Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1921-09-08 · Heft 34 (8.9.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 34 (8.9.1921)
Date
1921-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2692297-2693227-2693261--11587-2707064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Erscheint wöchentlich am Donnerstag. Bezugspreispro Vierteljahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 frei ins Haus. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 30.00. für .Ausland 10 franz., 5 schweiz. Frcs„ 3 holl. Fl., 6 Shilling, 2 Dollar jährlich, im Voraus zahlbar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis JnfertionSpreis für die sechsgespaltene NonpareMe-Zeile 150 Pfg., für die Reklamezeile M. 3.75. Platz-und Datum» Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Annoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Rr. 4884. IS. Jahrgang. Donnerstag, den ö. Eliul 5681 (8. September 1921) Nr. 34. ler w. er* 21. tge 1 151: ikeI JOB «eo« sb in. sh M.;enh( Die Karlsbader Tagungen. Eindrücke. sSpezialbericht.) Karlsbad, 28. August. (Bgr.) Dein Frenideiistrom entgegen, der mir der austchcudeu Saison Karlsbad nach allen Richtungen verläßt, »neben Scharen jüdischer Menschen, die aus allen Ländern chnd Erdteilen ausbrcchen, um sich zwei volle und doch lurzc Woche» lang mit ihren zionistischen Gesinnungs- und Hlrbeitsgcnossen über die ernstesten Fragen der jüdischen Zukunft auszusprcchen. Jüdische Abgesandte aus sämtlichen taäten Europas, des neuen und des alten Jischuw von rez-Jsrael, von Südafrika, Amerika nsw. treffen zusame», und die Vielgestaltetheit des jüdischen Antlitzes, wie : das Galuth jchns, ofsentbart sich in dem Gewirr der prachen, der Mannigfaltigkeit der Typen und des Temperaentes; aber umso stärker und bestimmter, alle Unterchiede überwindend, kehrt sich aus jedem einzelnen die. leiiieinsame innere Linie hervor, das Urgcfühl des Zuiimineilgchörcns, Spaltung verwandelt sich ab zu Disfecnziertheit, wechselseitiger lebendiger Ergänzung, die Vorc r r s ch a f t des Hebräischen bilden hierzu den oißcren 'Ausdruck. Die- Stimmung, die über dem ganzen gebreitet liegt, »ispannt gleichzeitig Bewußtsein der eigenen Größe .wie jtf.ime Besorgnis mit die gestellte Ausgabe, Befriedigung ii Bewußtsein von noch so vielem Ungelöstem, Sehnsucht ic Willen;, nichts äußert sich in lautem Rausch, vcrantortungsboller Ernst, aber Freude an der Möglichkeit zur Ästung ossenbart sich cindriicksvolk jedem, der Feinsühliggcnug für scelenhafte Vorgänge besitzt. Roch vollzieht sich Anfang, Auftakt und alles deutet us Steigerung bis zu einem Höhepunkt hin, an dem fticnd wann noch ein begeisterter Durchbruch anschwel-! »der Kraft erfolgen wird. Karlsbad, 29. August. (Bgr.) Acht volle Jahre mußten verfließen, bis sich bieder die Möglichkeit ergab, einen zionistischen Wrttougreß, einzubcrufcn, dem die Aufgabe zufällt, als bemließende und gesetzgebende Körperschast 'die politischen, siiianzicllcn und kolonisatorischen Notwendigkeiten tlarzulellcn und die Richtlinien für die sich, ergebenden Ausgaben estzulegen. Auch genießt die Wahl der Exekutive besondere pedeutung: in den Tagen folgenschwerster Entscheidung war a- Schicksal des jüdischen Volkes Männern anvertrant, ie zwar durchaus auf Grund ihrer überragenden Führerhhigkeiten und -ihrer Leistungen berechtigt waren, als Verreter des jüdischen Volkes mit den Mächten zu verhandeln, ■ie aber in dem Augenblick Rechenschaft