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Neue jüdische Presse · 1921-09-15 · Heft 35 (15.9.1921) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 35 (15.9.1921)
Date
1921-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Erscheint wöchentlich am Donnerstag. Bezugspreispro Vierteljahr: In Frankfurt am Main Lei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 stei ms HauS. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 30.00. für.Ausland 10 franz., 5 schweiz. Frcs„ 3 holl. Fl., 6 Shilling, 2 Dollar sührlich, im Voraus zahlbar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße I Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis Jnsertionspreis für.die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile ISO Pfg., für die Reklamezeile Mk. 3.75. Platz- und Datum- Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bet der Expedition und in allen Annoncen-Bureaus. — Konto Sei dem Postscheckamt in Frankstrrt a. M. unter Nr. 4864. 19. Jahrgang. Donnerstag, de» 12. LUuI 5681 (15. September 1921) Rr. 35. Die Karlsbader Tagungen. Depesche deS DberkommiffarS Sir Herbert Samuel. „Ich sende dein Ziouisteniongres; meine herzlichsten Oirüßc und srcne mich, das; die Verhältnisse seine» Wiederzusauinientriit gestatten. Ich bin 'überzeugt, das; seine Beratungen zu Fortschritt und Frieden führen tverden, welchem 'siele meine Bemühungen dauernd geividmer sind." . Depesche der englischen Regierung ..Ich bitte, dem Kongres; die herzlichsten Wunsche der rliegiernng Sr. Majestät zu nbcrmirteln, die das Pertrauen lat, das;'es Ihnen gelingen werde, Palästina wieder anfznbaueu.. Die Inden und die 'Araber' tverden in einem glücktichcn Valide vereint' sein." A»S der Generaldebatte des Zionistenkongreffes. De. M ä r t i n B u b e r: „Erez Israel bedeutet für uns voh allein die.Rü'ckkehr aus dem parasitären Lebe», i» dem wir die Werte, die andere Völker schufen, ansnnpe», zum vollständigen Volksleben, zur Verbundenheit mit der eigenen leide. Es darf nicht' in Erez Israel ein Golnrh geben . . . Diploinatie kann nicht erlösen: sic kann nur die Geulah der' wirklichen Arbeit im Volk und Land erleichtern . . . Unsere Bewegung ist in erschreckender Weise zu einem Betrieb geworden,' und am deutlichsten vielteicht zeigt sich, was ich meine, au der Ideenlosigkeit unserer inneren Kämpfe. I Was der Welt sichtbar wird, das ist Agitation statt Erziehung, Leichtniachen statt Schwerniachen, Perbillignng des Ideals ... . - Es gibt nur einen echten Heroismus in Palästina, den I Heroismus der Arbeit ... Die primitivsten Bedingungen unserer Arbeit hat die Diplomatie zu erwirken. Hat sie da-S getan'? Kann einer daraus ja antworten, heute, da vier Jahre nach der Balfour- Deklaratiön wir kSinpfen. müssen in» das Recht unserer ireien Einwanderung? . Und nun die Arabersrage? . . ." D r. Os i a s Thon, Rabbiner in Krakau:. „Die Balsour »Deklaration ist unbefriedigend. . . . Ter Kongres; mns; I die .-Ratifizierung des Mandats fordern. I -In der Frage des amerikanischen Konfliktes stehe ich und viele Zionisten mit mir auf Seite unserer Führer. I Ein ärncrikanischer Brandeis-Zionist sagte'mir, er wäre ein I ötonomischer, aber kein nationaler Zionist. Aber was ist I der Zionismus ohne Rationalismus? Sie tomnie» nicht als I Mitarbeiter,' sondern wollen nur Führer sei». ..." I Jean Fischer-Antwerpen verlangt u. a., das; ein | Beamter der Zionistischen Organisation nicht Mitglied des l A.