserikanischer Nationalität, die diesen Verein wohl nach amerikanischem Muster zu einer 'Zornig Mens Hebrew Association ansbilden werden. Roch habe ich nähere Details nicht in Erfahrung bringen können. Jedenfalls habe ich mich nicht getäuscht, wenn ich sagte, daß über kurz oder lang auch Hier ein gewisses jüdisches Leben erstehen wird. Die hier lebenden deutschen Juden halten sich indes alt diesen Bestrebungen völlig fern, waS um so weniger zu verwundern ist, da so. manche unter ihnen mit einheimischd.ii Frauen oder Spanierinnen verheiratet sind, also in Mischehe leben oder infolge der Heirat zum Katholizismus übcrtraten. Die elsässischen oder französischen Juden 'dagegen heiraten meistens mit Jüdinnen, und es finden sich bei ihnen Mischehen nur sehr selten. Dagegen findet man unter den amerikanischen Juden.hier wieder Mischehen mit Eingeborenen. , lieber die Ehen der türkischen und arabischen Juden bin, ich nicht informiert, da ich so gut wie keinen Verkehr mit diesen habe und nur vereinzelte persönlich kenne, Uebrigens unterscheiden fisch diese Glaubensgenossen wieder, oder besser gesagt, man teilt sie wiederum ein in arabische Juden, türkische und syrisch-libanesische. Der größte Teil von ihnen zieht als Hausierer im Lande umher oder hat eineu kleinen Handel in Baumwoll- und Seidenwaren und Kurzwaren Sie werden don der Bevölkerung im allgemeinen wenig geachtet und hatten auch während der Revolution viel zu 'leiden. D>ie Eingeborenen behandeln sie meist gleich deir Ehinesen. - - - Englische Juden gibt es nur sehr sehr wenig. Ich kenne, persönlich in der Hauptstadt nur einen einzigen, und der ist ein kleiner Agent. Es kann sein, daß es unter den Petroleumleuten welches gibt. Es leben hier auch ein. paar italienische Juden. Natürlich gibt es auch Juden, die sehr reich sind, von denen besonders hervorzuheben sind, zwei Oesterreicher (Brüder), die unweit der Hauptstadt eine große Spinnerei und Weberei haben, zwei Franzosen, die Mitinhaber einer der bedeutendsten Juweliergeschäfte der Republik sind, ein Amerikaner österreichischen Ursprunges,. der bei der größten Petroleumgesellschaft einen hohen Posten bekleidet. Auch ein Frankfurter Jude wäre auszufiihren, der in der Erzbranche arbeitet, und irülser wenigstens sehr reichwar, durch de» Krieg aber einiges verloren haben dürste. Er ist mit einer Eingeborenen verheiratet, ich glaube, seine Frau ist von spanischer Abstammung, aber im Lande geboren. Vor kurzem hat sich ein Mannheimer Jude, der an der Börse hier arbeitet, mit einer Spanierin verheiratet, doch weiß ich nicht, ob er' sich hat taufen lassen. Erez Israel. Rahels «rab. Die Araber erhoben Anspruch ans Rahels Grab. Die Bdsipsrage wird daher von der Regierung entschieden werden müssen. Im „Doar Hajom" weist Alchaliah auf Grund historischer Daten nach, daß noch vor mehr als 300 Jahre», und zwar 1615, als Mahmud Pascha zum Gouverneur von Jerusalem proklamiert wurde, zu dessen Zeit der Jischub im heiligen Lande sich zu entwickeln begann, er die gerechten Forderungen der Juden anerkannte und. ihnen das Grab, nachdem er es wieder restauriert hatte, zuerkannte. Aber bereits noch. früher, im Jahre 1508, schrieb oer arabische Schriftsteller Magir Edin über dieses Grab, es -als einen heiligen Ort der Juden bezeichnend. Wo waren denn damals die arabischen Gelehrten, und warum beanspruchte damals keiner von ihnen das Grab für die Araber? Wemtz man die Ansichten sämtlicher jüd. und - christlichen Historiographen vom 10. Jahrhundert bis heute verfolgt, so findet man, daß sie alle dieses Grab als jüd. Besitztum bezeichnen. Wer sich nur halbwegs iu der jüdische.» Geschichte aus kennt, noch von den Zeiten Benjamins von Toledo (1170), Rabbi Psachjah aus Regensburg, Ramban, Owadjah aus Bartenura', Isaak Caro her bis 1866, in welchem Jahre Mose» Moutesiore die Wölbung über dem Grabe wieder Herstellen ließ, jeder der etwelche Geschichtskeiintnisse hat, weiß, daß,-wenn irgend ein jüdisches Heiligtum in Palästina vorhanden ist. auf das bisher weder die Muselmanen noch die Christen Anspruch erhoben haben, dies das Grab Rahels ist. Es handle sich daher jeyt darum, gleich jedem Versuch der Streitigmachmig eiitgegenzutreteii. Eine Aeutzerung Herbert Samuels. Als Sir Herbert Samuel jüngst die Stadt Haifa, besuchte, sagte er zu dem dortigen Rabbiner, zahlreiche Inden glaubten ganz grundlos, ihre Hoffnung sei vereitelt: die, Juden seien ein Volk, das entweder himmelhoch jauchzend.: oder zu Tode betrübt ist: der zionistische Gedanke iverde sich: allmählich, jedoch mit Sicherheit durchsetzen. Die Zusammensetzung Ser ueue« Gendarmerie in PalSftisa- - Die vor zwei Monaten begonnene Umbildung der pa» -lästincnsischen Gendarmerie ist nahezu abgeschlossen. Es bestehen gegenwärtig drei Lager, davon ein» bei Rosch-Pinatz izum größten Teil Juden), ein anderes in Dschejnin zum größten Teil Araber) und ein drittes in Jerusalem. Das' letzte Lager vereinigt ca. 100 jüdische und 100 nichtjüdische Gendarmen. - . Elektrische Kraft. Zwischen dem Gemeindevorstand von Risch on-le- Zion und einer Prager Gesellschaft ist ein Vertrag über Lieferung von Wasserleitungen und eleltrischer Kraft zustande gekommen, ^durch dessen Ausführung die Gesamtproduktion der Kolonie beträchtlich vergrößert und vor allem! eine eigene Gemüsezucht ermöglicht wird. Aus einer Bekanntmachung des Stadtrates von Haifa! geht hervor, daß die SlirSkverwaltuirg elektrische Beleuchtung einführeu will. Verschiedenes Ein polnischer und ein amerikanischer Jude errichten «r Jaffa eine W e b w a r e n f a b r i k. Sir Herbert Sa ». muet empfing die beiden Unternehmer. — ' Vom 1. August bis 13. September wunderten 633 I u d e n in Palästina ein.