ablegen müssen, wo lercchtigte und unberechtigte Kritik das Vertraue» zu ihnen luterhöhleu und ihre Vollmachtstcllung in den Augen Engpuds und der übrigen in Betracht kommenden Staaten «einträchtigen könnte. Ohne irgend welche Voraussagungen Pben zu wollen, die sich ans schon vorhandeneöffentliche Mlenskundgebüngen stützen, läßt sich doch, schon ziemlich »ndeutig sehen,.daß der Kongreß sich stürmisch, für die Politik der bisherigen Führcr erklären wird. Die Fülle von Schwierigkeiten, Problemen, Ausgaben, lie der Lösung harren, ergibt sich schon aus der sprungnslen Entwicklung und Ausweitung, die die Zionistische Ormiisation in .' den Kriegsjahrcn ersahren hat. Zahlensähig'.wurden über e-ine Million Schekel abgettzt, der-nationale Gedanke drang sichtbar in immer weitere tchichten des jüdischen Volkes, um die einigenden Kräfte des icllal zu wecken, die ihn trotz seiner religiösen und lirischaftlichen Zersplitterung zu einer organischen Einheit Pischmelzen. Die Bedentüng. und das Ausmaß des 12. Zionistischen eltköngresses in Karlsbad läßt sich schon aus dem äußern -B i l d erkennen, das sowohl seine technische. Organiernng wie auch die'Fülle bedeutsamer Bortagungen ergibt, sin weitläufiges Haus, dessen Räume sorgsam für die »an nigfachen Büros hergerichtet wurden, zeigt ein ständiges 'ns und-Nieder eines Heeres, von Ordnern, Journalisten, »n. Beamte» und' Führern, die die ihnen obliegenden Berklichtungen erfüllen): Wofür strengste Disziplin Borge» Wieben ist. MÜN» An; Veranstaltungen erwähnen wir die von sämtlichen m uuWändern- Europas und von Palästina beschickte Weltigu ngder zio nistis chen Studenten. Auf ihr tat die verschiedene zionistische Intensität der Studenten-- s»ppen stark - hervor. -Der' Deutsche K. I- V. scheint gerade in Vieser' Beziehung zur Führerschaft ver jüdischen Akademiker berufen zu sein. .Hervorgehoben sei für die Leser dieser misrachistischen Zeitung, ^daß auch ein Vertreter des Misrachi — Friedman N — sprach und ausführte, es. bestehe die. Hoffnung, daß diese Konferenz der jüdischen Jugend engere 'Beziehungen zu. den Vertretern der jüdischen Tradition anbahnen werde. Weiterhin fand eine mehriätige Beratung des N a - t to na lfonds statt, sowie ein jüdischer Welttn rnt a g. Im Mittelpunkt des Interesses unserer Leser dürfte jedoch die We ltko n fere nz des „Misrachi" stehen, über die wir nachstehenden Verhandlungsbericht bringen. Weltkonferenz des Misrachi. Die Welkkonferenz des Misrachi wurde am 29. August im Etablissement sanssoucie eröffner. -Anwesend waren etwa IM Delegierte, darunter eine -Anzahl von Rabbinen und 3 Damen. Die Delegierten verteilten sich auf 16 Länder. Die Sitzung wurde von Professor Dr. P i ck eröffnet. Redner gedenkt der Opfer der Pogrome von Erez Israel und Osteuropa und erwähnt die verstorbenen Mitglieder, u. a. die Rabbiner Rabbinowitsch-Liverpool, Kramer-Wien und Kramer-Karlsruhe. Zum Vorsitzenden der Tagung wurde Teym-Abgeordncter Färb st ein- Warschau, zu Vizepräsidenten Rabb. Kowalsky, Dr. Rappaport, Rabb. Zitron (Jaffa). Meiner Berlin, N i s-f e n b a u m - Warschau, Hermann struck und Dr. Knoller sJugendorganisarion) gewählt. Daneben wurden in ein Ehrenpräsidium je 1 Rabbiner der hauptsächlich vertretenen Länder gewählt. F a r b st e i n übernimmt das Präsidium, er spricht von der -Ausbreitung der Organisation, die auf dem Zionistenkongreß mit m i n d e st e n s 120 Delegierten vertreten sein wird. Mit einer starken Fraktion