- C. und nicht — Delegierter auf dein Kvngres; sein dürfe. I B e r l $i a'z n 11 s o n (Palästina): „Die jüdischen Mas- I sei, haben von Herbert Samiicl viel erivartet. Heute ist man I schwer enttäuscht, —- und das hätten unsere großen Männer I vorailssehen müssen. Er hat »ns eine Administration ge- I geben, die Pogrome zur Folge yatie. Er har einen der wich- I tigsten. .Teilnehmer ä» den Pogromen amnestiert und ihm I einen Holsen Posten gegeben . . . Und dann das Verbot der I Einwanderung . >. stDie Pogrome lind die antisemitische Bewegung sind nicht I idcntlsch mit der arabisch-uationaleu Bewegung. Sie sind I diirch-st r e m d e Einflüsse zum Leben erweckt worden! Habt I keine. Ehrfurcht vor gekauften Mensche»! ... I - Wir niüssen jo schnell wie möglich unsere Einwanderung. I in . das'.'Paud vergrößern und »»seren .Schuh stärken." I D r. Meyer Eb n er -Czernowih ineint, das Duell I Weizmann -Brandeis. fei in Wirklichkeit' ein .stampf um das I »ativnale Prinzip gewesen. - ZurBesserung der Beziehung I zn den..Arabern sei nötig, das; die Ehalnzim auch arabisch I lcrneiw'- I Dr. . che m a r j a h n Lew in: „Wemi Brandcis I glaubt', .Palästina mit Geld und Sachverständigen anfbanen I zu können, irrt er. Ohne die Liebe znm lebendigen Indenrnni »in dies 'eiii Ding der Unmöglichkeit ... » Das' amerikanische Indentnin har sich nach zwei nega- » liven'. Richttuigen entwickelt: einerseits die antinationale I u'ligiöse Rcforiu, die sich zuineist'aus beu reichgewordencn I delltsHcii! Jnd'eit i rekrutiert, lind andererseits die aus dem I Dstelr ieingetoanderten Schwerarbeiter, die unter, soziälisti- I fchenTKnflnK!,geraten: sind: Während in der Reform der I Priester:Ddie?luflösnng des Judentums predigt,, verkündet »sie tnl.Gozitllismu» der Proletarier. Das war'die amerika- I nischeEnIwickluiig in den letzten 40 Jahre». Während nun I die Führer Anhänger der Reforrn waren, sind die'-Masse»»' I ans dem''Todesschlaf -erwacht, . und . Hieraus, entstand in > Amerika der Konflikt ztvischeir Masse und Führern." st ii r t B I » m e »'s e l d - Berlin: „Die Reorganisation muß die Mitarbeit der Richtzionisten bringen. Der Borschlag Simons, den Rahme» dadurch zu erweitern, daß ivir uns auf die Anerkennung des Basler Programms beschränke» und die nationale Politik dr» Landesvrganisalionen überweisen, kan» keine guten Erfolge haben . . ." David Flor ent in (Griechenland»: „Im Client sind alle Inden Zionisten. Man erinnerte sich bisher an den Crient aber mir zu Geldsaiiimlnngen. Der sephardische Iischuiv versteht die Landessprache und könnte die Vermittlerrolle ztvischen dem. jüdischen und arabische» Bolke über nclnnen ■ * U s s i s cki k i n : „Wir wollen uns einmal 'vorstellen, was gcschel,en.wäre, wen» der Waad Haziriui nicht tätig gewesen und das Geld nicht nach Palästina gekommen wäre. Der Iischnw wäre vollständig vernichtet worden. Der Boden, den wir gekansr haben, iväre in arabischen Hände» verblieben. 'Rene Häuser wären nicht gebaut, die neuen Sied lnngspunkte wären vernichtet worden, die Arbeiter hätten sie verlassen niüssen. Die Schule» wären geschlossen worden, und 5(10 Lchrerfaniilien hätten das Land verlassen müssen. Die. IN000 Ehalnzim der feilten IN Monate hätte» es nicht gewagt, einzuwandern, und sogar der alie Iischnw, desonders Petach Tikwah, wäre vollständig zngrnndegerichtet worden ... Die Lage ist schwer, ökonomisch und politisch. Aber die Galnthleiden sind Todesqualen, — und in Palästina erleben lvir die Geburtswche» eines, ncucn nationalen iüdischen Lebens. Unser Weg ist schwer. Wir brauchen zwei Arten von Elialuziin, solche, die Steine hauen, und solche, die gesteinigt werden!" ' Sokolows uud WeizmannS Schlutzreden zur Generaldebatte. R a h n m S o k o l o w , Präsident des Kongresses: „Ans unserem lebten stongreß >var »ock ein jüdisches Bolk in der international-politischen Begriffswelt: für uns und in unseren