wird der Kongreß rechnen müssen, aber dieser Umstand legt dem Misrachi auch starke Verpflichtungen auf. Der Kongreß wird das Mininlum unserer Forderungen feststellen müsse». Es ist notwendig, daß der Misrachi einheitlich und stark für seine Beschlüsse eintritt. Die Konferenz hat sich ferner mit den verschiedenen Fragen des Kongresses eingehend zu' befassen. Prof. P ick referiert über die Arbeit der Exekutive. Die Arbeit war anfangs.sehr schwer, weil die in Amsterdam gewählte Leitung, die an verschiedenen Orten ihren Sitz hatte, sich über ihren Aufgabenkreis untereinander .verständigen niußte. Es Hat sich aber bald deutlich gezeigt, daß der Misrachi sehr große Möglichkeiten hat insbesonders hat er in Polen alle Schichten des orthodoxen Judentums durchdrungen. Mit Freude stellt der Redner fest, daß der Misrachi die erste Organisation gewesen ist, die ihre Leitung nach Erez Israel.verlegen konnte.- Daneben blieb ein kleines Büro in London zurück, das hauptsächlich die Ausgabg hatte, die Verbindung mit der zionistischen Leitung und den Landmannschaften herzustellen. Trotz mancher Reibungen, war das Verhältnis zu der zionistischen Leitung freundlich. Redner berichtet dann insbesondere über die Tätigkeit in Palästina. Das Einwanderungsbüro in Jaffa hat unter besonderer Mithilfe der Jugendorganisation während der letzte» 8 Monate 2000 Chaluzim seine Fürsorge angcdeihen lassen, das Büro in Jerusalem weiteren 600. Anleihekasse» sür Chaluzim und kleine Händler werden jetzt ins Leben gcrusen. Diesem Teil der palästinensi, scheu Bevölkerung hat der Misrachi in verschiedenen Beziehungen zur Seite gestanden. In verschiedenen Kolonien, werden die Gehälter der Rabbiner ganz oder teilweise vom Misrachi gezahlt. Ebenso steht es mit Schochtim. Die Kulturarbeit, die einen großen Teil der Tätigkeit des Misrachi in Anspruch. nimmt, wird in einem besonderen Referat gewürdigt werden. Rabbiner F i s ch m a n n - Jerusalem verliest unter siarkent Beifall eine herzliche Begrüßung des Jerusalemer Oberrabbiners Äuk. Rabb. Dr. S ch ö n f e l d - Jerusalem spricht über Erziehungswesen. 31 Schulen insgesamt mit 149 Lehrern und 2775 Schülern (V-t der Gesamtschülerzahl im Lande) stehen unter dem Schulrat des Misrachi, dem Redner vorsteht. Unter den Anstalten 'des Misrachi nimmt das Lehrerseminar in Jerusalem eine besondere Stellung ein: nicht nur aus Palästina, sondern auch Syrien und Bagdad werden Msolvente» dieses Lehrerseminars vertangt. Die Schaffung einer gleichen -Anstalr für Lehrerinnen sei eine Notwendigkeit. Ter Bau eines eigenen Schulgebäudes sür die Tachkemonie in Jaffa wird bald in -Angriff genommen werden können. Die Frage, ob die Zionistische Organisation sich mit dein schulwerk befassen solle, wird zur Zeit auch außerhalb des Misrachi erörtert, allerdings dort mehr aus Politisch-finanziellen Gründen als kulturellen. Jedoch stellr das bisherige zionistische Erziehungswesen eine derartig gtz^h,lasse ne, wohldnrchdachte Organisation dar, daß es fraglich ist, ob ein reiner Kulturfonds, wie er von Gegnern des zionistischen Schulwerks geplant ist, ähnliches schassen kann. Tie staatlichen Schulen sind meistens aus die arabische Bevölkerung zugeschnitten, weshalb ein einheitlich organisiertes jüdisches Schulwesen notwendig ist. Durch die Londoner Jahreskonferenz entstand ein 'einheitlicher Waad Hachinuch (Erziehungs-Oberbehördeh der sich mit den externen Fragen aller und den. internen Fragen der sog. allgemeinen