eigenen Augen waren Ivir es einmal, von anderen als Bolk anerkannt zn werden, — strebten wir. Aber im Laufe der -2000 Jahre der Diaspora wurde uns nie diese - ' Anerkennung zuteil. Lesen Sie die Geschichte der Indcnfrgge und der Emnnzipakion des lehren Jahrhunderts, — in deir Tausenden von Urkunden, Erlässen, Gesehen und Statuten werde» Sie diese 'Anerkennung nicht finden. Wir haben es endlich einmal erreicht: das nationale Heim für das jüdische Volk ... Im Zusammenhänge mir dieser prinzipiellen Tatsache steht die andere, nicht weniger wichtige, nämlich die Deklaration selbst, die Anerkennung unserer historischen Vcrknüpstfjeit mit Erez Israel und unserer historischen Ansprüche aus dieses Land unserer Bitter. Nie, seitdem wir von niiscrem Lande vertrieben wurde», haben die Völker diese Wahrheit anerkannt. Wir haben diese Anerkennung erreicht. (Großer, anhaltender Beisall.) Der Zionistenkongres; empfängt als solcher erst seht die Balfour-Deklaration. Sie ist an die Adresse eines vornehnien und edlen Zionisten, des Lord Rothschild, gerichtet worden: die eigentliche- Adresse ist das jüdische Volk, ist der Zionisteiiköngres;. Heute ist uiisere Repräsentanz versammelt, und durch sie erst Reu re erhält das jüdische Volk legitim das Dokument seiner Anerkennung und der Anerkennung seiner Rechte auf Erez Israel, i Stürmischer Applaus. Der Kongreß erhebt sich in feierlicher Begeisterung.) Diese Momente sind grundlegend. Die Würde, chic Schönheit, den ausstrahlenden Einflns; dieser großen Bestiinmnngcn müssen >vir Hochhalten. Das Berkleiner», das -Bagatellisieren dieser Akte überlassen wir — unseren Feinde»! ... Sind wir ei» Volk geworden, so müssen ivir auch die Konsequenzen ziehen ... Eine, schwere uud lange politische Arbeit steht uns bevor. Jedes Volk muß Politik nrachen. Wir sind in die Bölkerfainilie eingelreicn, und im Verhältnis der Völker zueinander gibt es nur zwei Wege, Diplomatie oder Krieg. Wenn man - die Verhältnisse reguliert haben will, muß man sie i'ibcrwackwn. Das ist.gewiß nicht die neue Weltordmiug, aber es ist die gegemvärtige Weltordunug. Ilm noch einige Worte über die Diaspora-Politik zu sagen, müsse» wir uns diezwei .Ansichten vor Augen führen, die cs darüber gibt. Die eine meint, sie müßte durch die Landesverbände gemacht tverden, die airdere. sie sei Tarife der - Weltorganisation.' Es ist tnanchmal eine Slktion durchznfül»- ren, die Gefahren eines'Pogroms abzuwende» oder ein politischer Schritt nottvcndig. Die Dogmatiker kommen und erklären, das sei nicht unsere Sache, sondern Sache der Laiidesverbüiide. Aber icl> erkläre Ihnen: Ich werde es immer als meine Sache anffassen. Ich werde im Rainen der Ziionistischen Crganisation interveniere»» offiziell, liochvffizielt, immer, wenn es gilt, für Ehre und Recht dcSjüdijche» Volkes einzuneien. Trünnisciier Beifall.! Werdenn soll es tun, ein >!oi»iiee, das einige hundert Philau-- thropeil oder ivir, die wir Millionen Juden vertreten? In Paris wurden die größten Arbeite» foiüohl für den Zionismns wie für den Schuh unseres Volkes vollbracht. . Ctne Paris wäre nicht London, — und es warerbebend zn sehen, wie sich die leidende Diaspora um »ns fcharte. Ich hatte diese Ardeit für einen integrierenden Bestandteil dc's Zionisinus. ..." Prof. Dr. E l, a i »i W e i z m a » n, Präsident der Exe-. kiitive: „England mit seinem' iveltniuspanueiideil Blick hat mehr und eher als irgend eine andere Ration verstanden, daß die Iudensrage wie ein Schatten über die Welt ln'ugeht, das; sie zn einer ungeheneren Krafr des Ansbaus iliid zu einer ungeheueren Kraft der Destruktivn weröeit kann. 'Und England hat verstanden — und darin liegt viel» . leicht ein kleines Be.rdienst von uns, daß wir dazu beigclragc» habe», daß es uns versteht —. das; diese Aus», ni'lhung des jüdische» guten Willens und die Kanalisierung der jüdischen konstruktiven MvSfic durch Palästina von nit» siel;euren, Ruhen wäre ... Die zweite Grnndlage ivar der Wille des jüdischen Volkes nach Palästina. Das waren die Gntiidpfeiler, auf denen sich das ganze Gebäude, die Balfonr-Deklarativn,. San Reino und das Maildat mir allen seinen Fehlern 'und, Lücken ausgcbe.ut har. Das waren die zwei Eckpfeiler . : . Meine Ausgabe war, Hindernisse zu 'beseitigen, einen Pfad zn schaffen. Ich envarrere, daß ans dieser Straße das jüdische Volk zn marschiere» ansangc» und durch diesen Marsch die Llraße erweiteril werde. Das »wschah über nicht. Das geschah nicht in dem Maße, wie es hätte jem ' sollen: darum ist unsere Arbeit, die am Anfang eine ehrenvolle 'Ausgabe war,- dazu gebracht Ivorden. daß man liente über sie als über „Diplomatisieren" sprechen kann. Nicht »icine Schuld war das: ich kann hier vor diesem Kongreß, sagen und kann es alich belegen, daß es noch keinen Juden swgcbcii har, der stolzer zn de» Mächten siesprochen hak als ivir. Aber es war notwendi.i, die errungenen politischen Erfolge in Taten zn verwandeln, damit die Diplomarie zur Politik werde. Hub hier möchte ich - Sie an erwas erinueru, das vielleicht im Gefecht vergessen worden ist. Rvch im Jahre 1018, ' während wir in den, zur Hälfte besevren Palästina unter Kauonendviincr arbeiten mußte», war das erste, was diese vielgeschinähte zionistische Kommission von der englischen Regierung verlangt hat, drei Sachen: wir haben verlangt, das; als Symbol' unseres historischen '.usamnienhangcs mit Palästina der Kötel hmnaarawi a» das jüdische Volk zurückgegcben werde. Wir haben zweitens die Gründungder jüdischen Universität verlangt und dritleiis, daß ein großer Teil der brachliegenden Ländereien jüdischen Händen zur. Bcarbeililng übergeben werden solle-. Wir waren also diese,» Prinzip, d,rs Sie alle mit so großer Geschicklichkeit forninlierc», nicht fremd, daß nämlich parallel mir der diplo» malischen Arbeit auch eine reelle Arbeit in Palästina gehen müsse, und daß sich diese diplomatische 'Arbeit ihre Stühputikle suchen müsse in der Schafsling von Dingen und Bedingungen in Palästina. Es. war aber nicht meine Aufgabe und'es war ailch nicht Sokolows Ausgabe, diese Bedinguiigen zn schassen. Dazu, Julius Simon, habe» wir dich geholt. Wir haben dir alle Karten in die Hände sp'gebeil und alle Mögtichkiten, die wir besaßen, »nd wir) haben gesagt: sei fertig am?. Juni, wemr am 1. Juni das Mandat erreitr wird. Und dieser 2. Juni kam. und es folgten Wochen und ein Jahr folgte darauf und du warft; iiichl fertig. Und darunr ist meine Slrbeit, Herr de Licme, auf das Diplonratisicre» .l»:rrlntergesunkcn ... Es rvbrden einmal andere Richter über uns richten und vielleicht gerechtere. Was wichtiger ist, ist diese tlngcheuer lragische Zeit, die von San Remo bis heute'verlaufen ist. Alis der Londoner Konserenz Jtmtöen wir alte hilflos da, und diese .Hilflosigkeit drückte sich aus in dieser' ungeheuren Diskrepanz von einem Budget von vier Millionen, das Uffischkin mit den Palästinenser» ausgearbeliet: hatte, und der Antwort der Amerikaner: Wir wissen nicht' einmal, ob wir Ihne» das kleine Budget bewilligen könne», das wir Ihnen bis heute geschickr haben. Jupiter zürnte, weit Uifijchkiir die Frechheit hatte, vier Millionen Pfundvom jüdischen Volk für den Aufbatl Palästinas nach San, Remo zu verlangen. Das war die Situation. Stolz er-- klärten wir den ciisllischen- Sraatsmäiliiern: Das jüdische, Volk

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