schulenzu befassen hat.' Für die orthodoxen wurde ein autonomer -Waad Hamefakeach- (Aufsichtsrat) geschassen, der über Lehreranstellung, Lehrziel in den orthodoxen schulen entscheidet. Die Qualität der allgemeinen Volksschuken ist gut, religiös sind sie jedoch im-besten Falte neutral, die Mittelschulen werden in völlig unsilbischem Geiste geführt. Die Elternschaft wünscht in ihrer überwiegenden Mehrheit traditionelle Erziehung, woraus sich die Tendenz ergab, auch allgemeine Dorfschulen dem Waad Hamefakeach zu unterstellen. Jnbezng aus die Mittelschulen sind nur -Reugrün- ' düngen möglich. Begrüßungen von Dr. Weizmann, Sir Stuart Smnuel, vom amerikanischen Misrachi, der Misrachiorganisation Jaffa, dem Frauen-Misrachi in Warschau und von der „-Neuen Jüdischen Presse" in. Frankfurt werden verlese». Die -Autonomie des Waad Hamefakeach hae sich bewährt, sie besitzt jedoch Grenzen. Im Lause des Jahres waren Ersparnisse im allgemeinen schulwert nötig geworden. 20 Lehrer wurden überrlüstig. Bei den Misrachischulen waren keine Entlassungen nötig, im Gegenteil müssen einige Stellen neu besetzt werden. Naturgemäß besteht der Waad Hachinuch darauf, daß zunächst die im Lande entlassenen Lehrer angestellt werden müssen, bevor Kräfte ans dem -Auslande i-erangezogen werden. Ferner besteht ein allgemeines Bedürfnis nach orthodoxen Kiitdergätten, llnd es gibt z. - Zl. keine hierzu geeignete» Lehrkräfte. Die Gründung cincs neuen Institutes zur Ausbildung orthodoxer Lehrerinnen und Leiterinneit für Anstalten, an denen weibliche Kräfte gebraucht werden, würde von dem allgemeinen Waad mit Rücksicht aus die notwendigen Ersparnisse nicht finanziert werden, und der Misrachi sähe sich gezwungen, eigene Mittel hierfür auszubringen. Wenn aber die Forderung dlirchgesetzt wird, daß die Gelder, die dem Waad Hamefakeiach proz c n t u a l; u st e h e n, diesem z rt r freien V e r s ü - g u ig übergeben werden, baden wir Pie Möglichkeit, diese Änstali vor anderen den Vorzug zu geben. Hieraus ergeben sich sür den Misrachi folgende Forderungen an den Kongreß: „Die alten Beziehungen zum Waad Hachinuch sollen erhalten bleiben. Verlangt wird dagegen die freie Versngniig über die Waad Hamckakeiach zugehörigen Gelder." Das Verhältnis zu den Chedarint 'und Jeschiwauth muß sehr vorsichtig geregelt werden. Diese -Anstalten bilden trotz' ihrer Menge immer noch die s.Hauptquelle für das iüdischreligiöse Leben. Bei den sephardischen Juden, die sich am stärksten von den schulen der Alliance beeinslussen ließen, liegen die Verhältnisse sehr im Argen, und bei ihnen wurde ein ver^ißungsvoller -Anfang' gemacht, indem die oberste Klasse einer Volksschule zli einer Vorstufe für die Jeschiwah ausgebalit wurde. Mil der Verwaltung des Vereins zur Erziehung jüdischer Weiseir wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach wir über ausgezeichneten Boden neben Pecach-Tikwah (80b Tunam) verfügen, uin dort eine landwirtschaftliche Schule zu errichten. Die Handwerkerschule i ü r M e t a l l a r b e i r e r ,.S ch a a r e T h o ra" wird 'uns zur Uebernahme angeboten - mir haben sie soweit wie möglich int Lause dieses Jahres unterstützr). sie muß natürliche »en ausgestatiet ttitd umgestalter werden. Ebenso dringend-. ist eine orthodoxe Mädchenschule in Haifa. Dringend» Aufgabe des Misrachi ist es, im kommenden Jahre die n o t w e n d i g e n B e i r r ä g e a u f zub r i n g e n.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.